22.11.12

Projekt Arpanet

Vor 50 Jahren ging die erste E-Mail – ans Pentagon

1962 entwickelte eine Forschergruppe in den USA das Arpanet, Vorläufer des heutigen Internet. Es sollte dem Austausch zwischen Universitäten dienen, die für das US-Verteidigungsministerium arbeiteten.

Foto: Me/ Wikipedia gemeinfrei
Mit der elektronischen Post kam auch das At-Zeichen in die Welt. Anfang der 70er-Jahre wählte es Ray Tomlinson, um Benutzer- und Rechnername voneinander zu trennen
Mit der elektronischen Post kam auch das At-Zeichen in die Welt. Anfang der 70er-Jahre wählte es Ray Tomlinson, um Benutzer- und Rechnername voneinander zu trennen

Es wird wohl eine sogenannte Flame-Mail gewesen sein, die Paula Broadwell, 40, Ex-Geliebte von David Petraeus, im Zorn über man weiß es nicht so genau der 37-jährigen Jill Kelley, Gesellschaftsdame mit besten Verbindungen zur Air Force Base in Tampa, nach Florida geschickt hat. Wobei "nach" natürlich so nicht stimmt, denn es war ja fatalerweise elektronische Post, im Zustand der Erregung oft viel zu schnell und unbedacht verschickt.

Diese Post, so stellte es Jill Kelley gegenüber ihrem Bekannten, dem General John Allen, dar (mit dem sie ihrerseits einen ausschweifenden E-Mail-Verkehr pflegte), war unangemessen und unerwünscht. Man könnte fast sagen: wie der Großteil der weltweit rund 300 Milliarden täglich verschickten E-Mails – wobei dieser Großteil eben nicht aus privaten, sondern aus Werbenachrichten besteht, aber nicht weniger lästig und aufdringlich, so penetrant etwa wie die ständige Erwähnung der Dosenfleischmarke "Spam" in jenem berühmten Monty-Python-Sketch, aus dem der Ausdruck hervorging.

Private Post macht nur einen Bruchteil dieser 300 Milliarden aus, doch zu privaten Zwecken waren E-Mails anfangs ohnehin nicht gedacht, und gerade weil man sich fragt, wie ein General oder CIA-Chef überhaupt so viel Zeit für intimen Schriftwechsel aufbringen kann, ist die Liebesaffäre Broadwell/Petraeus und die Verstrickung Kelley/Allen, durch die alles ans Licht kam nach Broadwells böser Post längst zur sogenannten E-Mail-Affäre geworden.

Es begann mit dem Arpanet

50 Jahre ist es her, da entwickelte eine Forschungsgruppe in den USA den Vorläufer des heutigen Internet. Das Arpanet – benannt nach der Advanced Research Projects Agency – diente dem Austausch zwischen Universitäten, die für das US-Verteidigungsministerium forschten. Über die Telefonleitung konnten Daten in kleinen Paketen verschickt werden. Zu Forschungszwecken natürlich.

Zehn Jahre später entwickelte Ray Tomlinson dann ein Mail-System und führte auch gleich das @-Zeichen ein. Als kurz darauf eine erste Gruppe unter dem Verteiler "SF LOVERS" entstand, in der sich Forscher über ihr Hobby Science Fiction austauschten, wurde die mangelnde Ernsthaftigkeit, die hier Einzug zu halten drohte, noch zu unterbinden versucht.

Doch da gab es längst kein Halten mehr für den Nachrichtenaustausch, wenn auch zunächst nur zwischen Wissenschaftlern, und so ging 1984 die erste E-Mail in Deutschland, abgeschickt am 2. August, angekommen am 3. August, über das Forschungsnetz CSNET an der Universität Karlsruhe ein, adressiert an den Internetpionier Michael Rotert unter der Adresse rotert@germany.

"Willkommen in CSNET"

Der Inhalt war knapp: "Willkomen in CSNET! Michael, this is your official welcome to CSNET." Weniger sachlich dürften die Hunderte Mails ausgefallen sein, die Petraeus drei Jahrzehnte später an seine Geliebte schickte, da hatte sich die E-Mail an sich schon als universelles Anbahnungs-, Liebesschwur- und Schlussmach-Tool durchgesetzt.

Leider ist von Petraeus' Worten noch kein einziges nach außen gedrungen, auch nicht von den zehn Millionen Wörtern, die Allen und Kelley in einem Zeitraum von zwei Jahren austauschten – die Zahl hat, bei bis zu 30.000 Seiten Korrespondenz, die US-amerikanische "Global Post" ausgerechnet, und allein der schieren Menge haftet schon eine gewisse erotische Rauschhaftigkeit an. Manche Quellen allerdings nennen den Ton der Mails lediglich freundschaftlich. Das zumindest wird man von Broadwells Mails an Kelley nicht behaupten können.

Der Ausdruck Flame-Mail für hässliche Post hat sich allerdings nie richtig durchgesetzt, heute wird jede Attacke im Netz gleich als "Shitstorm" bezeichnet. Auch "Nastygram" (nasty = fies) fand keine rechte Anhängerschaft. Der Ausdruck bezeichnete ursprünglich, und damit sind wir zumindest zurück auf der professionellen Ebene, die Nachrichten, die zwischen Kreml und Weißem Haus ausgetauscht wurden. Aber von kaltem Krieg kann in dieser Affäre ja ohnehin keine Rede sein.

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