21.02.13

Influenza

Der Höhepunkt der Grippewelle scheint erreicht

Die Grippewelle wird Deutschland noch einige Wochen beschäftigen. Experten sehen sie auf ihrem Höhepunkt. Wann sie sich auf den Rückzug begibt, ist unklar. Für viele wird eine Impfung zu spät kommen.

Foto: dpa

Wer eine Grippe hat oder potenzieller „Verteiler“ ist, sollte sich gut überlegen, ob er in Wartezimmern Platz nimmt
Wer eine Grippe hat oder potenzieller "Verteiler" ist, sollte sich gut überlegen, ob er in Wartezimmern Platz nimmt

Viele Menschen in Deutschland werden nach Ansicht eines Experten in den kommenden Wochen noch an Grippe erkranken. "Seit letzter, vorletzter Woche sind die Meldezahlen etwa gleich auf einem sehr, sehr hohen Niveau und wir werden vielleicht noch ein, zwei Wochen auf diesem Niveau bleiben", sagte Jörg Hofmann, Virologe an der Berliner Charité, im ZDF-"Morgenmagazin". "Man kann vielleicht davon ausgehen, dass wir uns gerade auf dem Höhepunkt befinden."

"Wir können nun von einer bundesweit starken Grippewelle sprechen", sagt der Sprecher des Robert Koch-Instituts, Günther Dettweiler. Ein Abflachen der diesjährigen Welle ist noch nicht in Sicht. Auch in den Süden der Republik hat sich die Influenza nun ausgebreitet. Im Osten hingegen schwächt sich die Aktivität langsam wieder ab.

Bislang wurden für die vergangene Woche bundesweit 2606 im Labor bestätigte Influenzafälle gemeldet. Diese Zahl wird sich durch Nachmeldungen jedoch noch deutlich erhöhen. In der Vorwoche waren es über 6100 gemeldete Grippefälle, seit Saisonbeginn im Spätherbst insgesamt 21.200.

Weniger als die Hälfte der Vorwoche

In Berlin schwächt sich die Grippewelle langsam ab. Die Zahl der Atemwegserkrankungen in der Hauptstadt ist nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft Influenza nur noch moderat erhöht.

In der vergangenen Woche lag die Zahl der Influenza-Nachweise in der Region nur noch bei rund 350. In der Woche davor gab es mit fast 800 Meldungen noch mehr als doppelt so viele registrierte Fälle. Für die laufende Woche liegen die Nachweise noch weit unter 100. Nachmeldungen sind aber möglich und können die Statistik verändern.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium meldet "eine hohe Erkrankungszahl". Zuletzt seien dem Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz 411 Erkrankungen in einer Woche gemeldet worden. Der Tod von zwei Menschen nach einer Infektion wurde nach Ministeriumsangaben bislang labordiagnostisch bestätigt. Beide litten jedoch an Begleiterkrankungen.

"Die Situation wird nicht als besorgniserregend eingestuft", teilte das Ministerium mit. Empfohlen werden die üblichen Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, außerdem Händeschütteln und Umarmungen vermeiden und niemanden anhusten oder anniesen.

In Thüringen breitet sich das Grippevirus weiter aus. In der vergangenen Woche seien 191 Neuerkrankungen gezählt worden, sagte ein Sprecher des Sozialministeriumst. Im Vergleich zur Vorwoche gab es aber 29 Neuerkrankungen weniger. Insgesamt infizierten sich mittlerweile 1591 Thüringer mit dem Virus.

Hälfte der Fälle vom Schweinegrippe-Virus verursacht

Bundesweit werden knapp die Hälfte der Grippefälle nach RKI-Angaben vom Schweinegrippe-Virus Influenza A Typ H1N1 verursacht. 37 Prozent fallen auf Influenza A Typ H3N2 und 18 Prozent auf Influenza B.

Auch wegen anderer Erkältungskrankheiten drängten die Patienten nach wie vor zum Arzt – der sogenannte Praxisindex stieg weiter an. Fazit: Außer dem östlichen Brandenburg, sowie Teilen Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Bayerns ist die Deutschlandkarte für Erkältungskrankheiten in dieser Woche dunkelrot. Das bedeutet stark erhöhte Zahlen an Husten, Schnupfen und Co.

"Die diesjährige Grippe reiht sich in die Reihe der starken Grippewellen des vergangenen Jahrzehnts ein", ergänzte Dettweiler. Eine Bilanz, auch zu Todesfällen, könne jedoch erst nach Abschluss der Saison gezogen werden. Im vergangenen Winter war die Grippewelle ungewöhnlich mild ausgefallen.

Grippe-Impfung je nach Umfeld möglich

Wer jetzt noch an eine Grippe-Impfung denkt, sollte dies mit seinem Hausarzt besprechen. "Ob die Impfung jetzt noch sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Umfeld ab", rät Marita Völker-Albert, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Habe es in einer Familie schon mehrere Grippefälle gegeben, sei ein vermeintlich noch gesunder Mensch möglicherweise schon selbst infiziert. Dann habe eine Impfung keinen Sinn mehr. Denn es dauert zwei Wochen, bis der Impfschutz greift.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung auch jetzt noch grundsätzlich allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken sowie Bewohnern von Alters- oder Pflegeheimen. Außerdem sollten sich medizinisches Personal und Menschen, die eine mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Personen sein können, impfen lassen.

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Grippe
  • Wer ist gefährdet?

    Die Grippe gefährdet vor allem betagte Menschen und solche mit schweren Grunderkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Herz- Kreislauferkrankungen. Bis zu 11.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland, meist an den sekundären Folgen einer Grippe.

  • Grippe oder Erkältung?

    Die Influenza fällt schlagartig über den Körper her und macht sich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Dazu kommt oft ein trockener Husten. Gefährlicher als die Grippe sind oft die Nebenwirkungen, die sie nach sich zieht. Die bedrohlichste ist die bakterielle Lungenentzündung.

  • Was hilft Kindern?

    Penibles Händewaschen kann vor Ansteckung bewahren. Solange das Fieber nicht über 39 Grad steige und der Schnupfen nicht unerträglich sei, helfen Hausmittel, sagt Hermann-Josef Kahl, Sprecher der nordrheinischen Kinder- und Jugendärzte. Die kranken Kinder sollten inhalieren und viel trinken, am besten Früchtetee, leicht gesüßt mit Honig, um den rauen Hals zu beruhigen. Auch Salz hilft: Mit einer Pipette kann eine Lösung in die Nase getropft werden, damit die Schleimhäute abschwellen. Dazu wird in 250 Milliliter abgekochtes Wasser ein halber Teelöffel Kochsalz gemischt. Bei hohem Fieber aber geht's zum Arzt.

  • Wer sollte sich impfen lassen?

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schutzimpfung in erster Linie älteren Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranken mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinischem Personal und erstmals auch Schwangeren. Darüber hinaus kann sich jeder bei seinem Arzt impfen lassen. Oktober und November sind dafür am günstigsten. Nach maximal zwei Wochen hat sich der Impfschutz aufgebaut.

  • Zahlt die Kasse?

    Für über 60-Jährige und weitere Risikogruppen übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten. Zahlreiche Kassen zahlen auch für alle anderen.

  • Zum Weiterlesen

    • Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe beim Robert-Koch-Institut

    • Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Grippeschutzimpfung

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