19.02.13

Polizeikongress

Jeden Tag eine Million Opfer von Cybercrime

Datenklau, Erpressung, Kinderpornos: Cyberkriminalität nimmt drastisch zu und verursacht Milliardenschäden. Experten aus 60 Ländern suchen in Berlin nach Strategien gegen digitale das Verbrechen

Foto: dpa

Rund 1000 Sicherheitsexperten aus 60 Nationen beraten beim Europäischen Polizeikongress in Berlin über den Kampf gegen Kriminelle im Internet
Rund 1000 Sicherheitsexperten aus 60 Nationen beraten beim Europäischen Polizeikongress in Berlin über den Kampf gegen Kriminelle im Internet

Sicherheitsexperten warnen vor einer wachsenden Gefahr durch Kriminelle im Internet. Je mehr Regionen und Länder auf der Welt Zugang zum Internet hätten, desto größer würden die Risiken. Das sagte Troels Oerting vom neuen Zentrum der Europäischen Union (EU) für Cyberkriminalität beim Europäischen Polizeikongress in Berlin.

Für Verbrechen im Netz gebe es keine geografischen Grenzen, mahnte Oerting. Er forderte eine bessere internationale Zusammenarbeit. Kriminelle bräuchten zudem im Internet wenig Ressourcen, um ihre Taten zu begehen, außerdem könnten sie sich gut in den Weiten des weltweiten Netzes verstecken. Das stelle die Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen.

Beim Europäischen Polizeikongress beraten rund 1000 Sicherheitsexperten aus 60 Nationen noch bis Mittwoch über den Kampf gegen Kriminelle im Netz. Nach Angaben der EU wird weltweit jeden Tag eine Million Menschen Opfer von Internetkriminalität.

Der Schaden beläuft sich nach diesen Angaben pro Jahr auf rund 290 Milliarden Euro. Die Delikte reichen von manipulierten Banküberweisungen über Datenklau und digitale Erpressung bis zur bandenmäßigen Verbreitung von Kinderpornos.

Dunkelziffer in Deutschland hoch

In Deutschland stagnierten die Fallzahlen zuletzt. 2011 gab es rund 60.000 Fälle von Cyberkriminalität, wie aus dem jüngsten Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht. Der verursachte Schaden sei allerdings gewachsen, die Täter agierten immer professioneller. Zudem gehen Experten von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Einen Grund zur Entwarnung gebe es deshalb nicht, warnen BKA-Experten.

EU-Fachmann Oerting mahnte, beim Kampf gegen Internetkriminalität müssten die Sicherheitsbehörden in verschiedenen Ländern enger zusammenarbeiten. Polizei, Ermittler und Richter müssten besser ausgebildet werden. Auch Kinder und Jugendliche sollten früh lernen, wie sie sich sicher im Internet bewegen, um nicht in die Fänge von Kriminellen zu geraten.

Auch Interpol-Fachmann Noboru Nakatani mahnte dringend mehr Kooperation der Strafverfolgungsbehörden über Ländergrenzen hinweg an. Anders seien die komplexen Strukturen der Internetkriminalität nicht zu bekämpfen.

Union über Datenspeicherung zerstritten

Innenstaatssekretär Klaus-Dieter Fritsche sagte, mit der Digitalisierung der Gesellschaft habe sich die Kriminalität zunehmend ins Netz verlagert. Das Dunkelfeld sei groß. Fritsche betonte aber: "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum." Es sei wichtig, die richtige Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden. "Freiheit ohne Sicherheit kann es nicht geben. Und Sicherheit ohne Freiheit hat keinen Wert."

Fritsche kritisierte, es sei "äußerst misslich", dass es in Deutschland noch immer keine Regelung zur Vorratsdatenspeicherung gebe. Das führe zu gravierenden Schutzlücken. Union und FDP sind in der Frage der Speicherung von Daten zu Handy- und Internetverbindungen tief zerstritten.

Der Berliner Tagungsort war am Dienstag mit Absperrungen gesichert, weil ein linksextremes Bündnis Proteste angekündigt hatte. Nach Polizeiangaben blieb es aber zunächst ruhig. Am Samstagabend war es dagegen bei einer Demonstration von etwa 650 Mitgliedern linksextremer Gruppen zu Ausschreitungen gekommen.

Quelle: dpa/jw
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