17.09.12

Kriminalität

Jeder zweite Deutsche ist Opfer von "Cybercrime"

Viren, Phishing, Spionage: 52 Prozent der Online-Nutzer haben bereits persönliche Erfahrungen mit Internetkriminalität. Die Schäden belaufen sich auf 71,2 Millionen Euro – mindestens.

Foto: dapd

8,5 Millionen Internetnutzer geben an, dass ihre Zugangsdaten zu verschiedenen Diensten ausspioniert wurden
8,5 Millionen Internetnutzer geben an, dass ihre Zugangsdaten zu verschiedenen Diensten ausspioniert wurden

"Die wirklichen Schäden liegen weit über den erhobenen Zahlen", stellt der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, gleich zu Beginn der Pressekonferenz klar. Er präsentiert das "Lagebild 2011" zur Cyberkriminalität. Alleine die registrierten Schäden liegen mit 71,2 Millionen Euro 16 Prozent über den Werten von 2010.

Die Zahl der polizeilich erfassten Fälle von Cybercrime stagniert hingegen – auf hohem Niveau allerdings: Für 2011 weist das BKA rund 59.500 Fälle aus, etwa ebenso viele wie in 2010. In den Jahren zuvor waren diese Straftaten noch sprunghaft angestiegen.

Unter Cybercrime fasst das BKA alle Straftaten, die unter Ausnutzung von Informations- und Kommunikationstechnik begangen werden. Die Aufklärungsquote in diesem Kriminalitätsbereich liegt bei etwa dreißig Prozent. Die meisten Delikte entfallen auf den Teilbereich des Computerbetrugs, hier registrierte die Polizei etwa 27.000 Fälle.

Jeder Achte beim Shopping betrogen

Die bekannteste Variante des digitalen Identitätsdiebstahls – hierzu zählen alle Missbräuche von Nutzer-Accounts – ist das sogenannte Phishing von Onlinebanking-Daten. Etwa 6500 Phishing-Opfer gingen im vergangenen Jahr Internetbetrügern ins Netz. Die Schäden beliefen sich nach Schätzungen des BKA auf 25,7 Millionen Euro – ein Fünftel mehr als in 2010.

Persönliche Erfahrungen mit Internetkriminalität haben im laufenden Jahr bereits 52 Prozent der Nutzer gemacht. Das ergab eine repräsentative Studie des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Allerdings fallen hierunter auch all jene Nutzer, deren Computer mit Viren oder anderen Schadprogrammeninfiziert wurden.

Das verläuft häufig glimpflich. Im Gegensatz zu den 8,5 Millionen Internetnutzern, die laut Bitkom-Studie angeben, dass ihre Zugangsdaten zu verschiedenen Diensten ausspioniert wurden. Jeder achte Internetnutzer gestand ein, beim Online-Shopping betrogen worden zu sein.

"Das Dunkelfeld ist ein Vielfaches"

Aus Angst vor Internetkriminalität ändern viele Nutzer ihr Online-Verhalten: Fast die Hälfte sendet keine vertraulichen Informationen per E-Mail. Ein Viertel verzichtet auf Online-Banking. Siebzig Prozent gaben laut Bitkom-Studie an, Kommunikation und Transaktionen im Internet bewusst einzuschränken.

Ein weiterer Trend ist die Ausweitung der Internetkriminalität auf Smartphones. Deren Besitzer verwenden die kleinen Alleskönner zwar häufig wie einen Computer. In puncto Sicherheitsvorkehrungen behandelten sie ihre Geräte aber noch wie ein Telefon, sagte BKA-Chef Ziercke.

Vor allem "Bot-Angriffe" konzentrieren sich stark auf Smartphones. Die Geräte sind häufig ohne Unterbrechung online. Bei all diesen besorgniserregenden Zahlen setzte der BKA-Präsident noch einen drauf: "Die Zahlen haben begrenzte Aussagekraft; sie geben nur wieder, was entdeckt und angezeigt wurde, das Dunkelfeld ist ein Vielfaches."

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