Medizin
Aids-Kranke outen sich immer seltener
Mittwoch, 1. Juni 2011 16:16Aids-Kranke outen sich nach Beobachtungen von Hamburgs Aids-Pastor Detlev Gause immer seltener. Seiner Meinung nach liegt das an einer höheren Lebenserwartung. Die Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung ist jedoch geblieben. Selbst ein Besuch mit dem Aids-Pastor im Café ist oft von Scheu begleitet.

Aids-Kranke outen sich nach Beobachtungen von Hamburgs Aids-Pastor Detlev Gause immer seltener. In den 90er Jahren hätten Aids-Kranke in der Regel nur noch wenige Jahre zu leben gehabt, sagte Gause. Diese kurze Zeit hätten viele genutzt, sich von Heimlichkeiten zu befreien. Dank neuer Medikamente habe sich die Lebenserwartung jedoch stetig erhöht. Die Furcht vor Ausgrenzung und Ablehnung im Beruf, im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft sei jedoch geblieben. Gause wird aus Anlass des Welt-Aids-Tages am Montag (30. November) um 18 Uhr im Hamburger Michel predigen.
Bei Jüngeren beobachte er zuweilen sogar eine Scheu, mit ihm als Aids-Pastor ein Café zu besuchen, sagte Gause weiter. Sie hätten Angst, als Aids-Kranker oder HIV-Positiver geoutet zu werden. Es sei auch Aufgabe der Aids-Seelsorge, anderen Menschen die unbegründete Scheu vor Ansteckungen zu nehmen. Das HIV-Virus werde nicht durch gemeinsam benutztes Geschirr oder einen Händedruck übertragen. Als Zeichen der Gemeinschaft werde in seinen Aids-Gottesdiensten der Abendmahlswein aus einem gemeinsamen Kelch getrunken. Minderheiten wie Aids-Kranke oder HIV-Positive dürften nicht ausgegrenzt werden.
Aids ist nach den Worten Gauses immer noch mit großen Vorurteilen behaftet. „Das Moralische schwingt immer noch mit.“ Frauen werde unterstellt, sie seien auf den Strich gegangen, und Männern, dass sie schwul seien. Nach seinen Beobachtungen würden schwule Männer als größte Risikogruppe sich in der Regel sehr verantwortungsbewusst schützen. Gefährdet seien vor allem Menschen, die sich selbst nicht zur Risikogruppe zählen. Typisches Beispiel seien heterosexuelle Menschen, die nach einer Ehe ihre Sexualität nun frei ausleben möchten.
In Hamburg war 1994 die bundesweit erste Aids-Pfarrstelle eingerichtet worden. Gause ist seit 2004 im Amt. Rund 500 Menschen aus der Metropolregion nutzen die Angebote der Aids-Seelsorge. Knapp 100 zählen zur „Kerngemeinde“. Jeden letzten Sonntag im Monat wird um 18 Uhr in der Kirche in St. Georg (Nähe Hauptbahnhof) ein Aids-Gottesdienst gefeiert. Zu den 150 bis 200 Besuchern zählen auch viele, die nicht HIV-infiziert oder aids-krank sind.
Der Gottesdienst am Montag im Michel steht unter dem Motto „Aids Ist Deine Sorge.“ Die Band „Kurz vor Hamburg“ sorgt für die Musik. Engagierte Jugendliche aus Wandsbek und Flottbek haben sich mit der Thematik beschäftigt und werden ihre Gedanken einbringen. Zu hören sind außerdem Berichte aus eigener Anschauung über das Leben mit HIV und Aids. Nach dem Gottesdienst findet ein Candle-Light-Walk vom Michel in die City statt, mit dem an die Aids-Toten erinnert wird.EPD/cl
Erschienen am 28.11.2009


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich