20.12.12

Tourismus

Weltraum für alle - 2013 starten erste Privatflüge ins All

Urlaub in der Umlaufbahn: Im kommenden Jahr könnte der Traum vom Weltraum-Tourismus wahr werden - wenn man denn 200.000 Dollar übrig hat.

Von Guido Meyer
Foto: Reuters
Pionier  Richard Branson schaut aus dem Cockpit eines Modells des „SpaceShipTwo“, in der Hand das Modell einer Trägerrakete
Pionier Richard Branson schaut aus dem Cockpit eines Modells des "SpaceShipTwo", in der Hand das Modell einer Trägerrakete

Ein alter Traum der Menschheit könnte bald Wirklichkeit werden: ein Wochenende im Weltall, Urlaub in der Umlaufbahn.

Firmen in der Alten und Neuen Welt entwickeln zurzeit Raumschiffe, von denen aus Otto Normalverbraucher schon bald von oben auf seinen Heimatplaneten hinabschauen kann. Es begann im Sommer 2004: Das Raumschiff "SpaceShipOne" macht seinem Namen Ehre und erreicht als erstes privates Raumschiff die Grenze zum Weltraum, die per Definition bei 100 Kilometer Höhe liegt. Dreimal steuert Pilot Mike Melville das Fluggerät hin und zurück und landet mit ihm beim Örtchen Mojave in der kalifornischen Mojave-Wüste wie mit einem Flugzeug.

Den ersten Teil der Reise bestritt dabei ein "weißer Ritter", ein Flugzeug mit dem Namen "WhiteKnight", das das kleinere Raumschiff huckepack auf etwa 14 Kilometer Höhe trug, von wo aus seine Triebwerke es ins All getragen haben. Melville zeigte sich von der Aussicht während der wenigen Minuten Schwerelosigkeit überwältigt. "Das ist fast schon eine religiöse Erfahrung." Er habe die Krümmung der Erde, die Inseln vor Los Angeles und die US-Westküste hinauf bis nach San Diego sehen können. "In 100 Kilometer Höhe haben Sie eine Wahnsinnsaussicht!"

Tolle Aussicht und Schwerelosigkeit

Heute hängt das kleine, wacklige Gefährt als Ausstellungsstück im National Air and Space Museum in Washington, D.C. – in acht Jahren vom Pionier zum Ausstellungsstück. Seitdem war es still geworden um "SpaceShipOne", doch hinter den Kulissen hat die britische Raumfahrtfirma Virgin Galactic das Raumschiff zu "SpaceShipTwo" weiterentwickelt. Auch das Trägerflugzeug ist nun größer und heißt "WhiteKnightTwo". Es wird "SpaceShipTwo" auf eine Höhe von 15 Kilometer bringen. Dort wird es losgelassen, gleitet kurz und zündet dann seine eigenen Triebwerke, die es mit etwa dreifacher Schallgeschwindigkeit am Ende auf eine Höhe von 100 Kilometern schießen sollen.

Einmal im All angekommen, hat "SpaceShipTwo" seinen Treibstoff verbraucht. Es beschreibt eine Parabel, am höchsten Punkt herrscht für drei bis fünf Minuten Schwerelosigkeit, da sich die Fliehkräfte des Raumschiffs und die Erdanziehungskraft aufheben. Letztlich überwiegt diese jedoch, und das Vehikel fällt zurück auf die Erde. Der Pilot muss dabei den gleitenden Sinkflug so lenken, dass das Raumschiff wieder am Startplatz aufsetzt.

Der Erfolg von "SpaceShipOne" hatte den britischen Unternehmer Richard Branson beflügelt, mit Virgin Galactic einen neuen Zweig seines Virgin-Konzerns zu gründen. Der Erbauer von "SpaceShipOne", Burt Rutan mit seiner Firma Scaled Composites, wurde beauftragt, das Raumschiff weiterzuentwickeln. Das heißt vor allem: es größer zu machen und für sechs Passagiere auszulegen. Auch der "weiße Ritter" wurde vergrößert, um das schwerere "SpaceShipTwo" auf seine Ausgangshöhe tragen zu können. Am Flugprinzip und an der Technik hat sich jedoch nichts Grundlegendes geändert. "Dies ist das erste Mal, dass ein geflügeltes Vehikel einen sicheren Wiedereintritt absolvieren kann", sagt Entwickler Burt Rutan. Dies bedeute ein großes Plus für die Sicherheit. Denn Reibungshitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre – ein Problem für Spaceshuttles – entsteht bei "SpaceShipTwo" nicht. Dazu steigt das Fluggerät nicht hoch genug, ist nicht so schnell und hält sich beim Fall zurück nicht lange genug in den untersten, reibungsintensiven Schichten der Atmosphäre auf.

Das neue Trägerflugzeug hat eine größere Flügelspannweite als eine Boeing 757, und es gelten dieselben Sicherheitsvorkehrungen wie für kommerzielle Flugzeuge. Was nach einem sicheren Projekt klingt, hat auch schon für einen entsprechenden Kundenansturm gesorgt. Rund 200 Weltraumtouristen haben sich bereits angemeldet und eine Anzahlung geleistet.

Preis sinkt auf 10.000 Dollar

Der Preis für fünf Minuten Schwerelosigkeit soll 200.000 Dollar betragen. Doch der Preis wird bald sinken, verspricht Firmenchef Branson. Dennis Tito, der Welt erster Weltraumtourist, der 2001 für 20 Millionen Dollar zur Raumstation "ISS" flog, glaubt, den langfristig realistischen Preis zu kennen: zwischen 5000 und 10.000 Dollar. Damit läge der kosmische Trip im Bereich einer Kreuzfahrt.

Zwischen Virgin Galactic und deutschen Interessenten vermittelt das Münchner Reisebüro "Designreisen". Doch die meisten Kunden haben vor Einsetzen der Finanzkrise gebucht, nun "ist der Markt leider etwas zurückgegangen", so Reisevermittler Christoph Berner. Derzeit gibt es etwa 500 Interessierte aus Deutschland, die aber noch nicht verbindlich gebucht haben. "Doch wenn die ersten Flüge stattfinden und jeder Mensch mit eigenen Augen sieht, wie einfach es ist, in den Weltraum zu fliegen, werden mit Sicherheit weitere Buchungen folgen."

Der Milliardär Richard Branson kann es sich mit seinem Virgin-Musiklabel, Radiostationen und der Fluglinie Virgin Atlantic leisten, auf den Gewinn eines einzelnen Tochterunternehmens zu warten – noch, warnt der Raumfahrtexperte Fabian Eilingsfeld von der Unternehmensberatung Price Systems in Rüsselsheim. "Die ersten Flüge werden mehr als vier Jahre nach dem ursprünglich anvisierten Starttermin losgehen." Irgendwann komme der Punkt, an dem es nicht mehr gelinge, die Kapitalkosten einzuspielen. Dann bleibe es ewig ein Verlustgeschäft. Früher oder später komme es auch zu einem Unfall, glaubt er. Dann müsse sich zeigen, ob die Passagiere dies ebenso entspannt wegstecken wie Flugzeugabstürze. Immerhin setzen noch zwei Dutzend weitere Firmen auf diese Art von Reisen. Und US Airways will "SpaceShipTwo"-Flüge gar in sein Vielfliegerprogramm aufnehmen: Für zehn Millionen Meilen auf dem Konto soll es einen Kurztrip ins All geben.

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