18.10.12

Chronische Krankheit

Jeder dritte Deutsche hat ständig Schmerzen

Wer in Deutschland Schmerzen hat, muss sich meist auf einen langen Leidensweg einstellen: Bis zur richtigen Diagnose dauert es durchschnittlich zwei Jahre. Jeder Dritte ist betroffen.

Foto: dapd

Ab wann ein Schmerz als chronisch gilt, ist nicht festgelegt
Ab wann ein Schmerz als chronisch gilt, ist nicht festgelegt

Bei der Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es nach Einschätzung von Experten große Defizite in Deutschland. "Im Moment braucht ein chronischer Schmerzpatient zwei Jahre, bis er zu richtigen Diagnose kommt", sagte der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Professor Wolfgang Koppert. Dann brauche es in der Regel noch einmal zwei Jahre, bis der Patient eine adäquate Therapie bekomme.

Einer Befragung der Universität Leipzig zufolge leidet etwa ein Drittel der Deutschen nach eigener Einschätzung an chronischen Schmerzen. 5,4 Prozent gaben einen chronischen Schmerz an, der mit körperlichen und sozialen Beeinträchtigungen verbunden ist. Bei 2,3 Prozent der Befragten kommen noch seelische Beeinträchtigungen durch den Schmerz hinzu.

Ab sechs Wochen wird es chronisch

Wann ein Schmerz als chronisch einzustufen ist, ist nicht fest definiert. Gängig ist eine Einordnung bei einem Schmerz, der mindestens sechs Wochen bis drei Monate vorhanden ist. "Eigentlich müsste die Definition aber sein, ob der Schmerz im Mittelpunkt steht und das eigene Leben dominiert", sagte der Professor Hans-Raimund Casser vom DRK Schmerz-Zentrum Mainz.

Sein Kollege Koppert sagte, oft werde der Übergang von einem Schmerz, der als Symptom auftrete, zu einer chronischen Schmerzkrankheit zu spät erkannt. Weiter bemängelten die Experten, dass es in Deutschland zu wenig Schmerztherapeuten gebe, in vielen Regionen seien die Wartezeiten für Patienten deshalb zu lang. Viele Ärzte machten die Schmerztherapie quasi nebenher als "Hobby", weil sie davon alleine nicht leben könnten.

Aktionsplan fehlt

Der designierte Präsident der Internationalen Schmerzgesellschaft IASP, Professor Rolf-Detlef Treede, kritisierte, dass in Deutschland ein Aktionsplan gegen den Schmerz fehle, den es in Ländern wie Portugal oder Frankreich bereits gebe. Als Defizit nannte er außerdem, dass das Thema Schmerz in der Ausbildung zum Psychologen nicht vorkomme. "Ein Schmerzpatient braucht aber häufig auch einen Psychologen."

Die Deutsche Schmerzgesellschaft will künftig erreichen, dass die Versorgungsforschung im Bereich Schmerz ausgebaut wird. Noch fehlten in Deutschland in zahlreichen Bereichen der Schmerzmedizin belastbare Daten.

Quelle: dpa
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