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29.04.09

Psychologie

Jedes fünfte Kind leidet unter Schulangst

In Deutschland leidet Schätzungen zufolge jeder fünfte Schüler unter Schulangst – Mädchen öfter als Jungen. Betroffene Kinder beklagen sich häufig über Bauch- und Kopfschmerzen am Morgen. Dabei täuschen sie die Schmerzen in der Regel nicht vor, sondern empfinden sie tatsächlich.

© dpa
Elterliche Unterstützung gibt Kindern mit Schulangst mehr Selbstbewusstsein.

Häufige Bauch- und Kopfschmerzen am Morgen können gerade bei Erst- und Zweitklässlern auf eine ausgeprägte Schulangst hindeuten. "Die körperlichen Symptome sind psychosomatischer Natur, das heißt sie hängen eng mit dem seelischen Befinden des Kindes zusammen", erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychosomatik, Maik Herberhold.

In den unteren Klassen haben die Betroffenen dem Experten zufolge Angst, die Sicherheit des Elternhauses zu verlassen. Die Symptome treten vor allem bei der Einschulung, nach den Ferien, einer Krankheit oder einem Umzug auf. "Meist sind die Kinder auch sonst sehr anhänglich", erklärt Herberhold. Bei älteren Schülern stünden eher soziale Ängste im Vordergrund: Das Kind habe Sorge, sich vor Mitschülern und Lehrern zu blamieren, nicht akzeptiert oder Anforderungen nicht gerecht zu werden.

Generell sollten Eltern ihr Kind ernst nehmen und ihm das Gefühl geben, nicht allein mit seiner Angst zu sein, rät der Psychiater. Beruhigend könne es sein, wenn Mutter und Vater von ähnlichen Erfahrungen aus ihrer Schulzeit berichteten. Bei Trennungsangst und sozialen Ängsten sei es besonders wichtig, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken. Geben Sie ihm kleine Aufgaben im Haushalt, damit es sich mehr zutraut. Fördern Sie Freizeitaktivitäten und Treffen mit Freunden am Nachmittag, die Ihr Kind ohne Sie unternimmt", empfiehlt Herberhold.

Bei Leistungsangst müsse das Kind spüren, dass die Eltern es unabhängig von seinen Noten liebten: "Nehmen Sie den Druck von Ihrem Kind, überlegen Sie gemeinsam, wie Sie es schulisch unterstützen können." Wenn alle Maßnahmen nichts nutzten, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs unbedingt einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchen. "Denn anhaltende Schulangst kann schwere psychische Probleme nach sich ziehen", warnt Herberhold.

Quelle: AP/LF
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