18.02.13

Ernährung

Wie gefährlich ist der tägliche Genuss von Cola?

Eine Neuseeländerin soll nach übermäßigem Genuss von Coca-Cola gestorben sein. Ein Ernährungsexperte der Berliner Charité über die Risiken.

Von Anja Richter
Foto: picture alliance / ZB

Tödliche Dosis: Eine Frau in Neuseeland soll zehn Liter Cola am Tag getrunken haben
Tödliche Dosis: Eine Frau in Neuseeland soll zehn Liter Cola am Tag getrunken haben

Er sei froh, dass es vorbei ist, sagt Christopher Hodgkinson. Endlich wüsste er, woran seine Partnerin mit nur 31 Jahren gestorben sei. Den Namen seiner Ehefrau kennt inzwischen die ganze Welt.

Die Geschichte von Natasha Harris aus Neuseeland war in die Schlagzeilen gekommen, weil sie an dem übermäßigen Genuss von Coca-Cola gestorben sein soll.

Bis zu zehn Liter soll die Mutter von acht Kindern jeden Tag getrunken haben, sie sei "süchtig" gewesen, sagte Christopher Hodgkinson, "wenn sie ihren Softdrink nicht bekommen hat, ist sie durchgedreht". Wasser, Tee, Kaffee und auch Alkohol hätten seiner Frau nicht geschmeckt.

Bereits vor drei Jahren war Harris nach einem Zusammenbruch auf ihrer Toilette gestorben, doch die genauen Umstände, die zu ihrem Tod geführt hatten, blieben lange unklar. Fest stand jedoch: Die Zähne der 31-Jährigen waren bis auf die Wurzel verfault, ihre Leber um ein Vielfaches vergrößert, ihr Herz schlug rasend schnell, und an einem Tag im Februar war es dann einfach stehen geblieben.

Der jahrelange Konsum von Cola soll eine Mitschuld tragen an dem Tod der Neuseeländerin, sagte David Crerar, der Untersuchungsrichter des Falls. Er war zu dem Schluss gekommen, dass Harris nicht "zu diesem Zeitpunkt und auf die Art" gestorben wäre, hätte sie nicht eine solch große Menge des Getränks zu sich genommen. Auch wenn der Konzern nicht allein für den Tod der Frau verantwortlich gemacht werden könne, empfiehlt Crerar dem Unternehmen, seine koffeinhaltigen Getränke mit Warnhinweisen zu versehen.

Das sieht das Unternehmen anders, sagt Geert Harzmann, Sprecher von Coca-Cola: "Auf unseren Etiketten geben wir Nährwertinformationen zu unseren Getränken und außerdem den Anteil an der pro Tag empfohlenen Kalorienzufuhr." Das ermögliche den Verbrauchern eine bewusste Getränkeauswahl. Harris habe zwar viel Cola getrunken, aber auch sonst einen sehr ungesunden Lebensstil gepflegt; sie soll 30 Zigaretten am Tag geraucht und nur wenig gegessen haben.

Ein Kilogramm Zucker am Tag

Doch wie gefährlich ist das Getränk überhaupt, ganz gleich, welcher Konzern es produziert? Rund 100 Milliliter Cola enthalten in etwa zehn Milligramm Koffein. 32 Milligramm pro 100 Milliliter sind in Deutschland für Softdrinks zugelassen.

Von dem Alkaloid allein gehe keine Gefahr aus, sagt Andreas Pfeiffer, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Berliner Charité. Es habe bereits etliche große Studien zur Wirkung von Koffein auf den Körper gegeben, nicht zuletzt, weil in der Vergangenheit Todesfälle nach dem Genuss von Energydrinks für Aufmerksamkeit gesorgt hatten.

Erst im Oktober 2012 war in den USA ein 14-jähriges Mädchen nach dem Genuss von zwei Dosen Monster Energy an Herzrhythmusstörungen gestorben.

Tatsächlich könne Koffein bei erhöhtem Genuss zu eben solchen Herzrhythmusstörungen führen. Dies sei aber eher die Ausnahme, sagt Pfeiffer: "Koffein an sich ist eher protektiv, das heißt, dass Personen, die viel Kaffee trinken, eher ein geringes als ein erhöhtes Risiko haben, am Herzen und den Gefäßen zu erkranken." Dies hätten Studien bewiesen, bei denen Probanden sechs Tassen Kaffee, der bis zu zehn Mal mehr Koffein enthalten kann als Cola, tranken. Mehr Tassen seien es nicht gewesen, da ein Mensch in der Regel pro Tag nicht mehr trinken würde, erklärt Pfeiffer.

