13.02.13

Schmerzmittel

Diclofenac trotz übler Nebenwirkungen oft verkauft

Diclofenac gehört zu den gängigsten Wirkstoffen gegen Schmerzen – trotz gefährlicher Nebenwirkungen und sicherer Alternativen. Forscher sehen nun "starke Gründe, die Zulassung zurückzuziehen".

Foto: picture alliance / dpa

Das Schmerzmittel Diclofenac ist weltweit verbreitet – dabei sind starke Nebenwirkungen bekannt
Das Schmerzmittel Diclofenac ist weltweit verbreitet – dabei sind starke Nebenwirkungen bekannt

Ungeachtet seiner gefährlichen Nebenwirkungen und trotz sicherer Alternativen zählt der Wirkstoff Diclofenac weltweit zu den gängigsten Schmerzmitteln. Das zeigt eine Untersuchung der Verkaufsdaten sogenannter Nicht-Steroidaler Antirheumatika (NSAID) in 15 Ländern. In dieser Arzneiklasse, zu der auch Ibuprofen oder der Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) zählen, ist Diclofenac der mit Abstand meistverkaufte Wirkstoff. Das berichten britische und kanadische Mediziner in der Zeitschrift "PLOS Medicine".

NSAIDs werden oft gegen Schmerzen und Entzündungen genommen und zählen weltweit zu den meistverkauften Arzneimitteln. Allerdings haben die Präparate Nebenwirkungen, die von Magenproblemen bis zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall reichen können.

Ärzte sollten eigentlich die sichersten Präparate verordnen, eine Hilfestellung bieten Listen essenzieller Arzneimittel, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht werden, aber auch von vielen nationalen Behörden.

Nebenwirkungen: Herzinfarkt und Schlaganfall

Die Forscher ermittelten zuerst das Risikoprofil der Stoffe. Dabei schnitten Diclofenac und Etoricoxib schlecht ab, im Vergleich zu anderen NSAIDs wie Ibuprofen und vor allem Naproxen. Die Nebenwirkungen von Diclofenac, darunter bei längerem Gebrauch Herzinfarkt und Schlaganfall, ähneln demnach denen des Stoffes Rofecoxib, besser bekannt als Vioxx, der im Jahr 2004 vom Markt genommen wurde.

Die WHO listet auf ihrer Liste essenzieller Medikamente als NSAIDs Ibuprofen und ASS, nicht aber Diclofenac. Dennoch taucht dieses Mittel in den nationalen Listen von 74 von 86 Staaten auf.

Dies spiegeln Verkaufsdaten aus 15 Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländern wieder, darunter Kanada, Australien, China und Thailand: Demnach ist Diclofenac weltweit das mit Abstand meistverkaufte NSAID, unabhängig vom Einkommen des Landes. Der Wirkstoff stellt in den 15 Ländern rund 28 Prozent der Verkäufe in dieser Arzneiklasse – fast so viel wie die drei nächstplatzierten Mittel zusammen.

Risiko und Nutzen abwägen

"NSAID-Empfehlungen auf den nationalen Listen essenzieller Medikamente sollten auf dem optimalen Vergleich zwischen Risiko und Nutzen basieren und die sicheren Medikamente bevorzugen", betonen die Forscher. Ihnen zufolge leitete die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erst kürzlich eine Neubewertung des Medikaments ein. "Es gibt starke Gründe dafür, seine Zulassungen weltweit zurückzuziehen", schreiben die Autoren.

Es gehe nicht nur um Diclofenac, schreiben die indischen Mediziner Srinath Reddy und Ambuj Roy in einem begleitenden Kommentar. "Es geht um das größere Ziel sicherzustellen, dass jeder, der für die Sicherheit von Patienten Verantwortung trägt, angemessen und zeitig informierte Entscheidungen trifft."

Deutschland taucht in der Studie zwar nicht auf, doch auch hierzulande wird der Wirkstoff viel genutzt. "Die Studie bestätigt, was man schon lange weiß", sagt Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber der Zeitschrift "Arznei-Telegramm", mit Blick auf die Nebenwirkungen von Diclofenac. Dass sich solche Erkenntnisse nicht in der medizinischen Praxis widerspiegeln, sei traurig. Obwohl Naproxen Studien zufolge das sicherste NSAID sei, werde es hierzulande nur wenig verordnet.

Quelle: dpa/cl
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