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27.10.09

Medizin

So unerklärbar heilsam sind Erde und Schlamm

Heilerde, Fango und Moorpackungen erleben eine Renaissance – und zwar nicht nur im Wellnessbereich, sondern auch in Arztpraxen. Sie helfen gegen Rheuma und Muskelbeschwerden. Doch obwohl solche Therapien seit Jahrtausenden angewandt werden, weiß man bisher wenig über die Wirkmechanismen.

© Getty Images
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Matsch und Schlamm finden immer häufiger ihren Weg aus dem Wellnessbereich in die Arztpraxen. Ein Beispiel ist etwa die Peloidtherapie. Was wieder modern wird, hat eine lange Tradition: Die Ägypter packten sich schon vor 6000 Jahren Nilschlamm auf die Glieder, römische Legionäre sollen zur Behandlung ihrer Blessuren Fango benutzt haben, und selbst der legendäre Mediziner Paracelsus soll Moorbäder bereits im Mittelalter empfohlen haben.


Doch trotz der weit zurückreichenden Geschichte weiß man noch immer wenig über den Wirkmechanismus von Schlamm und Erde. Gegen rheumatische Erkrankungen, Schmerzen im Nacken und Rücken oder bei verspannten Muskeln hilft oft eine Fango-Packung. Sie ist sicher eine der meistgenutzten Peloidtherapien. Fango, italienisch für "Schlamm", ist aber ein ganz besonderes Material: Mineralschlamm vulkanischen Ursprungs.


Fango kommt aus Italien, und hier wird er auch besonders aufwendig hergestellt, indem man ihn mit Thermalwasser, Algen und Mikroorganismen versetzt. Nach 60 Tagen reift aus diesem Schlamm-Mikroben-Mix schließlich der sogenannte organische Fango.


In Deutschland wird nur anorganischer Fango verwendet. Dieser reift nicht mit Mikroorganismen. In Massagepraxen besonders verbreitet ist der sogenannte Parafango – der vulkanische Schlamm ist hier mit Paraffin versetzt. Die mit dem Gestein-Wachs-Gemisch gefüllten Waben werden auf etwa 50 Grad Celsius erhitzt und dann auf die gewünschten Körperstellen gelegt. Dort können sie langanhaltend Wärme an den Körper abgeben, ohne dabei die Haut durch Verbrennung zu schädigen. Dies lindert die Schmerzen, fördert die Durchblutung und löst Verspannungen der Muskulatur.


Torf besteht vorwiegend aus organischen Stoffen. Er entsteht in Mooren, in denen Pflanzenbestandteile nur unvollständig zersetzt werden. Er wird als Moorpackung oder -bad angewendet. Badetorf zeichnet sich ebenso wie Fango durch seine Wärmespeicherkapazitäten aus. Da die Masse als weniger heißt empfunden wird, als sie es eigentlich ist, werden sogenannte Überwärmungsbäder möglich, die in vielerlei Kurorten angeboten werden, aber auch zu Hause durchführbar sind. Durch die starke Wärme wird die Durchblutung angeregt und die Muskulatur entspannt.


Torf kann allerdings noch mehr: Er enthält viele biologisch aktive Pflanzenstoffe, einer davon ist die Huminsäure, die Keime und Entzündungen hemmt.


Von den Wirkstoffen im Torf sind bisher erst drei Prozent identifiziert. Forscher bemühen sich nun, auch die weiteren Substanzen zu bestimmen. Moorbäder und -packungen eignen sich bei Arthrose, rheumatischen Erkrankungen und sogar bei Hautproblemen.


Der Naturheilkundige Adolf Just (1859 bis 1936) verhalf der Heilerde einst zu Ruhm. Just gilt als Schlüsselfigur der modernen Naturheilkunde, wir feiern dieses Jahr seinen 150. Geburtstag. 1896 gründete er die Naturheilanstalt "Jungborn" im Harz, die sich bald zu einem berühmten Treffpunkt aller Naturheilkunde-Interessierten entwickelte. Unweit hiervon entdeckte Just auch die berühmte Heilerde, die noch heute in der von ihm gegründeten Heilerde-Gesellschaft Luvos produziert wird.


Heilerde besteht aus Löss, also aus Gesteinsstaub aus tiefer gelegenen Bodenschichten. Dieser Staub enthält viele Mineralien, hat aber vor allem eine große Gesamtoberfläche. Die bindet Wundsekrete, Magen- und Gallensäuren sehr gut. Heilerde kann innerlich und äußerlich angewandt werden. Als Maske oder Wickel hilft sie bei der Heilung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen. Je nachdem, ob es sich um einen akuten oder chronischen Verlauf handelt, kann die Behandlung mit einem Wickel warm oder kalt erfolgen.


Innerlich angewendet lindert Heilerde Sodbrennen, säurebedingte Magenbeschwerden und Durchfall. Ein positiver Nebeneffekt: Heilerde bindet Gerüche.


Gesunde können mit Heilerde ihren Mineralienhaushalt ausgleichen. Sie kann in Wasser verrührt getrunken werden. Wem das nicht schmeckt, kann auch Heilerdetabletten schlucken. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Allerdings sollten zwischen der Einnahme von Heilerde und der von Medikamenten zwei Stunden vergehen. Denn die Heilerde kann die Aufnahme anderer Wirkstoffe hemmen.

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