16.12.12

Schwarze Schafe

Beim Spenden sollten Sie ganz genau hinschauen

Der Staat zieht sich aus der Kontrolle von gemeinnützigen Organisationen zurück. Das Sammeln von Spenden ist mittlerweile oft sogar ohne Antrag möglich. Ein Grund mehr, genau aufzupassen.

Foto: Infografik Die Welt

Spenden im Monatsverlauf: Im Dezember gab es zuletzt den stärksten Ausschlag
Spenden im Monatsverlauf: Im Dezember gab es zuletzt den stärksten Ausschlag

In der Einkaufsmeile betteln zottelige Zirkusponys um eine Spende für Futter, an der Haustür fragt jemand vom Deutschen Roten Kreuz nach finanzieller Unterstützung und im Briefkasten stapeln sich Spendenaufrufe für afrikanische Kinder und chinesische Pandas.

Rund 20.000 Organisationen konkurrieren in Deutschland um das wohltätige Geld. Und in der Weihnachtszeit bekommen sie besonders viel davon.

Leider gibt es Spendensammler, die das Geld statt nach Afrika aufs eigene Konto überweisen. Die es nicht in den Schutz afghanischer Frauen investieren, sondern in den Kauf von Waffen. Die Straßenhunde nicht an Familien weiterleiten, sondern an Versuchslabore. Für den Normalspender ist es schwierig, sich nicht von Hochglanzbroschüren blenden zu lassen und nicht auf Pseudo-Prädikate herein zu fallen.

Siegel für seriöse Sammler

Wer sicher gehen will, dass sein Obolus nicht bei schwarzen Schafen landet, kann sich am Qualitätssiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) orientieren, einer Stiftung bürgerlichen Rechts, die bereits seit 1893 in Sachen Spenderberatung aktiv ist.

Heute wird sie finanziert vom Bundesfamilienministerium, dem Berliner Senat, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Deutschen Städtetag und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Die 251 deutschen Organisationen, die das DZI-Siegel zurzeit tragen, werden auf Herz und Nieren geprüft: Sie müssen unter anderem auf Werbung mit entwürdigenden oder reißerischen Bildern von Not und Elend verzichten und dürfen maximal ein Drittel ihrer Mittel für Verwaltung, Personal und Werbung ausgeben. Jedes Jahr wird die Einhaltung der Standards erneut überprüft.

"Knapp ein Drittel der Antragsteller erfüllt die Auflagen im ersten Anlauf nicht", sagt Burkhard Wilke, der Geschäftsführer des DZI.

Doch nicht jede Organisation, die das Siegel nicht trägt, ist automatisch unseriös. Viele Organisationen haben gar nicht die Möglichkeit, das Siegel zu erhalten: Wer nur regional aktiv ist oder weniger als 25.000 Euro im Jahr in die Spendenbüchse bekommt, kann sich beispielsweise erst gar nicht um die Zertifizierung bewerben.

Solchen Vereinen bietet das DZI alternativ eine kostenlose und einfach gehaltene Überprüfung an, deren Ergebnis – egal ob sie positiv oder negativ ausgefallen ist – auf der Homepage veröffentlicht wird. Rund 1000 solcher Einschätzungen hat das DZI mittlerweile in seiner Internet-Datenbank.

Internet-Datenbank für Aufklärung

Wer den Verein, den er unterstützen möchte, in der Datenbank des DZI nicht findet, hat vielleicht auf der Webseite CharityWatch.de mehr Glück. Ihr Gründer, der Journalist Stefan Loipfinger aus Rosenheim, hat jahrelang recherchiert, um unseriösen Vereinen das Handwerk zu legen.

Seine Ergebnisse veröffentlichte er auf seiner Webseite und machte sich damit nicht nur Freunde: Allein in 2011 hatte der Einzelkämpfer nach eigenen Angaben rund 50 Rechtsstreitigkeiten am Hals. Anfang dieses Jahres gab er auf. Seine Internetseite CharityWatch.de wird deshalb nicht weiter aktualisiert, die bisherigen Rechercheergebnisse bleiben aber weiter im Netz.

Abseits von Siegeln, Datenbanken und Internetseiten sollte jeder Spender ein paar einfache Grundregeln beachten, damit er nicht auf Spenden-Scharlatane herein fällt. So warnt Marcus Arndt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht in Kiel, nachdrücklich vor Schnellschüssen aus dem Portemonnaie: Spenden solle man überlegt oder gar nicht.

Vor allem, wenn – wie etwa bei langfristigen Fördermitgliedschaften – eine Unterschrift gefordert wird, sollte man nicht übereilt leisten. Selbst bei großen (Natur)Katastrophen kommt es nicht auf Schnelligkeit an. Seriöse Organisationen sind auf Notfälle vorbereitet und helfen ohne Rücksicht auf den aktuellen Spendeneingang.

Genau überlegen sollte man auch, wen oder was man am liebsten unterstützen möchte. Das Hospiz der Heimatstadt oder den südamerikanischen Regenwald? Die Konzentration auf eine oder zwei Organisationen spart Werbe- und Verwaltungsaufwand. Ob das örtliche Tierheim vernünftig aussieht, kann man selbst überprüfen und auch für das zottelige Zirkuspony in der Einkaufsstraße fällt kein bürokratischer Aufwand an.

Finger weg von Hilfspaketen

So gut Sachspenden gemeint sind: Das Geben von Kleidern, Lebensmittel oder Decken ist nur dann sinnvoll, wenn von einer Organisation ausdrücklich darum gebeten wurde. Andernfalls: Finger weg von Hilfspaketen, denn deren Verteilung stellt die Helfer oft vor große Schwierigkeiten.

Geldspenden dagegen werden in der Regel nach intensiver Planung und gezielt für Hilfsgüter verwendet. Im Idealfall werden benötigte Dinge sogar vor Ort gekauft, wodurch die Wirtschaft vor Ort gestärkt werden kann.

Die Hilfsorganisationen präferieren freie Spenden. Das sind Spenden, die nicht zweckgebunden eingehen. Sonst kann es passieren, dass für bestimmte Projekte mehr Geld eingeht als nötig, andere Projekte aber nicht umsetzbar sind, weil dafür kein Geld da ist. Oder aber die Organisationen müssen aufwendig die Spender nochmals anschreiben.

Das persönliche Spendenverhalten zu optimieren gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil der Staat sich aus der Kontrolle zurückzieht. Nur noch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen und im Saarland müssen Vereine ihre Sammlungen an Haustüren und auf öffentlichen Plätzen bei den Ordnungsbehörden beantragen. Überall sonst dürfen sie schalten und walten, wie sie wollen. Und das übrigens nicht nur zur Weihnachtszeit.

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