07.02.13

Heilmittel

Was wirklich gegen Husten und Schnupfen hilft

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Eine Erkältung ist lästig, aber eben nicht lebensbedrohlich. Welche der neuen und alten Hausmittel helfen wirklich? Zu empfehlen sind Zink, Honig und Zwiebelsocken.

Von Jörg Zittlau
Foto: picture-alliance / dpa

Mit Erkältung wird der Mensch zur Virenschleuder
Mit Erkältung wird der Mensch zur Virenschleuder

Zu den beliebtesten Methoden der Selbstmedikationen bei einer Erkältung gehört Vitamin C, weil es bekanntermaßen das Immunsystem stimuliert. Der Nobelpreisträger Linus Pauling schluckte das normalerweise im Milligramm-Bereich agierende Vitamin gleich grammweise, um sich vor Schnupfen zu schützen.

Ein Beweis für seine Wirksamkeit ist das allerdings nicht. Immerhin kommt ein Forscherteam unter Harri Hemilä von der Universität Helsinki zu dem Schluss, dass Erkältungen etwas milder und kürzer verlaufen, wenn man 0,2 Gramm Vitamin C pro Tag einnimmt. "Einen vorbeugenden Effekt konnten wir jedoch nicht nachweisen", so Hemilä.

Offen bleibt auch, ob man das Vitamin als Präparat oder in seiner natürlichen Verpackung, also beispielsweise in Form von Zitronen- oder Sanddornsaft, einnehmen sollte. Und ob man es überhaupt herunterschlucken muss.

Vermehrungsfreude gedämpft

So setzt man in der rumänischen Volksmedizin schon seit langem auf die Salz-Zitrone-Nasenspülung. Dazu wird eine halbe Zitrone in einen Eierbecher ausgedrückt, der Saft mit einem Teelöffel Salz vermischt und schließlich der Eierbecher mit Wasser bis zum Rand aufgefüllt. Die Flüssigkeit wird mit einem Strohhalm in die Nase eingeschnieft. Was sicherlich ein wenig Heroismus vom Patienten erfordert. Doch dafür klingt das Wirkungsprinzip logisch: Die übersalzene Lösung entzieht den geschwollenen Nasenschleimhäuten das Wasser, und das Vitamin C aus der Zitrone dichtet die Kapillaren ab und lindert dadurch die Entzündung.

Wer es weniger heroisch will, kann aber auch auf Zinkpräparate setzen. Denn für die ist mittlerweile wissenschaftlich solide belegt, dass sie den Krankheitsverlauf lindern und verkürzen, wenn man mit ihrer Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn einsteigt. Das Mineral dämpft die Vermehrungsfreude der Schnupfenviren – und es stimuliert ebenfalls die Abwehrkraft.

"Bei Kindern führten Zinkpräparate über ein halbes Jahr zu weniger Erkältungen, kürzeren Fehlzeiten in der Schule und einem geringeren Bedarf an Antibiotika", erläutert Meenu Singh, die für die internationale Cochrane Liberation eine große Übersichtsstudie verfasst hat. Für eine genaue Dosierungsempfehlung sei es jedoch noch zu früh, mahnt die indische Kinderärztin. Außerdem klagten die Studienteilnehmer vor allem bei den beliebten Zinklutschtabletten oft über Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Übelkeit und Durchfall.

Sulfide aus der Zwiebelsocke

Knoblauch konnte in Studien ebenfalls seine Wirksamkeit gegen Schnupfen nachweisen, als Hauptwirkstoffe gelten seine antiviralen und entzündungshemmenden Sulfide. Die findet man allerdings auch in Zwiebeln, weswegen das alte Hausmittel der Zwiebelsocken eine Alternative sein kann.

Die Anwendung: Abends zum Schlafen in ein Paar Wollsocken schlüpfen, in die man vorher die klein gehackten Stücke einer Zwiebel gestreut hat. Möglich, dass die Sulfide auf diese Weise über die reflektorischen Wege des Körpers auch die Durchblutung in den oberen Atemwegen anregen. Wissenschaftliche Belege dafür fehlen – doch Volksheilkundler schwören auf die Zwiebelsocken.

Ein ebenfalls bewährtes, aber nur selten genutztes Hausmittel gegen Schnupfen ist der Eberrautentee. In einer Studie der Universität Köln kamen Eishockey-Profis mit deutlich weniger Atemwegsinfekten durch ihre harte Saison, indem sie sich täglich drei Tassen des aromatischen Tees genehmigten. Die Zubereitung: Einen gehäuften Teelöffel des in Apotheken erhältlichen Krauts mit einer Tasse kochendem Wasser überbrühen, fünf Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach abseihen.

Linderung mit Honig

Gegen den Erkältungshusten hat sich in letzter Zeit der Honig als Behandlungsoption nach vorne gespielt. In einer aktuellen israelischen Studie an 200 Kleinkindern sorgten vor allem Eukalyptus- und Zitronenblütenhonig für Linderung, die Frequenz und Stärke der Hustenattacken ging deutlich zurück. Hauptverantwortlich sind vermutlich die antibiotischen Inhaltsstoffe des Bienenprodukts, aber es wird auch vermutet, dass der Honigzucker die fürs Husten zuständigen Areale im Gehirn besänftigt.

In einer amerikanischen Studie an 105 hustenden Kindern zeigte Buchweizenhonig eine bessere Wirksamkeit als ein Standard-Hustensaft mit Dextromethorphan.

Laut Studienleiter Ian Paul von der Pennsylvania State University linderte er nicht nur den Husten, er sorgte auch für einen tiefen und festen Schlaf. "Darüber hinaus ist Buchweizenhonig in seiner Anwendung sicher und kinderfreundlich", so Paul. Nicht nur, weil er praktisch risikofrei ist. Sondern auch, weil er mit seiner Konsistenz und seinem süßen Geschmack ein echter Gaumenfreund ist.

Sprays nicht zur Vorbeugung

Demgegenüber machen Nasensprays aus der Apotheke zwar für ein paar Stunden die Nasenwege frei, doch sie bergen auch Risiken. "Langfristig trocknen sie die Schleimhäute aus und können sie sogar beschädigen", warnt Infektiologe Peter Walger vom Universitätsklinikum Bonn. Er empfiehlt daher die Anwendung der Sprays lediglich im konkreten Bedarfsfall, "beispielsweise vor einem wichtigen Gespräch".

Die immer beliebter werdenden Nasenduschen mit Salzwasser sind auch keine Alternative. Sie schützen zwar vor Neuinfektionen, doch bei akuter Erkältung können sie die Keime auch in Atemwegsbereiche spülen, die vorher noch gar nicht infiziert waren.

Was möglicherweise den einen oder anderen davon überzeugen könnte, es gleich mit der alten "Volksweisheit" zu halten, wonach ein Schnupfen unbehandelt zwei Wochen und behandelt 14 Tage dauert, und es daher besser ist, auf Therapieversuche zu verzichten und nur eifrig ins Taschentuch zu schnäuzen.

Komplikationen beim Schneuzen

Doch auch dabei riskiert man zusätzliche Komplikationen. Denn beim kraftvollen Schnäuzen wird der Schleim in die Kieferhöhlen gepresst, wo er so schnell nicht wieder herauskommt. Medizinisch korrekt ist vielmehr das Hochziehen des Schleims. Denn dabei entsteht ein Unterdruck, der das Sekret aus den Nebenhöhlen saugt – auch wenn sich das mitunter nicht gerade appetitlich anhört.

Selbst der gut gemeinte Rat, beim Schnupfen viel zu trinken, scheint überholt. "Infektionen der Atemwege führen zur erhöhten Ausschüttung antidiuretischer Hormone", erklärt Michelle Guppy von der australischen University of Queensland, "die das Wasser im Körper halten".

Der Körper selbst unternimmt also im Falle einer Erkältung schon genug, um sich sein Wasser zu sichern, man muss nicht noch weiter Flüssigkeit in ihn hineinzwingen. Guppy und ihre Mitarbeiter fanden vielmehr Hinweise darauf, dass die bewusste Vieltrinkerei zu Salzmangel führen und dadurch Schnupfen-Symptome wie Müdigkeit und Gliederschmerzen sogar verstärken kann.

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