28.07.12

Google

Das Nexus 7 hat das Zeug zum Volks-Tablet

Googles Nexus 7 ist das erste Gerät, das dem iPad von Apple gefährlich werden kann. Morgenpost Online hat es getestet.

Foto: Thomas Heuzeroth

"Welt"-Reporter Thomas Heuzeroth hat den Tablet-PC von Google getestet: Das Nexus 7.

7 Bilder

Apple-Gründer Steve Jobs hatte unrecht, als er vor zwei Jahren Tablets mit einer Bildschirmdiagonale von sieben Zoll als "Totgeburten" bezeichnete. Apples iPad hat auch in der dritten Generation noch knapp zehn Zoll Durchmesser. "Wir glauben nicht, dass man ein tolles Tablet machen kann mit einem Sieben-Zoll-Bildschirm", sagte der mittlerweile verstorbene Jobs damals. Oh doch, man kann. Genau das haben Google und der Hersteller Asus gerade mit ihrem Nexus 7 bewiesen. Das Gerät wird seit wenigen Tagen in den USA, Großbritannien, Australien und Kanada verkauft. Wann es nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt. Die Morgenpost hat das neue Google-Tablet ausgiebig testen können. Eines vorweg: Die Bedienung des Nexus 7 macht mindestens genauso viel Spaß wie die des iPads. Dabei hat das Nexus 7 sogar das Zeug zum Volks-Tablet. Für einen Verkaufspreis von 200 Dollar – der Preis in Euro dürfte für das Gerät mit acht Gigabyte internem Speicher nicht höher liegen – ist es bislang noch niemandem gelungen, ein ebenbürtiges Gerät zu produzieren.

Bildschirm

Das Nexus 7 ist hochwertig verarbeitet, verfügt über einen brillanten IPS-Bildschirm, der auch noch gut zu lesen ist, wenn man von der Seite darauf schaut. Das Display im 16:10-Format löst mit 1280 mal 800 Pixel auf. HD-Filme, Fotos aber auch Schriften werden äußerst scharf dargestellt. Die Rückseite ist zwar aus Kunststoff, doch wegen der Oberflächenbeschaffenheit könnte sie auch mit Leder verwechselt werden.

Soft- und Hardware

Google hat das Nexus 7 mit dem neusten Android-Betriebssystem 4.1 ausgestattet, das auch als Jelly Bean bezeichnet wird. Zusammen mit der Hardware gibt sich das Gerät bei der Geschwindigkeit keine Blöße. Der Vier-Kern-Prozessor Tegra 3 vom Hersteller Nvidia wird mit 1,2 Gigahertz getaktet und ist maßgeblich verantwortlich dafür, dass sich Programme auf dem Tablet zügig öffnen und es auch bei der Bedienung des berührungsempfindlichen Displays zu keinen Verzögerungen kommt. Trotzdem soll das Nexus 7 mehr als neun Stunden mit einer Akku-Ladung durchhalten. Wir haben das Gerät intensiv genutzt, umfangreich Daten geladen und Programme installiert – und mussten nach sechs Stunden wieder an die Steckdose.

Gewicht

Das Nexus 7 ist im Vergleich zu anderen Tablets ein Leichtgewicht. Es wiegt 340 Gramm. Das neuste iPad bringt gut 650 Gramm auf die Waage. Das bedeutet: Das Nexus 7 ist Handtaschen- und Sakko-tauglich. Wir haben es bei Gelegenheiten eingesteckt, bei denen das iPad zu Hause bleiben musste. Wegen des kleinen Formates lässt es sich gut mit einer Hand halten und wird auch beim Lesen im Bett nicht schwer. Spiele wie Angry Birds sind auf dem kleinen Display sogar besser zu bedienen als auf großen Tablets.

