12.03.13

"Likes"

Was Sie bei Facebook über Ihr Sexleben verraten

Geschlecht, politische Gesinnung, sexuelle Orientierung: Experten können auf Facebook die Vorlieben sehr genau einschätzen. Forscher fanden zudem heraus, dass Facebook negative Gefühle hervorruft.

Von Jessica Binsch
Foto: AFP

"Gefällt mir“: Vorlieben auf Facebook lassen Rückschlüsse auf die eigene Persönlichkeit zu
"Gefällt mir": Vorlieben auf Facebook lassen Rückschlüsse auf die eigene Persönlichkeit zu

Schwul oder hetero, Christ oder Moslem, konservativ oder liberal – das will nicht jeder über sich verraten. Doch es lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus den "Gefällt mir"-Klicks schlussfolgern, die Menschen auf dem Sozialen Netzwerk Facebook verteilen. Das fanden britische Forscher bei einer Untersuchung von 58.000 Facebook-Nutzern in den USA heraus.

Mit einer Computeranalyse der "Likes" lassen sich Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung und politische Einstellung der Nutzer erstaunlich genau vorhersagen. Das berichten die Sozialwissenschaftler in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Fast perfekte Trefferquote anhand von unterschiedlichen "Likes"

Bei der Unterscheidung von Weißen und Afro-Amerikanern lagen sie zu 95 Prozent richtig, Männer und Frauen konnten sie in 93 Prozent der Fälle korrekt zuordnen. Sie schlussfolgern, "dass sich die Nutzungsmuster im Netz zwischen diesen Gruppen deutlich genug unterscheiden, um eine fast perfekte Zuordnung vorzunehmen".

Das gilt auch für möglicherweise sensible Informationen. Die Vorhersage, ob ein Mann homo- oder heterosexuell ist, stimmte in 88 Prozent der Fälle. Bei Frauen war die Aussage mit 75 Prozent weniger genau. Für die Untersuchung werteten Michal Kosinski von der Universität Cambridge und seine Kollegen die "Likes" der Studien-Teilnehmer aus und verglichen sie mit Antworten der Probanden in Fragebögen.

Vorraussagen auch anhand selbst hinterlegter Daten

Teilweise verließen sie sich zur Überprüfung ihrer Voraussagen auch auf Informationen, die die Menschen selbst in ihren Facebook-Profilen hinterlegt hatten. Dort können Nutzer unter Anderem angeben, ob sie "interessiert an" Männern oder Frauen sind.

Die Forscher stießen dabei auf interessante Zusammenhänge. So sei ein "Like" für die US-Satiresendung "Colbert Report" ein guter Indikator für hohe Intelligenz. Ein Daumen hoch für "Harley Davidson" deute eher auf das Gegenteil hin.

Wer bei der Hip-Hop-Gruppe vom "Wu-Tang Clan" auf "Like" klickt, ist wahrscheinlich heterosexuell. Ein "Like" für die Schwulenrechte-Kampagne "No H8" (für "No Hate", also "kein Hass") deute dagegen auf Homosexualität hin.

Kontrolle über die eigenen Informationen wird schwieriger

Doch nur fünf Prozent der Nutzer, die die Forscher als schwul einstuften, hatten bei einer solchen Seite "Gefällt mir" geklickt. Dennoch ließ sich, zusammen mit anderen Hinweisen, die sexuelle Orientierung recht zuverlässig schätzen. Bei den Männern war die Zuordnung einfacher: 88 Prozent wurde die richtige sexuelle Orientierung unterstellt. Bei den Frauen hingegen wurden nur 75 Prozent aufgrund ihrer "Likes" richtig als homosexuell oder heterosexuell eingeordnet.

Werbetreibende, Behörden oder die eigenen Facebook-Freunde könnten mit Hilfe von Computerprogrammen Informationen herausfinden, die der Einzelne nicht habe teilen wollen, warnen die Forscher. "Mit der immer weiter wachsenden Anzahl digitaler Spuren wird es schwierig für Menschen, zu kontrollieren, welche ihrer Einstellungen offen gelegt werden", schreiben sie. Soziale Netzwerke sollten auf Transparenz achten und den Nutzern ausreichend Kontrollmöglichkeiten bieten.

Facebook ruft negative Gefühle hervor

Studien wie die der Universität Cambridge sorgen immer wieder für Aufregung in der Fachwelt. Erst vor Kurzem fanden Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität und der Technischen Universität Darmstadt heraus, dass Facebook bei Nutzern vorwiegend negative Gefühle hervorruft.

In der Studie wurden 600 Mitglieder von Facebook nach ihren Emotionen während und nach der Nutzung des Online-Netzwerks gefragt. Das Ergebnis: Mehr als ein Drittel gab an, negative Gefühle wie Frustration empfunden zu haben.

Neid und Frustration durch ewiges Vergleichen mit Anderen

Als Erklärung dafür nennen die Forscher in erster Linie Neid. Insbesondere wer vornehmlich Informationen konsumiert als aktiv kommuniziert, ist besonders oft negativen Gefühlen ausgesetzt. Obwohl Nutzer zögern, Neidgefühle auf Facebook zuzugeben, vermuten sie oft bei anderen Neid als Ursache für deren Frustration ein deutliches Zeichen für das Vorkommen dieser Emotion auf Facebook.

In der Tat begünstigt der Zugang zu vielen positiven Nachrichten und Profilen von vermeintlich erfolgreichen Freunden einen sogenannten sozialen Vergleich, der leicht Neid erzeugt. Soziale Online-Netzwerke setzen ihre Nutzer einer nie da gewesenen Menge dieser Informationen aus.

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