26.02.13

Neue Studien

So gefährlich ist chronischer Schlafmangel

Wer nicht genügend schläft, riskiert seine Gesundheit. Der Mangel an Erholungsphasen beeinflusst die Aktivität von mehr als 700 Genen.

Foto: dpa
Labor: Schlafstörungen sind zermürbend und müssen medizinisch untersucht werden. Sie beeinflussen mehr als nur Psyche und Stimmung
Labor: Schlafstörungen sind zermürbend und müssen medizinisch untersucht werden. Sie beeinflussen mehr als nur Psyche und Stimmung

Zwei neue Studien beschäftigen sich mit dem Segen des Schlafes. Britische Forscher von der University of Surrey haben sich mit der Regeneration im Schlaf befasst, ein Team der Uni Tübingen mit den Effekten auf das Gedächtnis.

Während noch vor einigen Jahrzehnten unklar war, warum wir überhaupt schlafen, wissen Forscher heute, dass Regeneration und Lernen die zentralen Funktionen des Schlafes sind. Er ist notwendig für Wachstum, Stoffwechsel und Immunsystem, und er hilft dabei, neu Gelerntes mit bestehendem Wissen zu verknüpfen.

Die neuen Studien untermauern dies. So kann schon eine Woche Schlafmangel Hunderte von Genen beeinflussen, die vor allem für Entzündungen, das Immunsystem und Stressreaktionen verantwortlich sind, berichten Carla Möller-Levet und ihr Team.

Es ist das erste Mal, dass umfassend untersucht wurde, wie viele Gene insgesamt von chronischem Schlafmangel beeinflusst werden. Die Versuchspersonen – 14 Männer und zwölf Frauen – sollten zunächst eine Woche lang nur jeweils knapp sechs Stunden pro Nacht schlafen.

Schlafmangel fördert Entzündungen und Stress

Später wurden die Probanden erneut eingeladen, diesmal durften sie sieben Nächte so lange im Bett bleiben, wie sie wollten. Am Ende jeder der beiden Wochen mussten die Probanden 40 Stunden lang wach bleiben. Während dieses Schlafentzugs entnahmen die Forscher Blut und prüften, welche Gene wann aktiv wurden.

Ging dem kurzfristigen Schlafentzug eine Woche mit Schlafmangel voraus, wurden insgesamt 711 Gene beeinflusst – immerhin 3,1 Prozent aller 23.000 Gene. Die meisten von ihnen sind verantwortlich für Prozesse, die mit Stress- oder Entzündungsreaktionen zusammenhängen.

Der Schlafmangel beeinflusste der Studie zufolge aber auch die Aktivität von Genen, die normalerweise einem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegen, also etwa jene, die den Stoffwechsel steuern. Der Befund weist darauf hin, dass Schlafmangel über die Genaktivität den Stoffwechsel auch im Wachzustand deutlich verändert.

In der zweiten Studie, veröffentlicht im Magazin "Nature Neuroscience", untersuchten die deutschen Forscher um Ines Wilhelm den "Slow-Wave-Sleep" (SWS). Vermutet wurde schon länger, dass diese Form des Tiefschlafs eine wichtige Rolle für die Umwandlung von implizitem in explizites Wissen spielt.

Implizites Wissen ist das, was unbewusst gelernt wurde, explizites das, was man bewusst erläutern kann. Schwimmen zu können beispielsweise ist implizites Wissen, jemandem die Bewegungsabläufe dabei erklären zu können, ist explizites Wissen.

Schlafen hilft beim Lernen

In der Studie untersuchte das Team dies an 35 Kindern im Alter zwischen acht und elf Jahren – Kinder verbringen bis zu drei Mal mehr Zeit im SWS als Erwachsene. Die kleinen Probanden sollten an einem Schaltpult mit acht Knöpfen immer jene, die in einer bestimmten Reihenfolge aufleuchteten, schnell drücken.

Während die eine Hälfte die Aufgabe morgens bekam, führte die andere sie abends durch und kam am nächsten Morgen zu einem Test. Bei diesem sollten alle die Reihenfolge wiedergeben, die sie zuvor implizit, durch das Drücken der Knöpfe, gelernt hatten.

Tatsächlich konnten sich die Kinder, die zwischendurch geschlafen hatten, besser an die Reihenfolge erinnern als jene, die nicht geschlafen hatten. Zusätzlich fanden die Forscher, dass jene Kinder, die sich besonders gut erinnerten, in der Nacht zuvor häufiger SWS-Wellen hatten.

Kinder lernen offenbar leichter, weil sie mehr Zeit im SWS-Schlaf verbringen. Dennoch gilt für jedes Alter: Regelmäßiger Schlaf von mindestens sechs Stunden pro Nacht tut Körper und Psyche gut.

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