26.11.12

Charité

Neues Medikament gegen Alzheimer entwickelt

Diagnose Alzheimer: Berliner Forscher der Charité haben ein Medikament gegen das Vergessen gefunden.

Von Pia Heinemann
Foto: AFP

Alzheimer zerstört das Gehirn
Alzheimer zerstört das Gehirn

Wie lässt sich das Vergessen und der Verlust der Persönlichkeit bei Alzheimer-Patienten stoppen? Professor Frank Heppner vom Institut für Neuropathologie der Charité in Berlin und Burkhard Becher vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich berichten in "Nature Medicine" , dass sie möglicherweise einen neuen Ansatz gefunden haben.

Den Wissenschaftlern ist es gelungen, das Gehirn von den typischen Alzheimer-Ablagerungen (Plaques) zu befreien. In ihren Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass nicht nur das Gewebe von den Plaques gesäubert wurde, sondern dass die behandelten "Alzheimer-Mäuse" anschließend auch in Gedächtnistests besser abschnitten als kranke Artgenossen ohne diese Behandlung.

Heppner und Becher konzentrierten sich in ihren Studien auf das körpereigene Abwehrsystem der Mäuse. So schalteten sie bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, die Interleukine 12 und 23 oder deren Andockstellen (Rezeptoren) an den Oberflächen der Hirnzellen, aus. Der stärkste Effekt zeigte sich, wenn das Immunmolekül p40, das Bestandteil dieser Interleukine ist, blockiert wurde.

Konnten diese Interleukine somit nicht mehr hergestellt werden, verringerten sich die Ablagerungen im Gehirn. Die Versuchstiere konnten sich zudem wieder besser räumlich orientieren als zuvor.

Wirkstoff bereits gegen andere Krankheiten zugelassen

"Das Gute an unserem Ansatz ist, dass der Wirkstoff, mit dem wir p40 blockiert haben, bereits gegen andere Krankheiten zugelassen ist", erklärt Heppner. Denn es werden bereits Darmentzündungen und Schuppenflechte mit der das Immunsystem dämpfenden Substanz (Immunmodulator) behandelt. Der Wirkstoff ist also beim Menschen bereits auf seine Sicherheit geprüft. Die Forschungsergebnisse von Heppner und Becher könnten also dazu führen, dass relativ schnell klinische Studien zur Behandlung von Alzheimer-Patienten möglich werden.

"Idealerweise gibt man solchen Patienten, bei denen die Erkrankung noch nicht zu weit fortgeschritten ist, die blockierenden Antikörper gegen das p40-Molekül. Denn wenn Patienten, bei denen bereits viele Hirnzellen zerstört wurden, behandelt werden, ist es schwer, positive Effekte zu erzielen", erklärt Heppner.

"Ist die Hirnsubstanz erst einmal zerstört, kann sie nach unserem aktuellen Kenntnisstand durch kein Medikament wieder aufgebaut werden. Man kann das Fortschreiten der Krankheit im besten Fall bremsen."

Ziel ist es, durch das Ausschalten der Interleukine 12 und 23 vorhandene Ablagerungen zu entfernen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen. Alzheimer verhindern kann dies wohl nicht. Denn noch immer ist nicht ganz geklärt, was die Krankheit überhaupt auslöst.

Solange aber die Ursache nicht geklärt ist, werden Ärzte nur die Symptome lindern und das Fortschreiten bremsen können. Vielleicht kann die Blockade von p40 in Zukunft dabei helfen. "Die Vorzeichen sind hierfür positiv", so Heppner.

Klar ist bislang nur, dass genetische Risikofaktoren für die Alzheimer-Erkrankung existieren, die die Entstehung von Alzheimer fördern. Daneben kam in den vergangenen Jahren unter Wissenschaftlern auch die – allerdings bislang noch sehr stark umstrittene – Theorie auf, dass Alzheimer durch falsch gefaltete Eiweiße hervorgerufen werden könnte. Damit würde Alzheimer einer Prionen-Erkrankung wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und BSE gleichen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Skandal-Popstar Miley Cyrus gehen die Ideen aus
Internet-Gigant Alibaba bricht an der Wall Street alle Rekorde
Zufallstreffer Touristen filmen F-18-Testflug im Death Valley
Glück gehabt Bungee-Seil nicht festgemacht - Mann überlebt
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kriminalität

Geldtransporter am Apple Store überfallen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote