24.12.12

Krankheitserreger

Fliegen brachte Fledermäusen Super-Immunsystem

Fledermäuse sind Bioreaktoren – zumindest, wenn es an das Ausbrüten und Verbreiten fieser Krankheitserreger geht. Selbst werden sie aber selten krank. Nun haben Forscher entdeckt, warum das so ist.

Foto: picture alliance / dpa

Fledermäuse sind der Ursprung gleich mehrerer gefährlicher Viren. Die Erreger von Masern, Mumps und weiteren Krankheiten haben sich von diesen Tieren aus auf den Menschen verbreitet
Fledermäuse sind der Ursprung gleich mehrerer gefährlicher Viren. Die Erreger von Masern, Mumps und weiteren Krankheiten haben sich von diesen Tieren aus auf den Menschen übertragen

Fragt man Virenforscher, welches Tier die meisten gefährlichen Krankheitserreger übertragen kann, werden häufig Fledermäuse beschuldigt. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen sind es Säugetiere.

Das bedeutet, dass Erreger, die in ihnen entstehen, relativ leicht auch auf den Menschen übergehen können. Dass so viele Erreger aber bei Fledermäusen überhaupt entstehen, liegt an ihrer geselligen Art. Wer schon einmal in einer Fledermaushöhle war, weiß, wie eng die Tiere aufeinanderhängen. Besonders hygienisch geht es bei ihnen nicht zu.

Und so wundert es auch kaum, dass gefährliche Erreger wie Sars oder Ebola wohl ursprünglich in Fledermäusen entstanden sind.

Resistent gegen Ebola

Irritierenderweise werden Fledermäuse aber nicht krank. Sogar Tollwut können sie einigermaßen gut ab. Ein internationales Forscherteam hat nun möglicherweise die Lösung für diese rätselhafte Widerstandsfähigkeit gefunden. Im Fachjournal "Science" berichten die Wissenschaftler, dass das Immunsystem der Tiere in der Evolution durch ihren Sprung in die Lüfte einen Schub bekommen hat. Guoji Zhang vom Beijing Genomic Institute hat sich zwei relativ weitläufig miteinander verwandte Fledermausarten angesehen.

Um fliegen zu können, müssen Fledermäuse sehr viel Energie verbrennen. Dazu hat sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte ihr Stoffwechsel im Vergleich zu nicht fliegenden Säugetieren stark modifiziert. Bis zu 20 Prozent Kalorien mehr verbraucht ein fliegendes Säugetier heute im Vergleich zu einem nicht fliegenden.

Der Stoffwechsel läuft bei diesen wesentlich langsamer ab.

Radikale durch schnellen Stoffwechsel

Der schnelle Stoffwechsel und der große Sauerstoffumsatz der Fledermäuse aber, der wohl vor 88 Millionen Jahren zusammen mit den anatomischen Veränderungen der frühen Vorfahren der Fledermäuse einherging, führt nicht nur dazu, dass sie abheben können. Vielmehr entstehen bei dem hohen Umsatz auch viele freie Radikale im Körper der Tiere.

Diese Verbindungen können das Erbgut schädigen und müssen deshalb vom Immunsystem schnell aus dem Weg geräumt werden.

Reparaturgene für das Erbgut

Tatsächlich stellten die Forscher bei ihren Gen-Untersuchungen fest, dass Erbanlagen, die für die schnelle Reparatur der DNA sorgen, bei beiden Fledermausarten stark verändert sind. Offenbar hat sich das Immunsystem schon sehr früh in der Evolution der Flugtiere verändert.

Vielleicht liegt im Immunsystem der Fledermäuse also auch ein Schlüssel verborgen, der uns Menschen zu wundersamen Abwehrkräften verhelfen könnte.

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