14.02.13

Sars-Erreger

Corona-Virus innerhalb Großbritanniens übertragen

Das im vergangenen Jahr neu aufgetretene Virus ist mit dem Sars-Erreger verwandt. Bislang hatten sich alle Patienten im Ausland infiziert. Doch nun hat sich ein Mensch bei einem anderen angesteckt.

Foto: AP

Kronenartige Strukturen auf der Oberfläche haben alle Coronaviren
Kronenartige Strukturen auf der Oberfläche haben alle Coronaviren

In Großbritannien ist wieder ein Mensch am neuen, gefährlichen Coronavirus (NCoV) erkrankt. Das teilten die britischen Gesundheitsbehörden mit. Der neue Patient ist ein Verwandter eines anderen Erkrankten, dessen Fall am 11. Februar bekannt geworden ist.

Das Besondere an diesem neuen Patienten: Er war nicht, wie bisher alle bekannten Fälle, zuvor im Ausland. Er hat sich also mit dem Virus in Großbritannien angesteckt. Der neue Patient liegt auf der Intensivstation.

Die Gesundheitsbehörden betonen, dass er bereits an anderen Krankheiten litt. Das könnte bedeuten, dass sein Immunsystem bereits geschwächt war und er sich deshalb bei seinem Verwandten angesteckt hat.

Die bisherigen Patienten hatten sich bei Auslandreisen in den Mittleren Osten infiziert: in Saudi-Arabien, Jordanien und Qatar. Der Patient etwa, bei dem sich ein Familienmitglied nun offenbar angesteckt hat, ist ein 60-jähriger Mann, der zuvor in Pakistan und Saudi-Arabien gewesen ist. In welchem der Länder er sich angesteckt hat, konnte die britische Gesundheitsbehörde HPA (Health Protection Agency) bislang nicht ermitteln.

Der Mann, der sich im Ausland angesteckt hatte, liegt derzeit in einer Klinik in Manchester. Er war am 31. Januar – vier Tage nach seiner Rückkehr aus Saudi-Arabien – ins Krankenhaus eingeliefert worden, da er an einer schweren Infektion der unteren Atemwege litt. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends.

Überraschende Übertragung

Dass sich nun ein Familienmitglied bei ihm angesteckt hat, überrascht die Behörden. Denn bislang war vom neuen Virus nicht bekannt, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Es gab allerdings Vermutungen, da aus Saudi-Arabien zwei Familienmitglieder erkrankt waren, von denen nicht eindeutig klar war, ob sich eines beim anderen angesteckt hatte – oder ob sie beide sich bei einer anderen Quelle gleichzeitig infiziert hatten.

Bisher sind elf Fälle von NCoV-Infektionen bestätigt. Von ihnen starben fünf. Dass Erkrankungen mit dem NCoV aufmerksam beobachtet werden liegt daran, dass es sich bei diesem Coronavirus um einen Verwandten des Sars-Virus handelt. An einer Sars-Epidemie starben in den Jahren 2002 und 2003 rund 800 Menschen. Nach Angaben der WHO war das jeder zehnte Infizierte.

Die WHO ruft die Gesundheitsbehörden dazu auf, besonders aufmerksam schwere Akute Atemwegserkrankungen zu beobachten. Ungewöhnliche Verteilungsmuster sollten unbedingt gemeldet werden, bei Patienten, die ohne erkennbaren Grund eine schwere Lungenentzündung oder schwere, fortschreitende und komplizierte Erkrankungen der Atemwege (schweres akutes Atemwegssyndrom) bekommen, und bei denen eine Behandlung nicht anspricht, sollten auf Coronaviren getestet werden.

Bestätigte Fälle sollten umgehend den nationalen Gesundheitsbehörden und der WHO gemeldet werden. Die WHO betont aber auch, dass sie kein spezielles Monitoring anregt und auch keine Reise- oder Handelsbeschränkungen empfiehlt.

Mehr als nur Schnupfenviren

Unter Coronaviren wird eine Gruppe von Viren zusammengefasst, die sich alle durch kronenartige Spitzen ("Corona" ist lateinisch für Krone) auf ihrer Oberfläche tragen. Fast jeder Mensch erkrankt in seinen Leben an Coronaviren, sie können Husten und Schnupfen auslösen.

Auch verschiedene Tiere können sich mit Coronaviren anstecken, die Symptome reichen dann auch von Atemwegserkrankungen über Leber und neurologischen Erkrankungen. Die meisten bei Tieren vorkommenden Coronaviren sind für Menschen nicht gefährlich.

Die meisten Coronaviren sind auf eine Tierart spezialisiert. Das Sars-Virus, das vor zehn Jahren zu einer Epidemie bei Menschen führte, wurde jedoch "übergreifend" aktiv: bei Affen, Zibetkatze, Marderhunden, Katzen, Hunden und Nagetieren.

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