09.11.12

Multiple Sklerose

Zufallsentdeckung macht MS-Kranken Hoffnung

Auch Forscher haben manchmal Glück: Eine Substanz, die erfolgreich gegen Schuppenflechte eingesetzt wird, erweist sich als hochwirksames Mittel gegen die bislang unheilbare Multiple Sklerose.

Foto: pa/Picture-Allia/Wissen Media Verlag

Bei MS-Erkrankten wenden sich Teile des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Antikörper greifen die Schutzhülle der Nervenfasern an. Die Abbildung zeigt eine gesunde menschliche Nervenzelle (l.) und eine durch Antikörper geschädigte Nervenzelle (r.)
Bei MS-Erkrankten wenden sich Teile des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Antikörper greifen die Schutzhülle der Nervenfasern an. Die Abbildung zeigt eine gesunde menschliche Nervenzelle (l.) und eine durch Antikörper geschädigte Nervenzelle (r.)

Sogenannte Fumarsäureester sind offenbar ein hochwirksames Mittel gegen die Schübe der Multiplen Sklerose (MS). Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum durch Zufall gekommen.

Gleichzeitig sei die Substanz annähernd frei von Nebenwirkungen. Das berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des wissenschaftlichen Hochschulmagazins "Rubin".

Die Fumarsäure ist eine Fruchtsäure, die in vielen Pflanzen und auch im menschlichen Körper vorkommt. Sie ist in der Lebensmittelindustrie zugelassen. Der Wirkstoff wird in der Dermatologie bisher erfolgreich gegen Psoriasis (Schuppenflechte) eingesetzt.

In diesem Zusammenhang entdeckten die Forscher seine Wirkung im Kampf gegen die Beschwerden der bis heute unheilbaren Multiplen Sklerose. Bei MS-Patienten, die zugleich auch an Schuppenflechte litten, besserte sich die Symptomatik der MS auffällig.

50 Prozent weniger MS-Schübe

In einer großen Studie mit mehr als 2400 MS-Patienten zeigte sich anschließend: Fumarsäureester reduzierten die MS-Schubraten um bis zu 50 Prozent und führten zu bis zu 90 Prozent weniger entzündlich aktiven Herden.

Typische Symptome von MS sind Koordinations-, Blasenfunktions- und Konzentrationsstörungen, Erschöpfungszustände und depressive Verstimmungen. In Deutschland sind etwa 130.000 Menschen betroffen.

Kaum Nebenwirkungen

Seit den 1990er-Jahren gibt es Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verzögern. In schweren Fällen kommen Chemotherapeutika zum Einsatz, die jedoch teils lebensgefährliche Nebenwirkungen haben.

Anders die offenbar hochwirksamen Fumarsäureester: Eine häufige Nebenwirkung der Substanz als dermatologisches Medikament sind Verdauungsbeschwerden. Eine abgewandelte Form für die MS-Patienten konnte die Beschwerderate auf drei bis fünf Prozent reduzieren.

Quelle: dapd/oc
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