09.08.12

ZDF-Doku

Die dunkle Seite der Energiesparlampe

Ab dem 1. September gibt es nur noch Energiesparlampen zu kaufen – doch statt einem Nutzen für die Umwelt fand eine ZDF-Doku jede Menge gefährliche Schadstoffe in den Leuchten.

Foto: Bildagentur-online
young woman looking at energy efficient lightbulb
Wenn eine Energiesparlampe kaputt geht, entweichen gefährliche Gifte

Das Umweltbundesamt empfiehlt: Für mindestens eine Viertelstunde den Raum verlassen, Fenster öffnen, Heizung ausschalten. Welcher Katastrophe diese Notfallanweisung gilt? Einer zerbrochenen Leuchtstofflampe.

Und sie beschreibt ein Szenario, das ab dem 1. September wohl noch ein wenig häufiger in den Haushalten Europas eintreffen wird als zuvor. Denn hinter der bürokratisch durchnummerierten Verordnung Nr. 244/2009 der Europäischen Kommission verbirgt sich das Verkaufsverbot herkömmlicher Glühbirnen, das zu diesem Datum in Kraft tritt.

Das Problem mit der propagierten Alternative: Die Kompaktleuchtstofflampen enthalten Quecksilber, sie gehören mit zu den letzten Produkten, die das giftige Zeug noch in sich tragen dürfen. Im selben Jahr 2009 verbannte Brüssel den Stoff aus Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten.

Sicherlich eine richtige Entscheidung, findet auch der Chemiker und Diplom-Ingenieur Gary Zörner, Quecksilber sei so schädlich, dass "der Grenzwert gegen Null gehen sollte". Zörner war einer der wichtigsten Zeugen der Dokumentation "Giftiges Licht" von Alexandra Pfeil, die gestern Abend im Rahmen der Reihe "ZDFZoom" ausgestrahlt wurde.

Verordnung trägt die Handschrift von Lobbyisten

"Zoom", das sind knackige halbstündige Stücke, anklagend, meinungsstark, die auch mal hart an der Grenze zum Reißerischen entlang schliddern. So weidete Pfeil sich geradezu an den ungelenken Versuchen von Marlene Holzer, der Sprecherin des zuständigen EU-Kommissars Günther Oettinger, die Vorwürfe der Autorin zu widerlegen.

Diese hatte versucht, verbrauchte Energiesparlampen im Einzelhandel abzugeben, die Annahme hatte man verweigert. Holzer sagte ihr die Händler seien zur Entsorgung verpflichtet. Pfeil sagte, dass sei falsch. Darauf klatschte eine Tafel ins Bild und Holzer ins Gesicht, die der armen Frau ihren Fehler nachwies. Und die Autorin ließ nachrechnen, wie viel Kohlendioxid die Fahrt zum nächsten Wertstoffhof in die Atmosphäre bläst.

Irgendwo zwischen notwendig penibel und unangenehm besserwisserisch, zwischen forsch und aufdringlich lag der Tonfall der Doku. Zurückhaltung ist ohnehin nicht die Sache des Formats, und Pfeil hatte sich vorgenommen, gleich so ziemlich alle Argumente zu widerlegen, auf denen die fragliche EU-Verordnung basiert.

Sparversprechen werden nicht gehalten

Haltbarkeit? Nicht so dolle wie behauptet, erklärte ein Elektro-Ingenieur, der die neuen Lampen einem Dauertest unterzieht. Sparsamkeit? Auch nicht unbedingt, stellte der Chefredakteur der Zeitschrift "Öko-Test" klar. Die protzigen Vergleiche auf den Verpackungen, in denen 60 gegen 11 Watt oder 8 Lebenszyklen einer herkömmlichen Glühbirne gegen eine Energiesparlampe aufgerechnet werden, seien mit Vorsicht zu genießen.

Pfeil fand eine Fabrik in China, die für Osram arbeitet und in der die Angestellten schwere Versäumnisse beim Arbeitsschutz anklagen, einige von ihnen hätten bereits Vergiftungen erlitten. Pfeil fand den EU-Parlamentarier Holger Krahmer, der die Verordnung als trauriges Zeichen effektiver Lobbyarbeit beschreibt und nicht als ökologisch motivierte Entscheidung.

Pfeil fand gemeinsam mit dem Baubiologen Wolfgang Maes Spuren des krebserregenden Stoffes Phenol außen an den Lampen, nicht etwa vermeintlich sicher versiegelt im Inneren.

Erst die Entscheidung, dann eine Studie

So pflügte die Dokumentation in einem ziemlichen Schweinsgalopp durch ein breit gefächertes Themenfeld. Der Film "Bulb Fiction" von Christoph Mayr, der viele Gesprächspartner von Alexandra Pfeil bereits im Frühsommer im Kino hatte zu Wort kommen lassen, nahm sich dafür noch mehr als 100 Minuten Zeit.

Wie fundiert die Untersuchungen, Belege und Funde wirklich sind, die in "Giftiges Licht" auf den Zuschauer einprasselten, lässt sich schwerlich sagen, aber immerhin: Die Kritiker der Energiesparlampe scheinen seriös zu argumentieren, die Gegenseite, so sie überhaupt zu einer Stellungnahme bereit war, rettete sich in wenig sagende Floskeln.

Beinahe ein wenig verloren in der stattlichen Materialsammlung des Films ging die Erkenntnis, dass die Ergebnisse einer Studie zum Schädigungspotenzial der Energiesparlampen bei der EU-Kommission erst 2010 vorlag.

Da waren, ganz unabhängig vom durch diese Studie erwartungsgemäß erteilten Segen, längst Fakten geschaffen worden. Alexandra Pfeil machte sich nicht die Mühe, die tatsächliche zukünftige Stromersparnis durch Leuchtstofflampen zu recherchieren, wie sollte man das auch seriös aufrechnen gegen die geringe Gefahr, sich selbst oder seine Kinder zu vergiften, wenn man sich eine solche ins Haus holt.

Dafür gab die Doku einen kleinen, beinahe ebenso versteckten Tipp: LEDs sind sparsam, ungefährlich – und verdammt teuer. Aber einfache Antworten sind beim Thema Umweltschutz vermutlich nun mal nicht zu haben.

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