18.12.12

Online-Netzwerk

Datenschützer fordert anonyme Facebook-Konten

Bei Nichtbeachtung fordert der Facebook-Kritiker 20.000 Euro Strafe. Künftig will auch Instagram die Nutzer-Daten an Facebook weitergeben.

Foto: dpa

Ein Kieler Datenschützer will mehr Anonymität beim weltgrößten Online-Netzwerk Facebook erzwingen
Ein Kieler Datenschützer will mehr Anonymität beim weltgrößten Online-Netzwerk Facebook erzwingen

Datenschützer Thilo Weichert aus Kiel ist als Facebook-Kritiker bekannt. In einer neuen Attacke fordert er von Online-Netzwerk, anonyme Konten zuzulassen. Facebook lässt keine Bereitschaft erkennen, den Forderungen aus der norddeutschen Provinz nachzugeben.

Der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, will mehr Anonymität beim weltgrößten Online-Netzwerk erzwingen. Alle Nutzer aus Schleswig-Holstein müssten sich statt der Angabe echter Informationen zu ihrer Person auch unter einem Pseudonym registrieren können, forderte Weicherts Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz in einer am Montag veröffentlichten Anordnung. Die Klarnamenpolitik von Facebook verstoße gegen das deutsche Telemediengesetz, meinte der Facebook-Kritiker.

Klarnamenpolitik bringt Sicherheit

Facebook konterte, es liege in der Hand der Dienstleister, Geschäftsbedingungen bezüglich Anonymität festzulegen. "Wir sind der Ansicht, dass die Verfügungen vollkommen unbegründet und eine Verschwendung deutscher Steuergelder sind." Facebook werde energisch dagegen vorgehen. Das Unternehmen agiere konform mit europäischen Datenschutzbestimmungen, betonte ein Sprecher. "Facebook hat schon immer eine Klarnamenpolitik verfolgt, weil wir glauben, dass die Verwendung der wahren Identität eine bestimmte Sicherheit mit sich bringt, und dass unsere Nutzer von dieser Sicherheit profitieren."

Weichert gab Facebook und der für Europa zuständigen irischen Tochter zwei Wochen Zeit, seine Forderungen zu erfüllen. Ansonsten sollen sie jeweils 20 000 Euro zahlen. Facebook-Konten, die nur wegen fehlender Informationen gesperrt wurden, müssten wieder zugänglich gemacht werden. Außerdem müsse in Deutsch über die Möglichkeit einer Registrierung unter Pseudonym informiert werden. Weichert wirft Facebook schon seit langem Verstöße gegen Datenschutz-Bestimmungen vor und hatte im vergangenen Jahr bereits versucht, Unternehmen und Behörden in Schleswig-Holstein vom Einsatz des "Gefällt mir"-Buttons abzubringen. Damit hatte er jedoch nur wenig Erfolg.

Instagram gibt Nutzerdaten an Facebook weiter

Auch Instagram-Nutzer können nicht auf Anonymität setzen: Instagram will die Daten seiner Nutzer künftig an das soziale Netzwerk Facebook und andere Partner weitergeben. Das geht aus den neuen Datenschutzbestimmungen hervor, die der Fotodienst veröffentlicht hat. Facebook hatte Instagram im September 2012 übernommen.

Geteilt werden sollen sowohl fotografierte und hochgeladene Bilder als auch weitere Informationen, zum Beispiel über das Smartphone des Nutzers oder seinen Standort. Mitglieder des Dienstes sollen aber weiterhin wählen können, wer ihre Bilder sehen kann und ob sie auf Facebook gepostet werden. Die neuen Bestimmungen treten am 16. Januar 2013 in Kraft. Wer Instagram danach weiter nutzt, stimmt den Änderungen automatisch zu.

Quelle: dpa/tmn
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Datenschutz auf Facebook
  • Einstellungen

    Facebook-Mitglieder sollten die Einstellungen ihres Profils ändern, um sich vor zu viel Öffentlichkeit zu schützen. Die Einstellungen verstecken sich hinter dem kleinen hellblauen Pfeil oben rechts in der Menüleiste der Facebook-Seite. Wer beispielsweise verhindern will, dass Google Daten aus dem Facebook-Profil ausliest, klickt auf diesen Pfeil, dann auf "Privatsphäre-Einstellungen" und wählt in der angezeigten Liste "Werbeanzeigen, Anwendungen und Webseiten". Hier sollte kein Online-Suchdienst auftauchen.

  • Privatsphäre

    Im Bereich "Privatsphäre" können auch ältere Beiträge für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Weiterhin kann man seine Freunde bestimmten Gruppen zuordnen. Durch Klick auf den eigenen Namen öffnet sich die Freunde-Liste, rechts neben jedem Namen steht ein grauer Button. Ein Klick darauf zeigt die möglichen Gruppen, zu denen der- oder diejenige zugeordnet werden soll (man kann auch selbst neue Gruppen anlegen). Damit kann man beispielsweise verhindern, dass der Chef die privaten Fotos der letzten Strandparty zu sehen bekommt.

  • Öffentlichkeit

    Wer wissen möchte, wie sein Profil in der Öffentlichkeit dargestellt wird – also sowohl gegenüber Freunden, Bekannten als auch Kollegen –, klickt auf der Profil-Seite oben rechts auf den Button "Anzeigen aus der Sicht von ...", dann oben auf das blau unterstrichene Wort "Öffentlichkeit".

Wovor fürchtet sich Facebook?
  • Der Börsengang geht schief:

    Facebook: ist eine Macht im Internet. Und doch gibt es Dinge, die selbst Gründer Mark Zuckerberg  und seine Mitstreiter ängstigen.

     

    Im Börsenprospekt muss Facebook alle seine Sorgen offenlegen - damit kein Investor später sagt, er habe nicht um die Risiken seiner Geldanlage gewusst. Die Liste ist mehr als 20 Seiten stark.

  • Die Nutzer bleiben aus:

    Facebook ist seit seinen Anfängen vor acht Jahren rasend schnell gewachsen. Zuletzt gab es 901 Millionen aktive Nutzer, mehr als eine halbe Milliarde schauten sogar täglich vorbei.

     

    "Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg", erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten.

     

    "Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh." Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace  an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

  • Die Werbung bleibt aus:

    Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. 85 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen.

     

    Es sei unsicher, ob die Firmen Facebook die Stange hielten und bereit seien, weiterhin die Preise zu zahlen, warnt der Börsenaspirant. Überdies fürchtet Facebook, dass die Nutzer verstärkt über ihre Smartphones mit ihren Freunden in Kontakt treten.

     

    Zuletzt waren es 488 Millionen im Monat. Das mobile Facebook aber ist (noch) frei von Werbung und wirft damit kaum Geld ab. Die optimistischen Umsatzerwartungen von Investoren könnten enttäuscht werden, warnte Facebook unumwunden.

  • Die Konkurrenz schläft nicht:

    Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. "Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft  undTwitter ."

     

    So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als Facebook. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf.

     

    Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. "Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir."

  • Die Staatsmacht greift durch:

    "Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken." Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten - wie der arabische Frühling gezeigt hatte.

     

    Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf.

     

    In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

  • Die Nerds untergraben Geschäft

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen.

     

    "Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen." Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein.

     

    "Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können."

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