Funktionen

Überzeugend ist auch die Funktion Google Now, die nach einem Fingerstreich über das Display von unten nach oben Informationen darstellt, die in der jeweiligen Situation besonders hilfreich sind. Dazu zählen die Wettervorhersage, anstehende Termine und – wenn man sich auf Reisen befindet – ein Sprachübersetzer und ein Währungsrechner. All das funktioniert natürlich nur, wenn man Google die Erlaubnis gibt, über das Gerät den Standort zu übermitteln. Man muss Google schon sehr vertrauen, will man alle Annehmlichkeiten des Gerätes nutzen. Schon bei der Einrichtung empfiehlt sich ein Google-Konto, damit Mails, Kontakte und Termine synchronisiert werden. Lässt man sich darauf ein, geht aber alles sehr schnell. Wir hatten innerhalb von zwei Minuten nach dem ersten Anstellen des Tablets bereits sämtliche Daten über unsere drahtlose Internetverbindung auf das Gerät geladen.

Kein Mobilfunkempfang

Google hat – zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt – bei seinem Nexus 7 auf eine Mobilfunk-Verbindung verzichtet. Das bedeutet, dass das Tablet unterwegs und ohne Zugriff auf ein drahtloses Wifi-Netzwerk nur bedingt einsatzbereit ist. Wer allerdings ein modernes Smartphone besitzt, kann dieses Hindernis umgehen. Denn viele Handys verfügen inzwischen über die Möglichkeit, einen Internet-Hotspot aufzubauen, mit dem sich dann auch das Nexus 7 verbinden lässt.

Spracherkennung

Das Nexus 7 verfügt über eine Spracherkennung, die zumindest bei der Eingabe einzelner Suchwörter in die Google-Maske auch gut funktioniert. Doch wer damit eine E-Mail diktieren will, wird enttäuscht. Es kommt zu Missverständnissen, Punkt und Komma werden meist ausgeschrieben statt gesetzt. Hier muss Google nachbessern.

Kartennutzung

Natürlich ist auf dem Nexus 7 auch Google Maps vorinstalliert. Auf dem Tablet können nun auch Kartenausschnitte heruntergeladen werden, um sie unterwegs zu nutzen, wo keine Internetverbindung besteht. Ein wirklich größerer Ausschnitt kann so jedoch nicht Huckepack genommen werden. Mehr als 75 Megabyte lassen sich nicht mit einem Ausschnitt speichern. In unserem Test haben wir Berlin einschließlich Potsdam und Oranienburg ausgewählt, was einer Datenmenge von 53 Megabyte entsprach.

Video

Leider ist im Nexus 7 nur eine Kamera über dem Display verbaut. Zwar fotografieren wohl nur die wenigsten iPad-Nutzer mit ihrem Tablet, aber bei einem kleinen Tablet könnte das anders sein. Die auf den Nutzer gerichtete Kamera mit 1,2 Megapixel Auflösung ist vor allem für das Video-Telefonieren gedacht. Das funktioniert zwar, die Bildqualität lässt aber zu wünschen übrig. Wir haben das sowohl über Skype als auch über Googles eigenen Dienst Google+ und Hangout ausprobiert. Bei beiden Diensten lieferte die iPad-Kamera bessere Bilder.

Dienste

Google hat sein Tablet eng mit den eigenen Diensten verknüpft. Der AppStore heißt Google Play. Aus ihm lassen sich Programme, Spiele, Filme und Musik laden. 600.000 Apps sollen zur Verfügung stehen, doch längst nicht alle eignen sich für das Tablet. Bei Apple sind es 650.000 Apps, 250.000 davon sind für das iPad programmiert worden. Viele der wichtigsten Anwendungen finden sich aber in beiden Stores, darunter Skype, Ebay, Facebook, Flipboard.

Speicher

Das Nexus 7 gibt es in zwei Versionen, mit 8 oder über 16 Gigabyte internen Speicher. Wir haben die kleinere Version getestet. Es standen uns aber weniger als sechs Gigabyte Speicher zur Verfügung, der Rest war belegt mit bereits aufgespielter Software. Wer sich HD-Filme aus Google Play lädt, stößt schnell an seine Grenzen. Einen Einschub für eine Speicherkarte gibt es nicht.

Fazit

Das Nexus 7 stellt sich unangefochten an die Spitze der kleineren Tablets – und das bei einem Preis, der derzeit nicht unterboten wird. Wer sich ein Tablet kaufen will, hat zum ersten Mal neben Apples iPad eine wirkliche Wahl.

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