27.12.12

Illegales Feuerwerk

Silvesterknaller reißt Mann die Hand ab

Riskantes Feuerwerk: In Mecklenburg-Vorpommern ist ein Mann verblutet, nachdem ihm ein Silvesterknaller die rechte Hand abgerissen hat. Die Polizei warnt vor illegal aus Polen eingeführten Böllern.

Foto: dpa

Die Polizei warnt vor illegalen Feuerwerkskörpern. Illegal eingeführten Silvesterknaller entsprechen oft nicht den deutschen Sicherheitsstandards
Die Polizei warnt vor illegalen eingeführten Feuerwerkskörpern. Sogenannte "Polenböller" gelten als besonders gefährlich. Sie entsprechen oft nicht den deutschen Sicherheitsstandards

Schon Tage vor dem Jahresende wird eifrig geböllert. Weil ein Feuerwerkskörper versehentlich explodierte, ist nun ein 51-jähriger Mann in Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern) in seiner Wohnung verblutet.

Der Silvesterknaller hatte nach Angaben der Polizei bereits am vergangenen Freitag zu schweren Verletzungen an der rechten Hand des Mannes geführt. Den Ermittlungen zufolge habe der Mann versucht, die Blutungen selbst zu stoppen. Viele blutdurchtränkte Binden seien gefunden worden.

"Polenböller" sind besonders gefährlich

Es sei wahrscheinlich, dass bei dem Unfall auch Alkohol und Medikamente eine Rolle gespielt hätten. Eine ärztliche Behandlung hätte das Leben des Mannes gerettet.

Bei dem Feuerwerkskörper handelte es sich offenbar um einen "Polenböller". Diese gelten als besonders gefährlich, denn sie weisen häufig eine höhere Sprengkraft als die in Deutschland zugelassenen Knallkörper auf.

Seit Jahren kämpfen Polizei und Zoll an der polnischen Grenze vor allem gegen die Einfuhr von "Polenböllern". Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die Zöllner insgesamt 51.600 Böller, 10.000 davon in einem einzigen Auto.

Polizei warnt vor illegalen Böllern

Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen warnt vor der Nutzung nicht zugelassener Pyrotechnik. Tischfeuerwerk, Rakete und Knaller ohne CE-Kennzeichnung seien tabu.

"Wer nicht geprüfte Feuerwerkskörper verwendet, gefährdet nicht nur die Gesundheit und das Leben Anderer, sondern vor allem sich selbst", so das LKA. Auf polnischen Märkten in Grenznähe angebotene pyrotechnische Erzeugnisse entsprächen in der Regel nicht den in Deutschland geltenden Vorschriften und Richtlinien, warnte auch die Bundespolizeiinspektion im sächsischen Ludwigsdorf. Auch dort werden seit Wochen bei Kontrollen verbotene Feuerwerkskörper entdeckt.

Hörschäden sind häufigste Silvester-Verletzungen

Nach Angaben von HNO-Ärzten erleiden jährlich rund 8000 Deutsche zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Mehr als ein Drittel behalten durch ein solches "Knalltrauma" bleibende Schäden wie Tinnitus und Hörverlust. In schweren Fällen können sogar Trommelfelle einreißen und die Gehörknöchelchen verletzt werden.

Besonders gefährlich ist die kurze Impulsdauer der Lautstärke von Feuerwerkskörpern. Bei einem sehr kurzen Impuls nimmt die Lautstärke-Empfindung ab, so dass ein schädigender Pegel gar nicht als störend wahrgenommen wird. Bei explodieren Feuerwerkskörper in weniger als zwei Metern Nähe erreichen die Schallimpulse Spitzen von bis zu 160 Dezibel.

Zum Vergleich: Ein startendes Düsenflugzeug entwickelt in 30 Metern Entfernung einen Schalldruckpegel von 150 Dezibel. HNO-Ärzte empfehlen deshalb, die Ohren an Silvester durch Ohrstöpsel zu schützen.

Verletzungen an Händen und Gesicht

Bei unsachgemäßem Umgang mit Feuerwerksartikeln sind diese Körperpartien – Hände und Gesicht – besonders gefährdet. Am Silvesterabend häufen sich Abrisse von Gliedmaßen, Verletzungen der Augen und schwere Verbrennungen. Allein in Berlin verletzen sich nach Feuerwehrangaben jedes Jahr rund 500 Menschen in der Silvesternacht.

Um Verletzungen zu vermeiden, sollten Böller nie in der Kleidung getragen werden. Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht allein damit hantieren. Auch sollte niemals mit Böllern und Raketen auf Menschen gezielt werden.

Für Raketen sollten stabile Abschussrampen gebaut werden: Die Raketen sollen in leeren Flaschen stecken, die in der Mitte einer leeren Getränkekiste positioniert werden. Auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand sollte geachtet werden. Blindgänger dürfen nicht erneut gezündet, sondern müssen mit Wasser unschädlich gemacht werden.

Quelle: dpa/afp/cast/cke
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