04.08.11

Tödliche Tropenkrankheit

Neue Waffen gegen resistente Malaria-Stämme

US-Forscher haben neuen Wirkstoffe gegen hochresistente Malaria-Stämme entdeckt: 32 bereits zugelassene Substanzen erweisen sich als hocheffektiv.

Foto: dpa
Die Verbreitung der endemischen Malariagebiete (grün) ist bisher noch mit der Ausdehnung der Tropen fast deckungsgleich.
Die Verbreitung der endemischen Malariagebiete (grün) ist bisher noch mit der Ausdehnung der Tropen fast deckungsgleich.

Der Kampf gegen Malaria ist auch ein Wettlauf gegen die Resistenz: Immer häufiger und schneller werden die Erreger dieser tödlichen Tropenkrankheit immun gegen die "Waffen" der Medizin.

Einen wichtigen Vorsprung in diesem Rennen haben jetzt US-amerikanische Forscher erzielt. Sie entdeckten 32 Substanzen, die jeweils gegen mehrere Malariastämme effektiv wirkten. Viele töteten auch die Parasiten ab, die gegenüber Standardmedikamenten bereits resistent waren.

Ein weiterer Vorteil der neuen Wirkstoffe: Sie sind schon als Arzneimittel zugelassen und offiziell für den Einsatz am Menschen oder in der Veterinärmedizin freigegeben. Die Entwicklung zum marktreifen Medikament könne dadurch deutlich verkürzt werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science".

Für ihre Suche hatten sie mehr als 2800 Substanzen mit Hilfe von Testrobotern auf ihre Wirksamkeit gegenüber 61 unterschiedlichen Malariastämmen überprüft.

Neu ist, dass die Forscher zusätzlich in DNA-Analysen mögliche Ansatzstellen der Chemikalien im Parasitengenom untersuchten. Dies ermöglichte eine gezieltere Suche nach Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen, die von den Malariaerregern nicht so leicht durch neue Resistenzen ausgehebelt werden können.

Die jetzt identifizierten Substanzen böten daher eine Chance, neue Kombinationstherapien auch gegen hartnäckige Erregervarianten zu entwickeln, sagen die Forscher um Jing Yuan vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda, Maryland. (DOI: 10.1126/science.1205216)

Pumpen gegen die Medikamentenwirkung

Um die tödliche Wirkung von Medikamenten zu überleben, nutzen Krankheitserreger ganz unterschiedliche Strategien: Sie verändern die Andockstellen für die Wirkstoffe oder weichen auf einen nicht beeinträchtigten Stoffwechselweg aus. Andere entwickeln Pumpen, die die Arzneimittel schnell wieder aus ihren Zellen hinausbefördern.

Welche Genmutationen für diese Anpassungen verantwortlich sind, war beim Malaria-Erreger Plasmodium falciparum bisher nur in Teilen bekannt. Das erschwerte die Suche nach neuen, möglichst resistenzunempfindlichen Wirkstoffen.

Yuan und seine Kollegen haben nun festgestellt, dass nur drei Gene die Resistenzen des Erregers gegen verschiedene Anti-Malariamittel kontrollieren. Offenbar verfüge der Parasit damit nur über eine sehr begrenzte Anzahl von Abwehrstrategien, sagen die Forscher. Entwickle man Kombinationstherapien, die alle drei dieser Mechanismen umgehen, ließe sich der Krankheitserreger entwaffnen.

Kombinationsmittel als Doppelschlag gegen die Resistenz

Die Forscher identifizierten unter ihren Substanzen mehrere Wirkstoffpaare, bei denen jeder Partner jeweils an einem anderen Abwehrmechanismus des Erregers ansetzte.

Würde der Parasit gegen eines dieser Mittel immun, tötet ihn das zweite ab. Eine solche Kombination könne daher die Ausbreitung resistenter Stämme verhindern, sagen die Wissenschaftler. Die neuen "Waffen" gegen die tödliche Tropenkrankheit würden damit weniger schnell stumpf.

Quelle: dapd/oc
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