23.01.13

Netzhautschäden

Aspirin kann die Augen schädigen

Aspirin soll einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vorbeugen. Eine Studie sorgt nun für Verunsicherung. Augenschäden drohen.

Foto: pa
Aspirin steht im Verdacht, Netzhautschäden zu begünstigen
Aspirin steht im Verdacht, Netzhautschäden zu begünstigen

Die regelmäßige Einnahme von Aspirin kann möglicherweise die Netzhaut schädigen. Menschen, die das Medikament mindestens einmal pro Woche nehmen, haben einer Studie zufolge ein deutlich erhöhtes Risiko für die altersabhängige Makuladegeneration (AMD). Das berichten australische Mediziner im "Journal of the American Medical Association". Ob Aspirin ursächlich zu der Erkrankung beiträgt, ist jedoch offen.

AMD ist in Industrieländern bei alten Menschen die häufigste Ursache für den Verlust der Sehkraft. Die Erkrankung schädigt auf der Netzhaut die Stelle des schärfsten Sehens die Makula. Mediziner unterscheiden zwischen der trockenen Frühform der Erkrankung und ihrer feuchten Spätform. An der feuchten AMD erkranken in Deutschland pro Jahr schätzungsweise 50.000 Menschen neu.

Frühere Studien hatten bereits darauf hingedeutet, dass der Aspirin-Wirkstoff Acetyl-Salicylsäure (ASS), den viele Menschen zur Vorbeugung etwa von Herzinfarkt oder Schlaganfall nehmen, zu dem Augenleiden beitragen kann.

Mehr Erkrankungen bei regelmäßiger Einnahme

Die Mediziner um Gerald Liew von der Universität Sydney untersuchten nun rund 2400 Menschen über einen Zeitraum von 15 Jahren. Rund 260 von ihnen nahmen mindestens einmal wöchentlich Aspirin, viele von ihnen deutlich häufiger.

Insgesamt erkrankten 63 Teilnehmer an der feuchten Spätform der AMD. Nach fünf Jahren entwickelten 1,9 Prozent der regelmäßigen Nutzer die Krankheit, nach 15 Jahren waren es 9,3 Prozent. In der Kontrollgruppe lag der Anteil nur bei 0,8 und 3,7 Prozent.

"Regelmäßige Einnahme von Aspirin war signifikant mit einem gehäuften Auftreten der feuchten AMD verbunden", schreiben die Forscher. In einem begleitenden Kommentar betonen Sanjay Kaul und George Diamond vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles aber, dass die Indizien der Studie nicht dafür ausreichen, um die gegenwärtige klinische Praxis zu ändern.

Experte plädiert dafür, Aspirin weiter einzusetzen

Auch Prof. Frank Holz von der Universitäts-Augenklinik Bonn plädiert dafür, Aspirin weiter einzusetzen, um gegen lebensbedrohliche Probleme wie etwa Herzinfarkt vorzubeugen. Zwar bewertet er die Studie als seriös. Aber der gefundene Zusammenhang müsse noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Auffällig sei zudem, dass die Studie nur eine Verbindung von Aspirin mit der feuchten Spätform der AMD gefunden habe, nicht aber mit der trockenen Frühform, so Holz, der dem Vorstand der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft angehört.

Quelle: dpa/mim
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