Herzerkrankungen
Schlechte Hausärzte treiben Infarkt-Raten hoch
Dienstag, 17. Mai 2011 15:20 - Von Rolf H. LatusseckNur die Hälfte aller Herzpatienten erhält bei Hausärzten eine adäquate Behandlung. Bei vielen gelingt es nicht, die Blutfettwerte auf das allgemein empfohlene Niveau zu senken. Als Folge erhöht sich die Zahl der vermeidbaren Herzinfarkte auf 50 – 80 pro tausend Einwohner. Das ist das Ergebnis einer Lübecker Studie.

Ein schlechtes Zeugnis stellt eine in Lübeck angefertigte Studie den deutschen Hausärzten aus. Vielen von ihnen gelingt es offenbar nicht, bei ihren Patienten den Blutfettwert auf das allgemein empfohlene Niveau zu senken. Immerhin die Hälfte aller Herzpatienten erfährt danach eine inadäquate Behandlung, das heißt, ihr Blutfettspiegel ist auf ein zu hohes Niveau eingestellt. Das Ergebnis sind zwischen 50 und 80 zusätzliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herztode pro 1000 Einwohner über einen Zeitraum von zehn Jahren – Fälle, die vermeidbar wären, wenn die Patienten konsequenter behandelt würden.
In der Studie, die das „European Heart Journal“ heute online veröffentlicht, haben Heribert Schunkert und seine Arbeitsgruppe an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein in Lübeck 907 deutsche Ärzte und 25250 Patienten unter die Lupe genommen. Dabei ging es ganz speziell um das als „schlechtes Cholesterin“ bekannte LDL (Low Density Lipoprotein) und die Frage an die Ärzte, welchen LDL-Wert sie bei ihren Patienten je nach Krankheitsgeschichte für richtig halten. Das Ergebnis war enttäuschend.
Mit 55 Prozent waren nur etwas mehr als die Hälfte aller männlichen Patienten auf korrekte LDL-Werte eingestellt. Noch schlechter sah es bei den Frauen aus, von ihnen waren nur 49 Prozent korrekt eingestellt. Offenbar hängen immer noch viele Ärzte zumindest unterschwellig der inzwischen widerlegten Meinung an, Frauen wären weniger infarktgefährdet als Männer, und unterschätzen deren Risiko. Ein Hinweis darauf ist, dass trotz einer Vorgeschichte identischer Herzprobleme bei knapp 68 Prozent der Männer der LDL-Blutspiegel korrekt eingestellt war, aber nur bei 60 Prozent der Frauen.
Allgemein gilt, je höher das Herzrisiko, desto niedriger sollte die Cholesterinkonzentration sein. Ist bereits ein Infarkt eingetreten, hat der Patient schon einen Bypass oder einen Stent in einer Koronararterie, dann sollte die Konzentration sogar unter 100 Milligramm Cholesterin pro 100 Milliliter liegen.
Das Mittel der Wahl zur Cholesterinsenkung sind sogenannte Statine, die von
mehreren Herstellern angeboten werden, sagt Schunkert: „Wir wissen, dass
jede Reduktion des LDL-Cholesterins um 40 Milligramm pro 100 Milliliter ein
koronares Ereignis auf Zehnjahressicht um 30 bis 40 Prozent vermindert.
Zwischen Ärzten mit der besten und der schlechtesten Kenntnis der Leitlinien
zeigt unsere Studie eine Differenz in der Zieleinstellung von etwas über 17
Milligramm pro 100 Milliliter, und schon diese Differenz führt zu messbaren
Unterschieden bei Herzproblemen."
Jeder Mediziner, auch ein Hausarzt, hat Zugriff auf die medizinischen Leitlinien, in denen je nach Krankengeschichte Zielwerte für die Cholesterinsenkung empfohlen werden. Schunkert zieht aus seiner Studie den Schluss, dass diese Leitlinien offenbar zu kompliziert sind: „Wir müssen uns darum bemühen, die Leitlinien einfacher zu gestalten, damit sie besser verstanden und befolgt werden. Wir müssen Instrumente entwickeln, damit Hochrisikopatienten verlässlicher identifiziert werden können, und den Frauen sollte eine erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden.“
Erschienen am 11.03.2010


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich