Mikrobiologie
Bakterien auf der Haut sind gut für das Immunsystem
Bakterien gehören zur menschlichen Haut. Bislang ging man davon aus, dass die Mikroben vor allem für die Abwehr nach außen zuständig sind. Jetzt ist klar: Sie tun auch etwas für unser Immunsystem.
Man kann noch so reinlich sein, sich noch so oft waschen – unsere Haut ist und bleibt besiedelt von Bakterien. Zwischen 100 und 10.000 leben auf jedem Quadratzentimeter unserer Haut. Insgesamt käme man bei einer "Volkszählung" der bakteriellen Hautmitbewohner auf unserer rund zwei Quadratmeter großen Haut auf so viele Mikroben, wie es Menschen auf der Erde gibt.
Sie leben in Hautfalten, im öligen Milieu der Poren und vor allem in den Haarfollikeln, den tiefen Einstülpungen der Haut, an deren Grund die Haare gebildet werden. Aus diesen Verstecken wandern die Bakterien nach jeder Wäsche wieder an die Hautoberfläche zurück. Die Haarfollikel sind das Reservoir des Mikrobioms unserer Haut.
Forscher um Yasmine Belkaid vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda berichten im Fachjournal "Science", wie überaus wichtig die Mikroben auf unserer Haut für unsere Gesundheit sind.
Bakterien und Immunsystem
Bislang gingen Wissenschaftler und Mediziner davon aus, dass Hautbakterien vor allem der Abwehr von gesundheitsschädlichen Parasiten und Keimen dienen. Sie bilden einen Schutzmantel und wehren Erreger ab. Doch nun zeigten Experimente an Mäusen, dass die Bakterien auf der Haut nicht nur für die äußere Feindabwehr zuständig sind, sondern auch für die innere: Sie aktivieren nämlich unser körpereigenes Immunsystem.
Ein solcher Zusammenhang zwischen Bakterien und dem Immunsystem war bislang nur von den winzigen Siedlern in unserem Darm bekannt. "Die Haut benötigt Signale der Mikroben für eine gesunde Immunzellfunktion", erklärt Shruti Naik, die an der Studie mitgearbeitet hat.
Die Forscher hatten Versuche mit zwei Gruppen von Mäusen durchgeführt. Die Tiere der einen Gruppe verfügten über ein normales Mikrobiom auf ihrer Haut. Die Mäuse der zweiten Gruppe waren in einer völlig sterilen Umgebung aufgewachsen, sodass es auf ihrer Haut keine Mitbewohner gab.
T-Zellen weniger aktiv
Die Immunsysteme unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen deutlich. Die T-Zellen der keimfreien Mäuse waren deutlich weniger aktiv, das Immunsystem dieser Mäuse also quasi heruntergefahren. Damit waren sie insgesamt weniger gegen Krankheitserreger geschützt – nicht nur gegenüber Entzündungen der Haut.
Die Wissenschaftler konnten überdies nachweisen, dass Hautbakterien auch beim Menschen das Immunsystem beeinflussen. Das Mikrobiom spielt offenbar eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Dass der Mensch zu rund 90 Prozent aus Bakterien besteht, hat wohl seinen guten Grund.
















