07.12.12

Medizin

Rotes Kreuz will bezahlte Blutspenden abschaffen

Das Deutsche Rote Kreuz geht rechtlich gegen bezahlte Blutspenden vor: Durch sie werde ein "Nebenjob Blutspender" geschaffen. Zudem könnten Risikospender wie Drogensüchtig angezogen werden.

Foto: dpa

In Deutschland spenden rund drei Prozent der Bevölkerung Blut, viele von ihnen mehrmals im Jahr. 2011 wurden bundesweit knapp fünf Millionen Vollblutspenden je 0,5 Liter abgegeben, knapp vier Millionen davon sammelte das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Die übrigen Spenden kamen von staatlichen, kommunalen oder universitären Blutspendediensten
In Deutschland spenden rund drei Prozent der Bevölkerung Blut, viele von ihnen mehrmals im Jahr. 2011 wurden bundesweit knapp fünf Millionen Vollblutspenden je 0,5 Liter abgegeben, knapp vier Millionen davon sammelte das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Die übrigen Spenden kamen von staatlichen, kommunalen oder universitären Blutspendediensten

DasDeutsche Rote Kreuz (DRK) geht rechtlich gegen Aufwandspauschalen für Blutspenden vor. Laut Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes West, Jürgen Bux, werde durch bezahlte Blutspenden ein "Nebenjob Blutspender" geschaffen.

Während das DRK Blutspenden bei mobilen Aktionen nicht entlohne, zahlten einige Spendedienste eine Aufwandsentschädigung. Diese werde häufig pauschal abgegeben und vom Spender als Bezahlung empfunden.

Das Rote Kreuz hatte gegen dieMainzer Universitätsmedizin geklagt, die pro Blutspende eine Aufwandspauschale von 26 Euro zahlt. Laut Klageschrift begründete das DRK sein Vorgehen auch mit wirtschaftlichen Aspekten und sah sich gegenüber der Uniklinik im Nachteil.

Die Blutspendedienste verkaufen ihre Blutkonserven an nationale und internationale Abnehmer wie Kliniken. Das Verwaltungsgericht in Mainz wies die Klage zurück. "Wir behalten uns vor, in die nächste Instanz zu gehen", kündigte Bux an. Denn werde eine Spende bezahlt, wäre es ja keine Spende mehr, argumentierte er.

Außerdem könnten Risikospender wie Drogenabhängige, die sich ihren Konsum finanzieren müssten, angezogen werden, warnte Bux. Da das Blut nicht auf alle möglichen Erreger untersucht werden könne und frische Infektionen erst nach einiger Zeit nachzuweisen seien, sei dies besonders problematisch. "Da hoffen wir auf die Ehrlichkeit der Spender", sagte Bux, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der deutschen Arbeitsgemeinschaft der DRK-Blutspendedienste ist.

"Geld sollte kein Anreiz zur Blutspende sein"

Die Bezahlung von Blutspenden sei aber auch eine ethische Frage. "Geld sollte kein Anreiz zur Blutspende sein", betonte Bux. Weltweit sei die unentgeltliche Spende die Grundform der Blutspende. Würde diese vergütet, könnte man auch fragen: "Wären Sie bereit, für einen Betrag X eine Niere zu spenden", meinte Bux. Durch diese Entlohnungspraxis werde die "Kultur des unentgeltlichen Blutspendens", die sich in Deutschland etabliert habe, gefährdet.

Die Medizin ist zur Versorgung Kranker und Verletzter dringend auf Blutspenden angewiesen. Statistisch gesehen wird das meiste Blut zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Es folgen Herz, Magen- und Darmkrankheiten sowie Sport- und Verkehrsunfälle.

"Wir müssen auch für das Thema Blutspenden Werbung machen", betonte der Geschäftsführer. Denn nur rund drei Prozent der Bevölkerung spendeten Blut. 2011 habe das DRK gut 3,9 Millionen Vollblutspenden bekommen. Das sei zwar zufriedenstellend, dennoch sollte die Spendebereitschaft um ein bis zwei Prozent steigen.

Typische Phasen, in denen weniger gespendet werde, seien vor allem die Ferien oder die Adventszeit. "Viele Menschen sind dann mit Vorbereitungen und Einkäufen beschäftigt und bedenken nicht, dass vor allem im Winter und natürlich auch über die Feiertage viele Unfälle passieren", sagte Bux.

Wer Blut spenden darf

Blut spenden darf jeder Mensch zwischen 18 und 69 Jahren. Blutspender sollten mindestens 50 Kilogramm wiegen, sich gesund fühlen und einen stabilen Blutdruck haben. Bei einer Vollblutspende wird etwa ein halber Liter Blut abgenommen. Männer können sechs Mal im Jahr zu einer solchen Vollblutspende gehen, Frauen bis zu vier Mal.

Bei der Anmeldung erhält man zwei Formulare. Dort werden die persönlichen Daten festgehalten und Angaben zum Gesundheitszustand gemacht. Jeder Spender muss sich ausweisen. Dann wird etwas Blut abgenommen, um die wichtigsten Blutwerte zu bestimmen und sicherzustellen, dass der Spender geeignet ist.

Daraufhin folgen eine kurze ärztliche Untersuchung und die eigentliche Blutabnahme. In der Regel sollten für eine Blutspende zwischen 30 Minuten und einer Stunde eingeplant werden.

Vor der Spende sollte man unbedingt ausreichend essen und trinken. Die letzten zwölf Stunden davor sollte auf Alkohol verzichtet werden. Außerdem sollten Blutspender keine Drogen nehmen. Eine größere Operation, ein Piercing oder eine Tätowierung müssen mindestens vier Monate zurückliegen. Bei bestimmten Vorerkrankungen sind Blutspenden ausgeschlossen.

Quelle: dapd/oc
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