24.11.12

Rassismus-Vorwürfe

Im "Kleinen Hobbit" sind nur die Weißen gut

Kann ein Hobbit dunkelhäutig sein? Schon während der Dreharbeiten zu Peter Jacksons "Hobbit" wurden Rassismus-Vorwürfe laut. Jetzt erklärt die Anglistin Lena Steveker, was sie an dem Film stört.

Foto: picture alliance / dpa

Das Böse ist im Osten: Schauspieler Martin Freeman als Bilbo Beutlin in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“
Das Böse ist im Osten: Schauspieler Martin Freeman als Bilbo Beutlin in "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise"

Kann ein Hobbit dunkelhäutig sein? Diese Frage hatte ein Casting-Direktor in Neuseeland am Filmset von "The Hobbit" mit "Nein!" beantwortet. Der Mann erklärte Statisten, die sich als Hobbits bewarben, ihre Haut sei zu dunkel, um die kleinen, haarigen Fabelwesen spielen zu können.

Peter Jackson feuerte Casting-Direktor

Eine Frau verklagte die Produktionsfirma, Regisseur Peter Jackson feuerte den Mann – und dennoch halten sich die Rassismus-Vorwürfe gegenüber der Verfilmung der berühmten "Herr der Ringe"-Kindergeschichte des Briten von Jackson.

Für Mittwoch ist im neuseeländischen Wellington die Weltpremiere geplant. In Deutschland startet der erste Teil am 13. Dezember. Die Anglistin Lena Steveker (36) von der Universität Saarbrücken ist Expertin für englischsprachige Fantasy-Literatur und erforscht den "Hobbit". Im Interview erklärt sie, warum sie die Verfilmung skeptisch sieht.

Berliner Morgenpost: Das Buch "Der kleine Hobbit" erschien bereits 1937 und ist eigentlich ein Kinderbuch. Welche Botschaften hat Tolkien in seiner Geschichte versteckt? Und warum wird das Buch jetzt für Erwachsene verfilmt?

Lena Steveker: Das hat der Erfolg von "Der Herr der Ringe" wohl ökonomisch notwendig gemacht. Er ist tatsächlich als Kinderbuch geschrieben, mit einer kindlichen Sprache und zahlreichen Märchenelementen. Zudem entstand das Buch in einer speziellen historischen Situation. Der Erste Weltkrieg liegt noch nicht lange zurück. Tolkien entwirft die Hobbits als Anti-Helden, weil das männliche Heldenbild der Jahre zuvor durch den Krieg in eine Krise geraten ist. Ich bin gespannt, wie es Regisseur Peter Jackson schafft, das in die heutige Zeit zu übersetzen.

Berliner Morgenpost: Gibt es bei der Verfilmung eines Buches von 1937 auch Gefahren?

Steveker: "Natürlich. In dem Buch kommen Stereotypen rassistischer Art vor, genau wie in "Der Herr der Ringe", in dem alle Guten weiß sind, so wie Gandalf. Alles Schwarze ist schlecht. Gutes kommt aus dem Westen, das Böse ist im Osten und Süden. Ich hoffe, dass das besser als bei "Der Herr der Ringe" gelöst wird. Bei der Trilogie empfand ich viele Stellen als bedenklich. Dort wurden alle Guten mit Schauspielern besetzt, die zudem eindeutig dem westlichen Kulturkreis zugeordnet werden."

Berliner Morgenpost: Der "Hobbit" ist im Vergleich zu der "Herr der Ringe"-Trilogie ein dünnes Büchlein. Wie lässt sich daraus das geplante dreiteilige Epos machen?

Steveker: "Auch das ist sicherlich ökonomisch motiviert, selbst wenn die Dreiteilung im Buch bereits angelegt ist. Man kann natürlich sagen: Es ist keine Schwierigkeit, der Film ist ja ein anderes Medium als ein Buch. Dennoch wird Regisseur Jackson etwas dazu erfinden. Die Hardcore-Fans werden sicherlich nicht begeistert sein. Aber andersrum wird ja auch immer kritisiert, wenn etwas im Film weggelassen wird. Generell rechne ich damit, dass der Film deutlich dunkler als das Buch sein wird, mit ähnlich epischen Schlachten wie in den Filmen zuvor. Wenn man so will: weniger kindgerecht."

Quelle: dpa/eb
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