Doch nicht nur Koffein hat dem Körper von Harris offenbar zugesetzt. Laut Obduktionsbericht ist ihre Leber um ein Vielfaches vergrößert gewesen, außerdem habe sich Fett in dem Organ abgelagert. Allein durch dem Konsum der Brause habe Harris rund ein Kilogramm Zucker aufgenommen – jeden Tag. Etwa zehn Gramm Saccharide finden sich nach Angaben des Konzerns Coca-Cola in 100 Milliliter des Erfrischungsgetränks. Das entspricht etwa 36 Stück Würfelzucker pro Ein-Liter-Flasche. Doch Zucker allein sei gar nicht schädlich, sagt Andreas Pfeiffer. Vielmehr sei der exzessive Konsum der Kalorien das Problem.

Die große Menge an Kilokalorien, immerhin 42 auf 100 Milliliter Cola, habe sehr wahrscheinlich zu dem Leberschaden und womöglich auch zu einer Verfettung der Herzmuskelzellen und damit zu einem Herzversagen bei der 31-Jährigen geführt. "Wer zehn Liter Coca-Cola am Tag trinkt, nimmt durch den Zucker etwa viertausend Kilokalorien zu sich. Das ist schon eine systematische Mast." Erwachsene sollten pro Tag nicht mehr als 2000 Kilokalorien zu sich nehmen. Der flüssige Zucker der Limonade taucht innerhalb von Minuten im Blut auf und sorgt für eine Insulin-Ausschüttung, die mittelfristig zu einer Diabeteserkrankung führen könne.

Aber nicht nur der exzessive Genuss klassischer Cola sei gefährlich. Auch Light-Limonaden, die Hersteller wegen ihrer Verwendung von Süßstoffen statt Zucker anpreisen, können krank machen. Diese Softdrinks seien zwar kalorienärmer, sagt Pfeiffer, erhöhten das Risiko einer Diabeteserkrankung aber mehr als normale Limonade. Zu dem Schluss waren erst kürzlich auch zwei Forscher des französischen Medizin-Forschungsinstituts INSERM in einer Studie mit 66.000 Frauen gekommen.

4000 zusätzliche Kalorien

Dennoch seien derartige Durstlöscher nicht allein für Herzerkrankungen verantwortlich. Diese könnten ebenso durch den erhöhten Genuss von Proteinen, Fetten oder Kohlenhydraten hervorgerufen werden, etwa durch den unverhältnismäßigen Verzehr von Sahnetorte oder Schwarzbrot. "Wenn ein Mensch 4000 Kalorien am Tag zu sich nimmt, spielt es am Ende keine große Rolle mehr, was derjenige isst", sagt Pfeiffer.

Leide eine Person ohnehin schon an Übergewicht, greife dann aber auch noch – wie Harris – zur Zigarette und zu etlichen Flaschen Brause pro Tag, erhöhe sich das Risiko einer Herzerkrankung um ein Fünffaches. "Und wenn die Frau ständig Cola getrunken und dabei nur wenig anderes gegessen hat, dann dürfte sie dazu noch alle möglichen Mangelerscheinungen an Nährstoffen und Vitaminen gehabt haben."

Besonders der Mangel an dem für den Organismus wichtigen Mineralstoff Kalium könne zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen führen, etwa einer Lähmung des Herzmuskels. Coca-Cola war wegen einer ähnlichen Problematik bereits in der Vergangenheit in die Kritik geraten. Das in dem Getränk vorhandene Säuerungsmittel Phosphor soll Kalium binden, das für den Knochenaufbau entscheidend ist. Besonders Kinder seien deswegen durch das Trinken von Cola anfällig für Knochenbrüche.

Pfeiffer hält die Erklärung des Todesfalls der achtfachen Mutter durch Coca-Cola allerdings für "grotesk". Softdrinks seien aus seiner Sicht zwar problematisch. Doch den Tod von Natasha Harris ausschließlich darauf zurückzuführen, sei abwegig. Gegen den Genuss auch mehrerer Liter Limonade pro Tag spreche bei ausreichender Bewegung und einer gesunden Ernährung nichts.

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