28.12.12

Stiftung Warentest

Bio-Kartoffelchips fallen im Expertentest durch

Viele Chips-Sorten erhalten bei der Prüfung der Stiftung Warentest ein "gut". Als Enttäuschung erweisen sich die Bio-Produkte.

Von Wolfgang W. Merkel
Foto: Amin Akhtar

Verlierer: Bio-Produkte enthalten wenig Schadstoffe, schmecken nach Ansicht der Prüfer aber auch nicht besonders
Verlierer: Bio-Produkte enthalten wenig Schadstoffe, schmecken nach Ansicht der Prüfer aber auch nicht besonders

Beim Feiern wie etwa an Silvester oder auch beim normalen Fernsehabend gehören sie für viele Konsumenten einfach dazu: Kartoffelchips. Sie sind ebenso beliebt wie – ob ihrer vielen Kalorien – gefürchtet. Beim Frittieren saugen sie sich voll Öl, etwa ein Drittel des Gewichtes macht deshalb Fett aus – sofern es sich nicht um fettreduzierte oder gebackene statt frittierte Ofenchips handelt. Die fettreduzierten kommen auf etwa 22 Prozent, die Ofenchips auf neun Prozent Fett.

Wer zu Paprika-Chips greift, interessiert sich jedoch in erster Linie für den Geschmack. Und da gibt es ein weites Feld an empfehlenswerten Produkten, berichtet die Stiftung Warentest. Für das aktuelle Januar-Heft von "Test" hat das Verbraucherinstitut 14 "normale" Paprikachips-Produkte untersucht (davon zwei Bio-Marken), sechs fettreduzierte einmal Bio), fünf "Stapelchips"-Marken, vier Produkte mit Meersalz sowie eine Sorte violetter Chips mit Kartoffelschale.

Das Ergebnis: Von 30 Produkten schnitten immerhin 17 "gut" ab. Spitzenreiter bei den Paprikachips mit Normalfettgehalt ist mit der Gesamtnote 1,9 "Funny-Frisch Chipsfrisch Ungarisch". Ebenfalls ein "Gut" (Note 2,0 bis 2,3) erhielten bei den Normalfett-Chips "Rewe/ja Kartoffelchips Paprika-Würzung", "Kaufland/K-Classic Chips Paprika", "Lorenz Crunchips Paprika", "Wurzener Kartoffelchips Paprika", "Chio Red Paprika Chips", "Aldi Nord/Feurich Chips Paprika", "Aldi Süd/Sun Snacks Paprika Chips" und "Lays Sensations Red Sweet Paprika".

Bei den fettreduzierten Chips erhielten ein "Gut": "Aldi Nord/Feurich Easy Chips", "Lorenz Crunchips Light Paprika" und "Penny/Line Kartoffelchips Paprika". Unter den fünf Stapelchips-Produkten fanden sich zwei "gute": "Aldi Nord/Feurich" und "Lidl/Rusti Chips Paprika". In der geschmacklichen Beurteilung kamen die beiden aber nur auf "Befriedigend". Unter den mit Meersalz und teils Pfeffer versetzten bekamen ein "Gut": das Produkt von Funnyfrisch (fettarme Ofenchips), "Kettle Chips Sea Salt" und "Lorenz Naturals mit Meersalz und Pfeffer".

Wie viel ist eine Portion?

Als Enttäuschung erwiesen sich die Bio-Produkte. Ihr Schadstoffgehalt lag nicht immer unter dem von Chips aus konventionell angebauten Kartoffeln. Und ihr Geschmack wurde durchweg mit "Ausreichend" bis "Mangelhaft" bewertet. Nach den sensorischen Tests nutzten die Prüfer Adjektive wie "dumpf", "bitter" "ranzig". Als Grund für die Geschmacksverirrungen identifizierten die Prüfer verkohlte Kartoffelstückchen und verdorbenes Fett. Ebenfalls als "mangelhaft" wurden die violetten "Terra Blues Chips" eingestuft; geschmacklich waren sie noch "gut", doch das Testlabor fand in ihnen einen Gehalt an Acrylamid, der über dem europäischen Richtwert liegt. Wir erinnern uns: Vor wenigen Jahren war dieser krebserregende und erbgutschädigende Stoff in vielen frittierten und gebackenen Lebensmitteln gefunden worden. Zumeist haben die Hersteller ihre Produktionsverfahren umgestellt, die Acrylamid-Mengen sind dadurch deutlich gesunken. So auch bei Paprika-Chips – bis auf das eine Produkt lagen alle deutlich unter dem empfohlenen EU-Wert.

Gute Chips müssen übrigens nicht teuer sein. Der Spitzenreiter ist zwar ein Markenprodukt mit einem Preis von knapp einem Euro pro 100 Gramm, doch schon die "guten" nächstplazierten sind günstige Supermarkt-Eigenmarken von 38 Cent pro 100 Gramm. 24 der 30 getesteten Produkte enthalten zugesetzte Aromen, fünf auch Geschmacksverstärker, in mehr als zwei Drittel steckt Hefeextrakt oder -pulver. Wer Paprika-Chips kauft, will es würzig, scharf, salzig (und fett); diese Produkte sprechen Ur-Bedürfnisse an, die evolutionär erklärbar sind, uns bei einem Überangebot an Salz und Fett heute aber zu einer ungesunden Ernährung verleiten. Alle Chips sind kalorienreich, wenn auch in Abstufungen. Ofenchips schneiden mit neun Prozent Fett deutlich am besten ab.

Entscheidend ist aus ernährungsphysiologischer Sicht selbstverständlich die verzehrte Chips-Menge. Die meisten Anbieter, so "Test", setzten als eine Portion 30 Gramm an – eine gute Handvoll. Die meisten Menschen verstünden unter einer Portion subjektiv aber etwas anderes. Wenn also nach einer "persönlichen Portion" die 200-Gramm-Packung halb leer ist, dann wurden gut dreimal so viele Kalorien konsumiert als die Brennwertangabe pro Portion auf der Packung angibt.

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