Humboldt-Institut
Welchen Einfluss Google auf die Forschung hat
Das Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft wurde vor einem Jahr gegründet. Der Internetkonzern Google ist Hauptsponsor.
Im Juli 2011 wurde das Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin (HIIG) vorgestellt. Hauptgeldgeber für die ersten Jahre ist Google, weshalb das HIIG häufig als "Google-Institut" bezeichnet wird. Welchen Einfluss hat Google tatsächlich? Und was hat das Institut im ersten Jahr geleistet? Michael Hörz sprach mit der Politikwissenschaftlerin Jeanette Hofmann, einer der vier Gründungsdirektoren.
Morgenpost Online: Frau Hofmann, wo steht das Institut heute?
Jeanette Hofmann: Wir sind am Übergang von Organisation und inhaltlicher Arbeit. Jetzt beginnen wir zu forschen. In der ersten Jahreshälfte haben wir uns an vielen Konferenzen beteiligt, unser Doktorandenprogramm konzipiert und den Kontakt zu anderen Forschungseinrichtungen aufgebaut. Inzwischen ist klar, wo die Schwerpunkte der Bereiche liegen.
Morgenpost Online: Was werden Sie konkret erforschen?
Jeanette Hofmann: Thomas Schildhauer interessiert sich sehr dafür, wie das Internet Innovationsprozesse verändert. Er wird zum Beispiel die Bereiche "Open Science" und "Crowd Sourcing" untersuchen. Der Europarechtler Ingolf Pernice wird sich vor allem den Datenschutz ansehen. Das Internet wirft die Fragen auf, wie sich grenzübergreifender Datenschutz organisieren lässt und wie man sich mit den dominierenden US-Unternehmen einigen kann, die von einem schwachen Datenschutz profitieren. Der Medienforscher Wolfgang Schulz wird die technischen, rechtlichen und kulturellen Regeln untersuchen, die die Kommunikation in sozialen Netzwerken prägen. Er wird zudem zum Einzug der Algorithmen in den Journalismus arbeiten. Es ist denkbar, dass in Zukunft Programme Nachrichten zu Sportereignissen verfassen. Ich selbst untersuche die Regulierung des Internets, auch mit Schwerpunkt auf dem Urheberrecht. Im aktuellen "Urheberrechtskrieg" in Deutschland mangelt es deutlich an empirisch verlässlichem Material zur Anwendung des Urheberrechts. Ein weiterer Forschungsbereich betrifft "Smart Cities" – die Digitalisierung der Städte. Wir wollen zunächst am Beispiel Berlins untersuchen, wie neue Informationsdienste städtische Räume verändern.
Morgenpost Online: Gibt es bereichsübergreifende Projekte?
Jeanette Hofmann: Mit Wolfgang Schulz entwickele ich unsere eigene Informationsplattform "Regulation Watch". Die Idee ist, einen Informationsdienst für Wissenschaftler und Praktiker, darunter auch Journalisten, zum Thema Regulierung des Internet zu schaffen. Neben Informationen für Praktiker wollen wir auch neue Publikationsformate erproben, etwa mehrseitige Essays. Wir hoffen, damit eine Art Multi-Autoren-Plattform zu etablieren. Generell ist eines unserer wichtigsten Ziele, für alle relevanten Bereiche des Internets eine interdisziplinäre Kompetenz auszubilden, weil sich das Internet nur sinnvoll erforschen lässt, wenn rechtliche, technische und sozialwissenschaftliche Kompetenzen verknüpft werden.
Morgenpost Online: Haben Sie weitere Geldgeber?
Jeanette Hofmann: Wir werden aller Voraussicht nach von weiteren Unternehmen Drittmittel bekommen. Auch gibt es Interesse, Doktorandenstellen zu finanzieren. Bis jemand mit vergleichbaren Summen wie Google einsteigt, wird es sicher noch eine Weile dauern.
Morgenpost Online: Wie steht es um Ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit?
Jeanette Hofmann: Wir haben uns in der Gründungsphase für zwei Organisationen entschieden: eine für die Finanzierung und eine für die Forschung. Das Institut hat als Überbau das Kuratorium und den wissenschaftlichen Beirat, die beide über die Qualität unserer Forschung wachen. Mit unserer Gesellschafterkonstruktion haben wir Partner, die unsere Unabhängigkeit sicherstellen. Diese strikte institutionelle Aufsicht soll verhindern, dass wir in den Ruch kommen, abhängig zu sein. Praktisch haben wir mit Google zurzeit nicht viel zu tun. Manchmal werden wir gefragt, ob wir auf einer Veranstaltung auftreten könnten. Aber weder bekommen wir Hinweise von Google, worüber wir forschen sollten, noch haben unsere Forscher Zugriff auf Daten von Google.
Morgenpost Online: Was steht in nächster Zeit an?
Jeanette Hofmann: Wir beteiligen uns an der Zukunftsstudie des Münchner Kreises für 2012 zum Thema "Innovationsfelder der digitalen Welt. Bedürfnisse von übermorgen". Anfang September beginnt unser Doktorandenprogramm. Und wir organisieren zusammen mit dem Bundesinnenministerium eine Datenschutzkonferenz und mit dem Auswärtigen Amt eine Konferenz zum Thema Internet und Menschenrechte. Wir haben außerdem zusammen mit der US-Universität Harvard ein internationales Netzwerk von Internetforschungsinstituten gegründet, das im Dezember seine erste Konferenz hat.















