26.11.12

Immunabwehr

Neuer Grippe-Impfstoff schützt schneller und länger

Bei neu auftretenden aggressiven Grippeviren werden binnen kurzer Zeit Millionen von Impfdosen benötigt. Doch die Herstellung eines Impfstoffs dauert bislang noch Monate. Dies könnte sich bald ändern.

Foto: B2800_epa_AFP

Mikroskopaufnahme des Grippevirus H5N1, das für die Vogel-Grippe verantwortlich ist. Im Tierversuch schützte der neue Impfstoff auch vor diesen Erregern
Mikroskopaufnahme des Grippevirus H5N1, das für die Vogel-Grippe verantwortlich ist. Im Tierversuch schützte der neue Impfstoff auch vor diesen Erregern

Ein neuer Typ von Grippe-Impfstoffen könnte zukünftig schnelleren und effektiveren Schutz gewähren. Der von deutschen Forschern entwickelte synthetische Wirkstoff hat Mäuse, Frettchen und Schweine in ersten Tests erfolgreich gegen mehrere Stämme der Influenza A geschützt. Dieser Schutz hielt dabei länger an als bei bisherigen Vakzinen.

Weil er nicht in Hühnereiern produziert werden muss, benötigt man für die Herstellung des neuen Impfstoffs zudem nur wenige Wochen statt mehrerer Monate.

Man könne mit ihm daher sehr viel schneller auf neu auftretende Virenstämme reagieren, berichten die Wissenschaftler vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems und ihre Kollegen im Fachmagazin " Nature Biotechnlogy". Der neue Wirkstoff sei zudem breiter wirksam als herkömmliche Präparate.

Herstellung dauert bislang noch Monate

"Um effektiv gegen die Grippe zu schützen, benötigen wir Impfstoffe, die schnell an die verschiedenen Influenza-Varianten angepasst werden können", erklären Benjamin Petsch vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und seine Kollegen. Man brauche bei einem neuen Ausbruch in kurzer Zeit Millionen von Impfdosen. Mit bisherigen Mitteln sei dies nicht zu schaffen, da deren Herstellung bis zu mehreren Monaten dauere.

"Wir benötigen zudem dringend Impfstoffe, die einen breiteren, lebenslang anhaltenden Schutz gewähren", sagen die Forscher. Weil sich das Virus sehr schnell verändert, müssen bisher in jeder Saison neue Impfstoffe produziert und eingesetzt werden.

Diese beiden Anforderungen könne der neue Impfstofftyp erfüllen, konstatieren Petsch und seine Kollegen. Sollte sich seine jetzt bei Tieren nachgewiesene Wirkung auch am Menschen bestätigen, könne er den Schutz gegen die Influenza deutlich verbessern.

Erbgutschnipsel warnen Immunsystem vor

Der neue Impfstoff besteht nicht aus Eiweißen, wie die meisten herkömmlichen Vakzinen, sondern enthält kleine Abschnitte der sogenannte Boten-RNA (mRNA) des Virus. Diese Erbgutabschnitte enthalten Bauanleitungen für Vireneiweiße, die nahezu bei allen Influenza-Stämmen vorkommen.

Kommt die Immunabwehr mit dieser Boten-RNA in Kontakt, stellt sie prophylaktisch Abwehrmoleküle und -zellen gegen das Virus her und ist so vor einem kommenden Angriff geschützt.

"Zuvor ist ein solcher mRNA-Impfstoff gegen eine Infektionskrankheit noch nie erfolgreich getestet worden", schreiben Petsch und seine Kollegen. Jetzt habe man erstmals gezeigt, dass er einen effektiven, langlebigen Schutz gegen verschiedene Formen der Influenza A biete.

Vielversprechende Tests an Tieren

In den Tests schützte der Impfstoff Mäuse auch vor Vogel- und Schweinegrippe und wirkte selbst bei neugeborenen und sehr alten Mäusen. Sollte dies beim Menschen ebenso sein, könnten diese Bevölkerungsgruppen, die besonders durch Komplikationen und tödliche Folgen einer Grippe-Erkrankungen gefährdet sind, zukünftig besser geschützt werden, wie die Forscher berichten.

Der Impfstoff bleibe zudem auch bei Wärme stabil und müsse daher nicht gekühlt gelagert und transportiert werden. Auch das sei ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Vakzinen.

Für ihre Studie hatten die Forscher Mäusen, Frettchen und Schweinen den mRNA-Impfstoff und zum Vergleich einen herkömmlichen Impfstoff sowie eine reine Salzlösung injiziert. Anschließend infizierten sie die Tiere mit verschiedenen Stämmen des Influenza A Virus.

Lebenslanger Schutz

"Mit dem mRNA-Wirkstoff geimpfte Mäuse überlebten die Infektion und zeigten keinerlei Anzeichen für eine Erkrankung", schreiben Petsch und seine Kollegen. Eine zweimalige Impfung habe ausgereicht, um die Mäuse lebenslang vor der Grippe zu schützen.

Auch bei Schweinen und Frettchen sei der Impfschutz mit dem der herkömmlichen Impfstoffe vergleichbar gewesen.

Quelle: dapd
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