08.12.12

Plötzliche Infektion

Mindestens 60 Gäste auf Hotelschiff schwer erkrankt

Akuter Durchfall und Erbrechen: Auf einem Hotelschiff in Wiesbaden sind mindestens 30 Menschen plötzlich schwer erkrankt.

Foto: Kansas State University

Auf einem Hotelschiff in Wiesbaden sind in der Nacht mindestens 30 Gäste vermutlich durch Infektion mit Noroviren erkrankt
Auf einem Hotelschiff in Wiesbaden sind in der Nacht mindestens 30 Gäste vermutlich durch Infektion mit Noroviren erkrankt

Auf einem Hotelschiff in Wiesbaden sind in der Nacht zum Sonnabend rund 60 Gäste vermutlich durch Infektion mit Noroviren plötzlich und heftig erkrankt. Die Menschen litten unter quälender Übelkeit und Erbrechen, wie die Feuerwehr am Samstagmorgen berichtete. Die Rettungsdienste waren gegen Mitternacht mit einem Großaufgebot angerückt, um die erkrankten Hotelgäste mit Medikamenten und Infusionen zu versorgen.

Die Kranken wurden nach diesen Angaben zunächst in einen separaten Bereich des Schiffes gebracht und dort von Notärzten betreut. Am Morgen begann die Feuerwehr, die erkrankten Gäste in Krankenhäuser zu bringen.

Schiff steht unter Quarantäne

Seit dem späten Freitagabend stehe das niederländische Schiff, das im Wiesbadener Stadtteil Biebrich angelegt hatte, unter Quarantäne. Ärzte und Feuerwehr seien seither vor Ort. Der Einsatz dauere vermutlich noch bis Montag, hieß es.

Zunächst waren die Einsatzkräfte von vier und später dann von mindestens 30 Erkrankten ausgegangen – im Laufe des Samstagmorgen kletterte die Zahl weiter auf 60. Insgesamt befinden sich laut dem Feuerwehrsprecher 145 Passagiere und 42 Crewmitglieder auf dem Schiff. "Die Betroffenen werden unter anderem mit Infusionen versorgt", sagte Feuerwehrsprecher Frank Boerger.

60 Einsatzkräfte, darunter drei Notärzte, Veterinärmediziner und Vertreter des Gesundheitsamtes, seien vor Ort. Das Schiff sei so umfunktioniert worden, dass die Erkrankten medizinisch betreut werden können, ergänzte er.

Ursache der Krankheit noch ungeklärt

Ein Teil der Passagiere hatte den Angaben der Feuerwehr zufolge noch am Freitagabend einen Weihnachtsmarkt besucht. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Bummel über den Markt gebe, könne aber nicht gesagt werden. Vielmehr sei zu vermuten, dass die Ursache für die kurzfristige Erkrankung auf dem Schiff liege, da bereits Nachforschungen im Umland angestellt worden seien und nichts ergeben hätten.

Das Hotelschiff hatte den Angaben zufolge planmäßig in Wiesbaden angelegt.

"Ausgelöst wurden die heftigen Beschwerden offenbar durch die Infektion mit Noroviren", sagte ein Feuerwehrsprecher. Eine Lebensmittelvergiftung scheide hingegen als Ursache aus. Das Gesundheitsamt müsse noch die genaue Krankheitsursache klären, so der Sprecher weiter. Das Ergebnis liege wahrscheinlich erst nächste Woche vor.

Quelle: dapd/dpa/nbo
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Norovirus
  • Brechdurchfall

    Noroviren sind sehr leicht übertragbar und weltweit verbreitet. Sie gehören zu den häufigsten Erregern für plötzlich auftretenden Brechdurchfall. Typische Symptome sind neben Übelkeit, Durchfällen und Erbrechen auch Bauchschmerzen und Mattigkeit.

  • Ansteckungsgefahr

    Verstärkte Ansteckungsgefahr besteht nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern, Kindergärten und Altenheimen. Der Nachweis der Viren ist meldepflichtig. Besonders häufig erkranken demnach Kinder unter 5 Jahren und ältere Menschen über 70.

  • Infektionsquellen

    Die Erreger werden über den Stuhl des Menschen oder über Erbrochenes ausgeschieden. Sie können über Schmierinfektionen direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Aber auch Speisen und Getränke – etwa verunreinigtes Wasser – sind eine mögliche Infektionsquelle.

  • Keine Impfung

    Bei einem schweren Verlauf ist ärztliche Hilfe wichtig. Vor allem Säuglinge und alte Menschen müssen viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Eine vorbeugende Impfung gibt es nicht.

  • Resistenz

    Noroviren wurden 1972 entdeckt, laut RKI werden immer wieder auch neue Formen der Erreger gefunden. Sie sind sehr resistent gegen Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen und können länger als zwölf Tage auf verunreinigten Flächen ansteckend bleiben.

  • Risiko Kreuzfahrt

    In den vergangenen Jahren war es häufiger zu Ausbrüchen auf Kreuzfahrtschiffen gekommen. Ursache könnte nicht nur der enge Raum sein, auf dem die Reisenden leben, sondern auch die Kost: Auf solchen Schiffen werden oft Speisen wie Salate und Meeresfrüchte angeboten.

    Quelle: dpa

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