26.02.13

Cyberattacken

Chinas Hacker machen am Wochenende frei

Angeblich führt das Militär Cyberangriffe aus. Die Regierung weist das hartnäckig zurück. Doch: Die Hacker arbeiten offenbar nach Dienstplan.

Foto: dpa

Allein in Deutschland werden pro Jahr mehr als 1000 Angriffe chinesischer Hacker auf Computer deutscher Bundesbehörden registriert
Allein in Deutschland werden pro Jahr mehr als 1000 Angriffe chinesischer Hacker auf Computer deutscher Bundesbehörden registriert

Chinas Führung will mit Hackenangriffen auf ausländische Ziele nichts zu tun haben. Dafür müssten Chaoten verantwortlich sein, heißt es in Peking. Aber ein Umstand spricht laut Experten dafür, dass doch professionelle Internetspione am Werk sind: Chinas Hacker machen am Wochenende frei.

Spekulationen, dass Chinas Militär nicht nur militärischen Geheimnissen nachjagt und Dissidenten schikaniert, sondern auch Firmeninterna sammelt, sind nicht neu. Genährt wurden die Gerüchte vergangene Woche erneut durch einen Bericht des US-Sicherheitsunternehmens Mandiant.

China spiele in einer anderen Liga als die anderen, sagt Martin Libicki, der sich für das Forschungsinstitut mit dem Thema Cyberkrieg befasst. Ihm und anderen Experten ist seit langem aufgefallen, dass China zugerechnete Attacken vor allem werktags erfolgen. Öffentliche Beweise für die Schuld des chinesischen Militärs gibt es allerdings wenige.

Mandiant erklärte in seinem Bericht, Hackerangriffe auf 141 Ziele unter anderem in den USA und Großbritannien seien zur Einheit 61398 der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurückverfolgt worden. Die Einheit residiert in einem unauffälligen zwölfstöckigen Gebäude in einem Vorort Schanghais. Experten ordnen die Einheit 61398 der Dritten Abteilung des Generalstabs der Volksbefreiungsarmee zu. Diese Abteilung überwacht elektronische Signale wie E-Mails und Telefonanrufe und ist laut Studien der US-Regierung bestens ausgestattet. Sie betreibt zwölf Büros, drei Forschungseinrichtungen und beschäftigt geschätzte 13.000 Linguisten, Techniker und Wissenschaftler.

Hacker beginnen um 8 Uhr morgens Pekinger Zeit

Bei den Angriffen wurden vertrauliche Informationen über Preise, Vertragsverhandlungen, Produkttests und Firmenübernahmen gestohlen. Die Hacker hätten regelmäßig ab acht Uhr Morgens Pekinger Zeit begonnen und meist einen normalen Arbeitstag lang gewerkelt, heißt es. Für Experten ist das ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um von Patriotismus getriebene Internetkriminelle handelt, sondern um eine professionelle Armee.

China weist eine offizielle Beteiligung weit von sich. Derartige Vorwürfe seien haltlos, Peking selbst werde immer wieder von Hackern angegriffen, vor allem aus den USA, heißt es. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums dementierte nicht, dass von China Hackerangriffe ausgehen, erklärte aber, es sei falsch, die Regierung oder das Militär dafür verantwortlich zu machen.

Cyberkrieg hat für die Volksbefreiungsarmee seit mehr als einem Jahrzehnt laut Experten hohe Priorität. Offiziell äußert sich Chinas Militär selten zu diesem Thema, im Mai 2011 erwähnte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums allerdings Chinas "Online-Armee". Eine bessere Informationstechnologie und ein besserer Schutz der Netzwerksicherheit seien für eine Armee wichtige Bestandteile der militärischen Ausbildung, sagte der Sprecher seinerzeit.

Er habe die von Mandiant für die Angriffe verantwortlich gemachte Hackergruppe "Comment Crew" der Einheit 61398 im Einsatz erlebt, berichtete der Experte für Internetsicherheit Greg Walton. Ebenso aktiv sei eine andere Gruppe der Generalstabsabteilung Drei, die von Chengdu aus indische Geheimdienste und Denkfabriken sowie die in Indien residierende tibetanische Exilregierung angreift. Auch die "Elderwood Group" soll Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee haben. Sie hat dem IT-Sicherheitsunternehmen Symantec zufolge Rüstungsfirmen, Menschenrechtsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Dienstleister ins Visier genommen.

Auch Ministerien sollen Hackerangriffe durchführen

Auch das Ministerium für öffentliche Sicherheit, dem die Polizei untersteht, sowie das Ministerium für Staatssicherheit werden mit Hackerangriffen in Verbindung gebracht. Die zu den führenden Geheimdiensten des Landes zählende Behörde soll hinter Angriffen auf ausländische Akademiker stecken, die sich mit innerchinesischen Gesellschaftsthemen und Unruhen in Tibet und Xinjiang befassen. Eine Hierarchiestufe darunter stehen nach Einschätzung von Experten private Akteure wie zivile Universitäten und Forschungseinrichtungen oder Staatsunternehmen, aber auch Studenten.

Chinas Regierung ist nicht die einzige, der Internetspionage vorgeworfen wird, aber laut Experten kann Peking niemand das Wasser reichen, was den Einsatz von militärischen Ressourcen für den Diebstahl von Wirtschaftsgeheimnissen angeht. "Diebstahl von Geheimnissen ist Diebstahl von Geheimnissen, unabhängig vom Medium", sagte Sicherheitsexperte Richard Forno von der Universität Maryland Baltimore County. "Der Unterschied besteht vor allem darin, dass man diese Diebe nicht so leicht verhaften kann, weil sie höchstwahrscheinlich nicht einmal im Land sind. Das unterscheidet sich von der Art und Weise, wie das Spiel während des Kalten Kriegs gespielt wurde."

Quelle: AP/alu
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Karneval der Kulturen der Welt
19.05.13Umzug
Karneval der Kulturen – 700.000 feiern in Kreuzberg

In Berlin-Kreuzberg ist es wieder bunt und voll: Tausende Tänzer, Musiker und andere Akteure inszenieren den Karneval der Kulturen. 75 Gruppen sind bei dem Multikulti-Umzug dabei. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Herthas blau-weißer Feiertag

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...

VfL Bochum - 1. FC Union Berlin
19.05.13Zweite Liga
Union gelingt mit Auswärtssieg versöhnlicher Saisonabschluss

Mit Tabellenrang sieben und dem ersten Auswärtserfolg nach acht sieglosen Spielen auf fremden Plätzen beendet der 1. FC Union die Zweitliga-Saison. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote