Neue Studie
Russlands Staatsfeind Nummer eins ist der Alkohol
In Russland saufen sich immer mehr Menschen zu Tode: Trinksucht gilt mittlerweile als Hauptursache für die drastisch schrumpfende Bevölkerung.
Die Verkehrswacht schlägt ein absolutes Alkoholverbot für alle Autofahrer vor und fordert Strafen ab 500 Euro sowie einem Monat Führerscheinentzug.
Russland kann die sinkende Lebenserwartung seiner Bevölkerung einer Studie zufolge nur durch einen Kampf gegen den Alkohol aufhalten. Alkohol sei der wichtigste Faktor für die "starke negative Entwicklung" bei der Demographie, sagte der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, bei der Vorstellung einer Russland-Studie in der Bundeshauptstadt.
Häufigste Todesursache in Russland seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund bestimmter Trinkgewohnheiten gefolgt von Todesfällen durch äußere Einflüsse wie Morde, Selbstmorde und Unfälle. Von den Morden ließen sich 72 Prozent auf Alkoholmissbrauch zurückführen, von den Selbstmorden 42 Prozent.
Dies alles führe mit dazu, dass die Bevölkerungszahl in Russland seit 1993 von 149 Millionen auf 142 Millionen Menschen zurückgegangen sei, heißt es in der Studie "Die schrumpfende Weltmacht". Ohne Zuwanderung hätte sich der Verlust sogar auf etwa 11,5 Millionen Menschen belaufen.
Besonders der Gesundheitszustand von Männern sei schlecht, sie konnten der Studie zufolge Mitte der 90er Jahre lediglich mit einer durchschnittlichen Lebenszeit von 58 Jahren rechnen. Heute liege die Lebenserwartung von Männern mit 62,8 Jahren noch immer niedriger als in Bangladesch. In Deutschland beträgt sie sogar 13 Jahre mehr als in Russland.
Der damalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hatte in den 80er Jahren versucht, den weit verbreiteten Alkoholmissbrauch in seinem Land zu bekämpfen. Von 1985 an mussten Russen für alkoholische Getränke deutlich mehr bezahlen und auch die Bezugsmöglichkeiten waren eingeschränkt. Innerhalb von zweieinhalb Jahren ging der Alkoholabsatz um mehr als 60 Prozent zurück.
Vor allem sei aber die durchschnittliche Lebenserwartung wieder gestiegen, schreibt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. 1988 wurde die unpopuläre Anti-Alkohol-Kampagne wieder eingestellt, unter anderem weil die Produktion von selbstgebranntem Wodka massiv angestiegen war.
In keinem anderen Land sei die Lebenserwartung der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten derart stark gesunken wie in Russland, sagte der Ko-Autor der Studie, Sergej Sacharow. Er forderte die russische Regierung auf, sich auf die Bekämpfung des Problems zu konzentrieren. Dies sei durch höhere Preise und eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten möglich.
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