28.02.13

Ernährung

Mediterranes Essen schützt Herz und Kreislauf

Eine mediterrane Diät senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um fast ein Drittel gegenüber einer fettarmen Ernährung. Das schaffen sonst nur weit verbreitete Medikamente wie Statine.

Foto: picture alliance

Eine Ernährung mit Olivenöl oder Nüssen, viel Obst, Fisch, Geflügel, Bohnen, Tomatensauce, Salaten und Wein, aber mit wenig Backwaren und Kuchen – kurz und gut: eine mediterrane Diät – kann das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung senken
Eine Ernährung mit Olivenöl oder Nüssen, viel Obst, Fisch, Geflügel, Bohnen, Tomatensauce, Salaten und Wein, aber mit wenig Backwaren und Kuchen – kurz und gut: eine mediterrane Diät – kann das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung senken

Eine Ernährung auf Basis von Olivenöl, Fisch und Gemüse kann vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen: Diese seit langem verbreitete Erkenntnis wurde nun von einer der bislang längsten und wissenschaftlich fundiertesten Studien untermauert.

An ihr nahmen über einen Zeitraum von fünf Jahren in Spanien rund 7500 Menschen im Alter von 55 bis 80 Jahren teil. Diejenigen, die sich mediterran ernährten – also mit Olivenöl oder Nüssen, viel Obst, Fisch, Geflügel, Bohnen, Tomatensauce, Salaten und Wein, aber mit wenig Backwaren und Kuchen – hatten ein um 30 Prozent geringeres Risiko, Herz-Kreislauf-Probleme zu entwickeln als eine Vergleichsgruppe, die sich fettarm ernährte.

Der Nutzen einer mediterranen Ernährung wird seit langem vermutet, wurde bisher aber kaum wissenschaftlich nachgewiesen. Die neue Studie ist im Vergleich zu früheren Untersuchungen belastbarer, denn die Teilnehmer folgten der Diät über einen langen Zeitraum und wurden dabei ärztlich begleitet.

Verhütung von Herzproblemen

Die meisten Teilnehmer nahmen auch Medikamente gegen einen hohen Cholesterinspiegel und hohen Blutdruck. Diese Behandlung wurde beibehalten. Doch als erster Schritt zur Verhütung von Herzproblemen "glauben wir, dass eine Diät besser ist als ein Medikament", da sie praktisch keine Nebenwirkungen habe, sagt der Leiter der Studie, Ramon Estruch von der Hospital Clínic in Barcelona. Die Ergebnisse wurden im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Feste Speisepläne oder Kalorienvorgaben erhielten die Teilnehmer der Studie nicht, denn eine Gewichtsabnahme war nicht das Ziel. Deshalb hielten wohl auch viele durch – innerhalb von zwei Jahren stiegen nur sieben Prozent aus dem Programm aus. Bei der Gruppe, die sich fettarm ernährte, war die Aussteigerquote doppelt so hoch wie bei der Gruppe, die einer mediterranen Ernährungsweise folgte. Nüsse und Olivenöl wurden ihnen kostenlos gestellt. Das Öl war eines aus besonders hochwertiges aus erster Pressung.

Die Teilnehmer der Studie hatten zu Beginn keine Herzerkrankungen, gehörten aber wegen anderer Erkrankungen zu einer Hochrisikogruppe. Die Hälfte von ihnen hatte Diabetes, die meisten waren übergewichtig und hatten hohe Cholesterinwerte und hohen Blutdruck. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Zwei ernährten sich mediterran, entweder mit nativem Olivenöl extra – vier Teelöffel pro Tag – oder mit Walnüssen, Haselnüssen und Mandeln – eine Handvoll pro Tag. Die dritte Gruppe ernährte sich fettarm mit Brot, Kartoffeln, Pasta, Reis, Obst, Gemüse und Fisch, aber mit wenig Backwaren, Nüssen, Öl und rotem Fleisch.

Weniger Schlaganfälle

Unabhängige Kontrolleure stoppten die Studie nach fünf Jahren, als klar wurde, dass die beiden Gruppen mit mediterraner Kost weniger Gesundheitsprobleme hatten. Die Ärzte konzentrierten sich vor allem auf Herzinfarkte, Schlaganfälle oder herzbedingte Todesfälle. Davon gab es in der mediterranen Olivenöl-Gruppe 96, in der mediterranen Nuss-Gruppe 83 und in der fettarmen Gruppe 109. Auf die Todesrate allgemein hatte die Ernährungsform keinen Einfluss, wohl aber auf die Zahl der Schlaganfälle.

Die Studie wurde von der Forschungsbehörde der spanischen Regierung initiiert und finanziert, Nahrungsmittel wurden von Öl- und Nussproduzenten gestellt. Viele der Autoren haben finanzielle Beziehungen zur Nahrungsmittel- und Weinbranche. Nach ihren Angaben hatten die Sponsoren aber keinerlei Einfluss auf Aufbau, Analyse oder Veröffentlichung der Studie.

Wirkung wie mit Statinen

Rachel Johnson, Professorin an der Universität von Vermont, die den Ernährungsausschuss der Amerikanischen Herzvereinigung leitet, bezeichnete die Studie als überzeugend: Labortests hätten den Verzehr von Öl und Nüssen durch die Teilnehmer nachgewiesen, und die Forscher hätten die tatsächlichen Zahlen von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen aufgezeichnet und nicht nur Veränderungen bei Risikofaktoren wie etwa einem hohen Cholesterinspiegel. Letztlich sei es schließlich entscheidend, ob jemand krank werde oder nicht. "Es ist eine wichtige Studie."

Die Diät-Expertin Rena Wing von der Brown University im US-Staat Rhode Island verwies darauf, dass die Forscher Öl und Nüsse zur Verfügung gestellt hätten. Es sei nicht klar, ob Menschen bei einer mediterranen Ernährung ohne ärztliche Begleitung dieselben Ergebnisse erzielen würden, sagte Wing.

Ein dritter unabhängiger Experte lobte die Studie als Hinweis darauf, dass eine bestimmte Ernährungsart das Risiko für Herzerkrankungen senken kann. Das Risiko sei in einem ähnlichen Ausmaß zurückgegangen, wie dies mit Statinen erreicht werden könne, wie sie in Cholesterinsenkern eingesetzt werden, sagte Robert Eckel, Experte für Herzerkrankungen an der Universität von Colorado. Allerdings sollten Patienten daraus nicht den Schluss ziehen, dass sie ihre Medikamente absetzen könnten.

Quelle: AP
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