Sony
So ist die neue Spielekonsole Playstation 4
Sony bringt das Gerät zum Weihnachtsgeschäft in den Handel. Die Playstation 4 ist nicht besonders innovativ, aber ganz schnell.
Es war schon eine merkwürdige Präsentation, denn gezeigt wurde eigentlich – nichts. Der japanische Entertainmentriese Sony stellte am Mittwochabend in New York seine neue Spielkonsole Playstation 4 vor, doch das Gerät war nicht zu sehen.
Die Neuvorstellung, die den inzwischen sieben Jahre alten Vorgänger-Hit Playstation 3 ablöst, soll als erste einer neuen Generation von Spielkonsolen gegenüber den technisch aktuell dominanten PC aufholen und sie überholen. Gleichzeitig soll sie dem Sony-Konzern aus seiner jahrelangen Krise heraushelfen.
Mit der frühen Präsentation kommen die Japaner der Konkurrenz von Microsoft mit ihrer kommenden XBox 720 zuvor – allerdings nur in der Berichterstattung, denn beim Kunden soll das neue Gerät frühestens zum Weihnachtsgeschäft ankommen.
Playstation-Manager Andrew House kündigte an, Sony wolle es speziell Spiele-Entwicklern einfach machen, neue Titel für die PS4 zu entwickeln. Seit 2008 haben sich die Ingenieure des Konzerns mit den Entwicklern zusammengesetzt, um den Zugang zu Sonys kommender Plattform fürs Wohnzimmer zu erleichtern. "Die PS4 ist inspiriert von den Entwicklern", sagte House.
Ohne eine Sekunde Verzögerung
Sony verwendet für die PS4 erstmals PC-Hardware: Ein x86-Prozessor soll es speziell unabhängigen Entwicklern einfacher machen, ihre Produkte für mehrere Plattformen zu verwenden. Ein acht Gigabyte schneller GDDR5-Arbeitsspeicher und eine Grafikeinheit aus dem PC-Bereich reichen laut Sony aus, um die Zukunftssicherheit der neuen Playstation zu gewährleisten.
Allerdings: Moderne Gaming-PC verfügen heute bereits über die doppelte Menge an Speicher. Als sonderlich innovativ oder gar als ein Meilenstein wie 2006 die PS3 kann Sony seine neue Konsole nicht vermitteln. Ein Alleinstellungsmerkmal der PS4 soll immerhin der neue Dualshock-Kontroller werden: Er kombiniert die klassische Steuerung mit einem integrierten Touchpad, außerdem emittiert er Licht, das von einer Stereokamera an der Konsole verfolgt wird – so kann der Kontroller die Bewegungen von Spielern im Raum verfolgen und auseinanderhalten. Auch die mobile Spielekonsole Playstation Vita soll mit der neuen PS4 interagieren: Spiele sollen von der PS4 auf den kleinen Bildschirm der Vita übertragen werden, der Spieler die Titel mobil mitnehmen können.
Dem PC voraus hat die PS4 zudem Schnelligkeit: Laut Systemarchitekt Mark Cerny soll die Konsole direkt und ohne eine Sekunde Verzögerung aus dem Arbeitsspeicher starten. Spieler sollen die Konsole ausschalten, später wieder anmachen und exakt dort weiterspielen, wo sie zuvor waren.
Doch die Hardware allein reicht nicht mehr aus, um dem PC Paroli zu bieten: Sony setzt voll auf die Integration des eigenen sozialen Spielernetzwerks. So sollen sie etwa direkt aus dem Spiel heraus knappe Zehn-Sekunden-Videoclips von ihren Heldentaten ins Netz stellen oder Freunde aus dem Spiel heraus zum Mitmachen einladen und ihnen im Spiel Geschenke wie etwa virtuelle Verbandskästen schicken. Sony will die erste Social-Networking-Konsole bauen, integriert sogar auf dem Spielcontroller eine eigene Sharing-Taste.
Spiele-Welt hat sich verändert
Auch Titel der Vorgängerkonsole sollen direkt aus dem Netz geladen werden, die Entwickler sollen voll auf die Internetanbindung an die hauseigenen Cloud-Server setzen. Der Konzern hofft, seine Nutzer so gut kennen zu lernen, dass die PS4 bereits vorausahnt, welche Inhalte interessieren. Die werden dann bereits vorab geladen, um die Wartezeiten für neue Inhalte kurz zu halten. Aber auch alte und gebrauchte Spiele sollen mit der neuen Konsole funktionieren – damit erfüllt der Konzern die Forderung vieler Konsolenfans.
Für Sonys Chef Hirai – der sich selbst nicht in New York blicken ließ – ist die PS4 der wohl wichtigste Versuch, die andauernde Abwärtsspirale des einstigen Weltmarktführers für Wohnzimmerelektronik aufzuhalten.
Sony musste im vergangenen Geschäftsjahr hohe Verluste verbuchen, erst im Weihnachtsquartal konnte der Konzern wieder schwarze Zahlen melden. Im Fernsehmarkt musste Sony seine Position an Samsung abgeben, mit der Konsole will der Konzern nun das Wohnzimmer zurückerobern. Die Welt der Spieler hat sich jedoch seit der Präsentation der PS3 2006 stark verändert: Spiele kommen nicht mehr per DVD, sondern als günstiger schneller Download. Viele Titel kosten deutlich weniger als 50 Euro, diverse erfolgreiche Titel werden gar kostenlos mit kostenpflichtigem Premium-Zusatzabo angeboten.
Sonys Umsatz mit Videospielen war zum Jahresende 2012 um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Um dieser Veränderung gerecht zu werden, muss Sony nicht nur gegen die alten Konkurrenten Nintendo und Microsoft, sondern vor allem auch gegen die Stream-Plattform für PC und gegen Apples App-Store punkten. Konkurrent Valve will zudem selbst eine Konsole für Stream-Spiele herausbringen.
Ob Sony das Comeback gelingt, wird im Wesentlichen davon abhängen, wie frei zugänglich für Spieleentwickler und Videodienste Sony seine neue Plattform tatsächlich gestaltet. Nur wenn zum Start bereits ausreichend Titel für die PS4 verfügbar sind, dürften die Hardcore-Fans echte Kauflust verspüren. Auch dürfte der Preis des Geräts eine wesentliche Rolle spielen: Gute Spiele-PC kosten etwa 800 Euro, die Konsole müsste wesentlich billiger sein. Die PS3 startete 2006 für relativ teure 599 Euro – zu teuer für eine Konsole. Erfolgreich wurde die PS3 erst, als Sony den Preis senkte.
Die Preis-Schmerzgrenze für Konsolen liegt bei etwa 400 Euro, darüber hinaus schlagen nur Hardcore-Fans zu. Da die vorgestellte Hardware jedoch etwa 500 Dollar kostet, würde Sony anfangs mit jeder verkauften Konsole Geld verlieren. Erst der Verkauf von Spielen und Multimedia-Inhalten macht das Geschäftsmodell Konsole profitabel.
















