29.06.12

Internet-Portal

Neue Website zeigt leere Gebäude in Berlin an

In Berlin und anderen deutschen Städten stehen insgesamt rund 3,5 Millionen Wohnungen leer. Ein neues Online-Portal zeigt wo.

Die Website <ahref=http://www.leerstandsmelder.de>leerstandmelder.de</a> macht auch leere Häuser in Berlin sichtbar
Die Website leerstandmelder.de macht auch leere Häuser in Berlin sichtbar

Rote Schilder mit dem Wort "LEER" übersäen die Stadtkarte Berlins. Hinter jedem der kleinen Symbole, die vor allem im Osten der Hauptstadt aufleuchten, befindet sich ein ungenutztes Gebäude – von bekannten Leerständen wie der ehemaligen Abhöranlage auf dem Teufelsberg über kleine Geschäfte, Kioske, ganze Bürokomplexe bis hin zu ungenutzten Wohnungen.

Knapp 280 Leerstände sind auf www.leerstandsmelder.de für Berlin eingetragen. Gemeldet haben sie die bisher rund 800 Mitglieder der Online-Plattform mit Fotos und Kommentaren zu Eigentümern, Nutzungsart und anderen Details. Andere Mitglieder der Plattform können die jeweiligen Einträge durch Kommentare ergänzen und über die gemeldeten Objekte diskutieren.

Die Website offenbart jedenfalls jede Menge ungenutzten Platz. Platz, den man gut gebrauchen könnte, in Zeiten, in denen die Wohnraumknappheit und die steigenden Mietkosten in vielen Großstädten ein Thema sind, finden die Initiatoren von Leerstandsmelder.

"Wir wollen einen Diskurs über Leerstand anregen und eine Diskussion darüber, wie man diese Flächen nutzen kann", sagt Michael Ziehl, einer der fünf Gründer der Seite, die im Dezember 2010 anfangs nur für die Stadt Hamburg nutzbar war. Architekt Ziehl arbeitet zurzeit in einem vom Bund geförderten Pilotprojekt zur Stadtentwicklung.

Aus Anti-Abriss-Initiative entstanden

Entstanden ist das Leerstandsportal im Verein Gängeviertel, der im Jahr 2009 den erfolgreichen Protest von Hamburger Bürgern und Künstlern gegen den Abriss ungenutzter Gebäude im historischen Hamburger Gängeviertel koordinierte. Der Hamburger Senat und die Initiative "Komm in die Gänge" haben sich mittlerweile sogar auf Sanierungspläne für das Viertel geeinigt.

Bei Leerstandsmelder.de kann sich jeder ganz einfach mit seiner E-Mail-Adresse registrieren und dann ungenutzte Gebäude, die ihm in seinem Umfeld auffallen, eintragen. Mittlerweile ist das nicht mehr nur für Hamburg, sondern auch für Berlin, Frankfurt am Main, Bremen, Kaiserslautern und Görlitz möglich.

Missbrauch durch Falscheinträge verhindern

Damit für eine Stadt ungenutzte Gebäude auf der Plattform gemeldet werden können, müssen allerdings ein Verein oder Einzelpersonen dahinterstehen, die die Einträge überprüfen. So wollen die Gründer den Missbrauch der Plattform durch Falscheinträge verhindern.

Bisher übernehmen für die verschiedenen Städte Initiativen mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln auf Leerstand diese Aufgabe: ein stadtpolitisch-kritischer Verein, aber auch ein Architekturbüro und ein städtisch geförderter Verein für Wohninitiativen. Und das Interesse an dem Projekt ist groß: Zurzeit wollen Initiativen aus weiteren zehn Städten die Plattform auch für ihre Stadt nutzbar machen, berichtet Ziehl.

Mehr als drei Millionen Wohnungen stehen leer

Statistisch gesehen müssten noch wesentlich mehr LEER-Schilder auf den Stadtkarten von Leerstandsmelder erscheinen. Schließlich stehen in Deutschland laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes vom April 2012 rund 3,5 Millionen Wohnungen leer, das ist eine Leerstandsrate von 8,6 Prozent. Hinzu kommen Büro- und Gewerbeflächen.

In Frankfurt am Main beispielsweise blieben nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft im Jahr 2010 immerhin rund 18 Prozent der Büroflächen ungenutzt. "Die Zahlen sind immer sehr abstrakt und viele Leute realisieren gar nicht, dass auch in ihrer Nachbarschaft viele Gebäude nicht genutzt werden", sagt Architekt Ziehl.

Wo Gebäude oder einzelne Flächen leer stehen, ist auf der Website durch die roten LEER-Schilder nicht zu übersehen. Die sollen gleichzeitig auf die Probleme, die durch ungenutzten Raum entstehen, wie Verfall und Vandalismus, aber auch auf spekulativen Leerstand aufmerksam machen.

Allerdings gehe es nicht darum, grundsätzlich die Eigentümer anzuprangern, denn schließlich würde teilweise auch die Gesetzgebung eine Zwischennutzung von Leerstand erschweren, erklärt Ziehl.

Die Diskussion um das, was hinter den roten LEER-Schildern steckt, hat auch schon zu konkreten Ergebnissen geführt, wie Ziehl zufrieden sagt. "In Hamburg wurde eine Sanierungsmaßnahme für ein Gebäude angestoßen und in leer stehende Gewerberäume sind Künstlerateliers eingezogen."

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