19.03.12

Neue Studie

Mit Schmerzmitteln über die Leistungsgrenze

Im Profisport kann Doping lebensgefährliche Folgen haben. Der Missbrauch von Schmerzmitteln schlägt auch bei immer mehr Freizeitsportlern auf die Gesundheit. Warnungen von Experten verpuffen.

Foto: pa
Wer Schmerzmittel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen vor dem Sport einnimmt, muss mit  Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder im schlimmsten Fall sogar Herzinfakt und akutem Nierenversagen rechnen.
Wer Schmerzmittel gegen Muskel- und Gelenkschmerzen vor dem Sport einnimmt, muss mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder im schlimmsten Fall sogar Herzinfakt und akutem Nierenversagen rechnen.

Mit Schmerzmitteln versuchen einer Untersuchung zufolge Freizeitsportler, Beschwerden vorzubeugen. Damit riskieren sie aber heftige Nebenwirkungen - von Durchfall und Übelkeit über Magengeschwüre bis hin zum Herzinfarkt. Darauf wies der Schmerztherapeut Michael Küster auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main hin.

Küster hatte 2009 die Teilnehmer des Bonner Marathons nach ihrem Schmerzmittelkonsum befragt. Jeder Zweite räumte dabei ein, vor dem Start Schmerzmittel zu nehmen, um Muskel- und Gelenkschmerzen vorzubeugen, jedoch hatten nur wenige Starter bereits vor dem Start Schmerzen.

Im Jahr 2010 führte er eine Folgestudie durch. Vor dem Start wurden die Läufer vom Veranstalter vor dem unkritischem Schmerzmittelkonsum gewarnt. Entsprechende Informationen wurden allen Teilnehmern per Mail zugesandt. Gleichzeitig lief erneut eine Umfrage, an der sich 4000 Sportler beteiligten. Dabei ging es nicht nur um den Medikamentenkonsum, sondern auch um dessen Folgen.

Schmerzmittel haben gefährliche Nebenwirkungen

Ergebnis: "Am Einnahmeverhalten hat sich praktisch nichts geändert", stellt Küster fest, "die Warnungen sind quasi verpufft." Außerdem litt mehr als die Hälfte der Sportler, die Schmerzmittel genommen hatten, unter Nebenwirkungen. "Blutiger Urin, blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Herz-Kreislauf Probleme", beschreibt Küster.

Einige Läufer erlitten ein akutes Nierenversagen, andere einen Herzinfarkt oder blutende Magengeschwüre in den ersten Stunden nach Beendigung des Marathons.

Regelmäßiges Training statt vieler Pillen

Wer schon vor dem Lauf Gelenkschmerze habe, sollte auf den Start verzichten, rät Küster. Wenn überhaupt, sollten Schmerzmittel erst nach dem Lauf geschluckt werden, und dann auch erst, wenn sich der Kreislauf beruhigt und der Läufer genug getrunken habe.

Herz-, Kreislauf- und Nierenprobleme lassen sich Küster zufolge mit isotonen Lösungen, die ein Gramm Kochsalz pro Liter enthielten, vermeiden. Grundsätzlich empfiehlt der Mediziner Marathonteilnehmern ein Jahr Vorbereitung und regelmäßiges Training.

Quelle: dapd/dsz
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