Digitaltechnik
Was die neuen 3-D-Filme den Kino-Fans bieten
In den 1950er-Jahren kamen erstmals 3-D-Produktionen ins Kino. Jetzt steht eine neue Generation von dreidimensionalen Filmen ins Haus. Kinobetreiber und Filmstudios wollen mit Digitaltechnik und 3-D-Filmen ein neues Kinoerlebnis bieten. Doch nicht immer funktioniert dies auch einwandfrei.
Von Christoph de Leuw
Speere fliegen auf die Kinobesucher zu, die Hand des abscheulichen Weltraum-Monsters greift nach ihnen: So war es Anfang der 50er-Jahre, als die erste Welle von 3-D-Filmen in die Lichtspielhäuser rollte. Zu dieser Zeit bekam das Kino einen mächtigen Konkurrenten – das Fernsehen. Und die Filmstudios suchten nach Wegen, die Menschen vom Sofa wieder in die Kinosäle zu locken.
Sie stießen auf die stereoskopische Bilddarstellung, die den Eindruck von räumlicher Tiefe vermitteln sollte. Zwischen 1952 und 1954 kamen über 40 3-D-Produktionen in die US-Kinos, darunter legendärer Schund wie "Robot Monster", aber auch Hochklassiges wie Alfred Hitchcocks "Bei Anruf Mord". Dann war die Euphorie vorbei. Die grundlegenden Probleme des alten analogen 3-D-Verfahrens hatten es eingeholt: hohe Kosten und großer Aufwand – sowohl bei der Filmproduktion als auch bei der -projektion.
Dafür waren die Resultate oft dürftig oder sorgten beim Zuschauer gar für Kopfschmerzen. Nach einer kurzen Renaissance in den 80ern ("Der weiße Hai 3-D") steht jetzt eine neue Generation von dreidimensionalen Filmen ins Haus. Diemal geht’s gegen die Bedrohung durch immer ausgefeiltere Heimkinogeräte – mit digitaler Technik und verblüffenden räumlichen Effekten. Und angeblich auch endlich ohne Kopfschmerzen.
3-D-Pläne der Kinobetreiber und Filmstudios
Der Projektionsraum des UCI Othmarschen in Hamburg ist eine lange Halle. Links und rechts sind die Filmprojektoren der neun Säle des Multiplex-Kinos aufgereiht, von großen Metalltellern werden Filmrollen abgespult. Bis auf den Projektor für Saal 6, den ganzen Stolz von Axel Jaklitsch, technischer Leiter des Kinos: Das schrankkoffergroße Gerät zeigt Filme digital von einer Festplatte – durch einen aufgesetzten Filter auch in 3-D.
Mit einer Spezialbrille sieht der Zuschauer dreidimensionale Bilder "viel besser als bei älteren Verfahren", sagt Jaklitsch, ein erklärter Fan der neuen Technik. "Allerdings ist ein – seltener – Serverabsturz schlimmer als ein Filmriss. Da müssen alle Systeme neu gestartet werden. Das dauert gut zehn Minuten, und in der Zeit hätte ich eine Filmrolle längst geflickt."
Es läuft "Monsters Vs. Aliens", der Film, mit dem seit Anfang April massiv für das neue 3-D-Kino geworben wird. Der Grund: Die neue Technik soll wieder mehr Zuschauer ins Kino locken, denn 3-D wird es nicht so schnell im Heimkino geben. Weder sind günstige Geräte marktreif, noch existieren ausreichend große Datenträger. Die auf Festplatten angelieferten Filme brauchen bis zu einem Terabyte Speicher.
Dieses Jahr kommen noch rund ein Dutzend Filme mit 3-D-Fassungen in die Kinos – allen voran "Ice Age 3" (3. Juli) und "James Cameron’s Avatar" (17.12.), der erste Film des Oscar-Gewinners seit "Titanic". 2010 folgen "Toy Story 3" und "Shrek 4". Derzeit gibt es in Deutschland 44 digitale 3-D-Kinos. Schon seit Jahren streiten sich Kinobetreiber und Filmfirmen über die Kosten der Digitaltechnik, die Voraussetzung für 3-D-Filme ist: Immerhin sparen die Verleiher die Kosten für die vielen Filmrollen, die pro Film Hunderttausende Euro kosten können.
Die Kinos aber müssen in neue Projektoren investieren. UCI ist die erste Kinokette in Deutschland, die digitale 3-D-Projektoren einführt. Bisher engagierten sich regionale Betreiber. UCI hat 17 Kinosäle umgerüstet. Das kostet jeweils zwischen 50.000 und 150.000 Euro für Projektor und Spezialleinwand. Deshalb wird ein 3-D-Zuschlag von drei Euro pro Eintrittskarte fällig.
"Doch wenn ein Film in 3-D läuft, wollen die Zuschauer ihn auch in dem Format sehen", sagt Lioba Kugoth vom UCI-Marketing. "Bei ,Monster Vs. Aliens' sind es bis zu drei Viertel der Kinogäste." Andere Kinoketten warten auf eine Beteiligung der Filmstudios.
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