25.07.12

Gesundheit

Herzinfarkt ist für Frauen besonders gefährlich

Herz-Kreislauf-Erkrankung nehmen bei Frauen zu. Ihre Überlebenschancen sind viel geringer als die von Männern.

Foto: Infografik Die Welt

Wie häufig Bluthochdruck in der Gesamtbevölkerung vorkommt und welche Faktoren die Erkrankung fördern.

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Frauen fürchten Brustkrebs mehr als Herzinfarkt. Dabei stirbt jede zweite an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber nur eine von 25 an Brustkrebs. Herzschäden bei Frauen nehmen zu, auch bei jüngeren um die 40. Und ihre Überlebenschancen sind geringer als die der Männer. Inzwischen sterben mehr Frauen an Herzinfarkt als Männer.

Trotzdem scheint sich das Vorurteil hartnäckig zu halten, wonach der Herzinfarkt eine typische Männererkrankung ist. Frauen unterschätzen offenbar ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings sind auch die Symptome bei ihnen oft untypisch.

"Frauenherzen schlagen anders", sagt Lorelies Singerhoff, Autorin des Sachbuches "Weiblich, 44, Herzinfarkt", in dem sie den Unterschied in weiblichen und männlichen Herzensangelegenheiten erläutert und viele wertvolle Tipps gibt, wie Frauen den Knock-Out vermeiden können.

Während Männer über die charakteristischen Brustschmerzen klagen, kündigt sich der Infarkt bei vielen Frauen mit Übelkeit und Erbrechen an. Frauen haben nach den Recherchen der Autorin eher Schmerzen im Bauch und im Rücken. Sie fühlen sich allgemein schwach und klagen über Atemnot. Wer kommt bei diesen Symptomen schon auf die Idee, dass die Beschwerden vom Herz herrühren könnten?

Auch neigen Frauen dazu, Beschwerden erst einmal zu ignorieren. Deshalb werden sie häufig zu spät als Herzinfarktpatient erkannt. Die Symptome werden oft auf seelische Probleme während der Wechseljahre oder depressive Verstimmungen zurückgeführt.

Studien haben gezeigt, dass Frauen viermal häufiger zum Arzt gehen müssen, um bei Angina Pectoris (Durchblutungsstörungen der Herzarterien) die gleiche Aufmerksamkeit und die gleichen Untersuchungen zu erlangen wie ein Mann.

Wenn Diagnose und Therapie bei Frauen eindeutig schlechter sind als bei Männern, sollten sie wenigstens Bescheid wissen, "damit sie nicht hilflos in die Hände eines inkompetenten Arztes" geraten, findet Singerhoff. Denn in den meisten Fällen kündigt sich ein Herzinfarkt zumindest einige Tage vorher an – durch ein beklemmendes Druckgefühl in der Brust, Schmerzen im linken Arm sowie in der Schulter, die bis zum Hals, Unterkiefer oder in den Oberbauch ausstrahlen können.

Tritt dieser Schmerz bei körperlicher oder seelischer Belastung auf und verschwindet nach Rückkehr zur Ruhe wieder, dann sollte frau zum Arzt gehen und auf einem Belastungs-EKG bestehen. Es könnte sich um Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung handeln, die einem Herzinfarkt vorausgeht.

Tritt der Schmerz in Ruhe auf, ist Eile geboten. Dann handelt es sich um einen Notfall, denn die Beschwerden könnten Vorboten eines nahenden Herzinfarkts sein. "Lieber einmal umsonst den Notarzt rufen als gar nicht oder zu spät", rät Singerhoff.

Herzinfarkt ist Endpunkt eines langen Prozesses

"Ein Herzinfarkt trifft immer unerwartet, dennoch ist er der Endpunkt eines langen Prozesses über Monate und Jahre", erläutert die Autorin. Vorsorgeuntersuchungen – von den Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr bezahlt – würden viel zu wenig genutzt. Dabei könnten sie Risikofaktoren für Herzerkrankungen frühzeitig aufdecken und ausschalten.

Nach einer Langzeitstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf weisen alle Frauen mit koronarer Herzkrankheit mindestens einen der folgenden Risikofaktoren auf: hohen Blutdruck, Rauchen, Diabetes, hohe Blutfettwerte, Übergewicht, Überbelastung, mangelnde soziale Unterstützung.

Bei den meisten liegt eine Kombination von mehreren Risikofaktoren vor. Eine Häufung von Risikofaktoren sollte die Frau veranlassen, das Herz durch ein Belastungs-EKG überprüfen zu lassen, auch wenn sie sich gesund fühlt, empfiehlt Singerhoff.

Derselben Studie zufolge treiben herzkranke Frauen weniger Sport und essen oft tierische Fette, während Herzgesunde sich überwiegend von Obst und Gemüse ernähren. Auch das Alter spielt eine Rolle: "Spätestens mit 50 muss eine Frau damit rechnen, dass das Herzinfarktrisiko steigt", warnt die Autorin.

Der gefährlichste Risikofaktor für die Sterblichkeit von Frauen ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen das Rauchen. Die schützende Wirkung der weiblichen Hormone scheint durch die Inhaltsstoffe der Zigarette lahmgelegt zu werden. Das Infarktrisiko einer 50-jährigen Raucherin ist viermal so hoch wie das einer gleichaltrigen Nichtraucherin.

Alter und genetische Vorbelastung kann eine Frau nicht beeinflussen, ihren Lebensstil schon, mahnt Singerhoff. Dazu gehören eine gesündere Ernährung mit weniger kalorienreichen und fetthaltigen Lebensmitteln zugunsten von mehr Obst und Gemüse, regelmäßige körperliche Aktivität und Rauchverzicht. So reduzieren 200 Gramm Obst und Gemüse täglich das koronare Risiko um etwa 60 Prozent. 100 Gramm Fleisch und Wurstwaren erhöhen es dagegen um etwa 150 Prozent.

Quelle: dapd/mim
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Was passiert bei einem Herzinfarkt?
  • Auslöser

    Für den Verschluss eines verengten Herzkranzgefäßes genügt oft nur ein kleiner Anlass: Körperliche Anstrengung, Aufregung oder plötzlicher Ärger sowie einschneidende Lebensereignisse können einen Infarkt auslösen.

  • Geschehen

    Mit dem Infarkt ist das Absterben eines Gewebebezirkes verbunden, weil dieser unzureichend oder gar nicht mit Blut versorgt wird. Die Muskelzellen des Herzens können längere Zeit ohne Sauerstoff nicht überleben.

  • Diagnostik

    Diagnostiziert wird ein Infarkt zumeist mittels EKG und Blutwerten. Oft bringt erst die Verlaufskontrolle über mehrere Stunden, die charakteristische Veränderungen anzeigt, Gewissheit. Häufig braucht es auch ein EKG, das alle Zonen des Herzens erfasst, um den Infarkt genau lokalisieren zu können. Ein weiteres sicheres Zeichen für einen Herzinfarkt ist das Ansteigen der Blutfettwerte vier bis sechs Stunden nach Infarktbeginn.

  • Ursachen

    Ursache für den Herzinfarkt ist die Arteriosklerose, eine Verengung und Verhärtung der Blutgefäße (Arterien). Dieser Krankheitsprozess beginnt schon im Alter um die 20. Über Jahre und Jahrzehnte setzt er sein bedrohliches Wirken im Organismus fort. Lebensumstände und Gewohnheiten können dieses Risiko deutlich erhöhen. Wer seine Arterien und Venen „pflegt“, ist in aller Regel gut drauf, lebt jedenfalls besser als andere und nicht zuletzt auch länger

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