Betriebssystem
Jetzt mischt Firefox auf dem Smartphone-Markt mit
Firefox drängt auf den Smartphone-Markt – und nicht nur als alternativer Browser. Chinesische Hersteller setzen auf das neue Betriebssystem.
Es sind die mächtigsten Mobilfunkmanager Europas, und sie bekämpfen sich in der Regel mit allen legalen Mitteln: Telekom-Chef René Obermann und César Alierta, Chef des spanischen Mobilfunkers Telefónica. Doch in Barcelona scheint zum Auftakt der wichtigsten Branchenmesse, dem Mobile World Congress, die Welt aus den Fugen geraten: Die beiden zeigten sich einig im Lob für ein neues Produkt, für das Mobil-Betriebssystem Firefox OS der Mozilla Corporation.
Es sei eine große Chance, und man werde das System mit offenen Armen empfangen. Auf dem MWC fiel der offizielle Startschuss, Firefox-Handys wird es von den chinesischen Herstellern ZTE und Huwaei sowie von LG und Alcatel geben. Spätestens im Sommer, so heißt es, gebe es die ersten Geräte zu kaufen.
Auf den ersten Blick erscheint das ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Markt für Smartphones ist hart umkämpft, an Betriebssystemen herrscht kein Mangel. Auf zwei von drei Geräten verrichtet derzeit Googles Android seinen Dienst. Die iPhones mit Apples iOS kommen auf einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent. Microsoft hat bereits vor Monaten sein Windows Phone 8 gestartet. Und Blackberry schickte Ende Januar das neue Blackberry 10 ins Rennen.
Und doch trifft Firefox OS auf breite Unterstützung. Bereits zum Start haben sich neben der Telekom und Telefónica 16 weitere Mobilfunkkonzerne weltweit zu Firefox OS bekannt. Auch der Chef des Chipherstellers Qualcomm, Paul Jacobs, erschien in Barcelona zur Vorstellung des neuen Systems. Damit hat Mozilla viel Marktmacht vereint. Denn in den meisten Smartphones sind Prozessoren von Qualcomm eingebaut. Dass Firefox OS Rückenwind von den Telekomgesellschaften bekommt, liegt vor allem an dem Duopol Apple-Google, unter dem die Konzerne leiden. "Duopole sind keine gute Sache", sagte Telefónica-Chef Alierta.
Smartphones werden günstiger
Mit Firefox OS werde Telefónica viele Menschen zum ersten Mal mit einem Smartphone ausstatten. "Wir denken, dass diese Initiative die Mobilfunkindustrie fundamental verändern kann." Und auch Telekom-Chef Obermann zeigte sich zuversichtlich: "Dies wird ein großer Erfolg." Sollte Firefox bei den Käufern ankommen, dürften auch größere Gerätehersteller schnell zugreifen. Denn schon heute ist ihnen unwohl bei dem Gedanken, dass sie fast ausschließlich Android-Handys verkaufen. Sie fürchten die Abhängigkeit von Google, zumal der Konzern nach dem Kauf von Motorola plötzlich selber Handys baut. Für den Geschmack der Telekomgesellschaften schöpfen Apple und Google zu viel Gewinn ab. Sie behalten 30 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf von Anwendungen ein. Die Telekomkonzerne hingegen gehen bei diesen Geschäften leer aus.
Schlimmer noch: Sie müssen sich, wie alle anderen auch, hinten anstellen, moniert ein Manager. Wenn sie neue Apps einreichen, warten sie mitunter mehrere Wochen auf die Freigabe durch Apple. Das erklärt das Engagement der Mobilfunker, die Deutsche Telekom hat sogar die Entwicklung der Firefox-Software unterstützt. In den konzerneigenen Entwicklungsabteilungen, den sogenannten T-Labs, werkelten Software-Ingeniere an dem System kräftig mit.
Kaum Apps zum Marktstart
Die Deutsche Telekom will der erste Anbieter sein, der die Firefox-Handys in Europa auf den Markt bringt. Bereits im Sommer wird es das erste Gerät unter der Marke Alcatel One Touch Fire – vorerst in Polen – zu kaufen geben. Ein Problem dürften jedoch die wenigen Apps zum Start sein. Smartphone-Käufer legen großen Wert auf die Zahl der Anwendungen, die für ihre Geräte zur Verfügung stehen. Bei Apple sind es bereits mehr als 800.000, bei Google ähnlich viele. Firefox hingegen kann zum Start nur auf wenige Hundert Programme setzen.
Doch für das Betriebssystem spricht, dass es auf die bereits weitverbreitete Web-Technologie HTML5 setzt. Neben Websites werden auch viele Anwendungen für iPhones und Android-Handys zuerst in HTML5 geschrieben und später für die Systeme umgewandelt. Diesen Zwischenschritt können sich Entwickler bei Firefox sparen. Der Einsatz der effizienten Technologie schont zudem den Handyspeicher und die eingebauten Chips. Firefox-Telefone dürften sich also deutlich günstiger herstellen und anbieten lassen als iPhones oder Android-Smartphones, die 100-Euro-Preismarke könnte schon bald nach unten durchbrochen werden. Kein schlechtes Verkaufsargument.
Bezahlen per Funk
Die Mobilfunkmesse in Barcelona könnte auch der Bezahlfunktion des Smartphones zum Durchbruch verhelfen. So kündigte der Kreditkarten-Riese Mastercard das System MasterPass an, das als eine Art digitale Brieftasche für alle Lebenslagen gedacht ist. Damit soll man in Zukunft zum Beispiel mit dem Smartphone bezahlen können, indem man im Laden einen Strichcode einscannt. Oder man hält ein Smartphone mit NFC-Funktechnik (Near Field Communication) über ein entsprechend ausgestattetes Bezahl-Terminal. So könnten die Kassen in den Läden zumindest teilweise abgeschafft werden, weil der Kunde den Bezahlvorgang komplett auf seinem mobilen Gerät abwickelt.
Bei MasterPass könne ein Kunde verschiedene Konten und Karten bündeln, die Daten würden online auf gesicherten Servern von Mastercard gespeichert und müssten nicht jedes Mal eingegeben werden. In Deutschland dürfte das System Anfang 2014 eingeführt werden. Dann steht nur noch das Vertrauen des Verbrauchers aus.















