03.12.12

Tumortherapie

Nicht jeder Brustkrebs muss behandelt werden

Eine US-Studie stellt den Nutzen von Mammografie-Programmen infrage. Die Screenings seien nicht immer sinnvoll – im Gegenteil: Häufig würden sie zu einer Überbehandlung von Brustkrebs führen.

Foto: DPA

Eine Frau wird am in der Frauenklinik der Universitätsklinik Freiburg während einer Brustkrebsvorsorgeuntersuchung für eine Mammografie vorbereitet. Seit Jahren streiten Forscher darüber, wie sinnvoll Mammografie-Programme sind
Eine Frau wird in der Frauenklinik der Universitätsklinik Freiburg während einer Brustkrebsvorsorgeuntersuchung für eine Mammografie vorbereitet. Seit Jahren streiten Forscher darüber, wie sinnvoll Mammografie-Programme sind

Mammografien sind einer Studie zufolge nicht immer sinnvoll, sie führen im Gegenteil oft zu einer Überbehandlung von Brustkrebs: In 50.000 bis 70.000 Fällen in den USA sei eine Therapie der entdeckten Tumoren überflüssig, heißt es in der im "New England Journal of Medicine" (NEJM) veröffentlichten Untersuchung. Zugleich betonen die Wissenschaftler, dass Mammografien auch Leben retten können.

Im Mittelpunkt der Studie der Mediziner H. Gilbert Welch von der Dartmouth Medical School und Archie Bleyer von der Oregon University stand die Frage einer Überbehandlung von Brustkrebs vor dem Hintergrund des Mammografie-Screenings in den USA.

Kritiker bemängeln Unzuverlässigkeit

Hinter diesen Programmen steckt die Überzeugung, dass Krebs, wenn er möglichst früh erkannt wird, auch am besten heilbar ist. Kritiker haben wiederholt bemängelt, dass Mammografien oft nicht zuverlässig sind, dass sie Fehlalarm auslösen und eine Biopsie zur Folge haben können, bei der dann entdeckt wird, dass es keinen bösartigen Tumor gibt.

Bei der Untersuchung von Bleyer und Welch ging es um etwas anderes, nämlich darum, ob die Mammografie zu einer Behandlung führt, die überflüssig ist – weil beispielsweise der Tumor sehr langsam wächst und das Leben der Patientin niemals gefährdet würde.

Die Forscher werteten dafür Daten der Jahre 1976 bis 2008 aus. Ergebnis: Die Zahl der Brustkrebs-Spätdiagnosen ging seit Beginn der Mammografie-Programme nur leicht zurück, während sich die der Frühdiagnosen verdoppelte.

Anteil der Überdiagnosen bei 31 Prozent

Den Anteil der Überdiagnosen schätzen die Wissenschaftler auf 31 Prozent, bei mehr als einer Million Frauen sei unnötigerweise Brustkrebs diagnostiziert und offenbar therapiert worden.

"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die geringere Brustkrebs-Sterblichkeit nicht Folge der Screenings ist, sondern der besseren Behandlungsmethoden", schreiben Bleyer und Welch.

Experten uneinig über Screening

Ob die Programme eingestellt werden sollten oder nicht, darüber sind sich Experten nicht einig. Linda Vahdat, Direktorin des Brustkrebs-Forschungsprogramms des Weill in New York, erklärte, einige Schlussfolgerungen von Leyer und Welch könnten richtig sein – oder auch nicht.

"Ich glaube nicht, dass die Studie unsere Sicht zum Mammografie-Screening verändern werden", sagte sie. Len Lichtenfeld von der Amerikanischen Krebsgesellschaft betonte, die Studie dürfe nicht als Referendum über Mammografie angesehen werden. Andere Untersuchungen hätten ihren Nutzen bestätigt. Zugleich räumte er ein, dass Überdiagnosen ein Problem seien.

Barnett Kramer vom Nationalen Krebsinstitut gab zu bedenken: "Wenn bei einer Frau Krebs diagnostiziert wurde, ist es schwer zu sagen, ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht."

Quelle: dapd
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