08.06.12

Konserven

DRK kritisiert Blutspenden gegen Geld

Wer beim DRK Blut spendet, tut dies ohne Entgelt. Private Firmen, Unikliniken oder Pharmafirmen zahlen eine Aufwandsentschädigung. Doch nicht nur diese Diskrepanz macht dem DRK zu schaffen.

Foto: dpa
Blutspende
Nur wenige junge Menschen spenden Blut

Die warme Jahreszeit sorgt bei den Blutspendediensten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) immer wieder für Durststrecken. Im Sommer gehen Spender lieber an die frische Luft als ins Labor. Sorgen macht dem DRK nicht nur das Wetter, sondern auch die Konkurrenz, die Geld an Spender zahlt. Eigentlich sei dies nicht erlaubt, betonte der Sprecher der DRK Blutspendedienste, Friedrich-Ernst Düppe.

Wie sieht die Spendenbereitschaft derzeit aus?

Düppe: Im Moment kommen wir ganz gut über die Runden. Erfahrungsgemäß sind die ersten sechs Wochen einer Schönwetterperiode mit einer Durststrecke verbunden. Im vergangenen Jahr hatten wir durch die Ehec- und Hus-Welle eine Ausnahmesituation. Es gab eine und ein erhöhtes Spendenaufkommen. Vielleicht gibt es da in diesem Jahr ja noch den Einen oder Anderen, der sich wieder zu einer Spende entschließt. Insgesamt ist die Blutversorgung aber übers Jahr gesehen ausreichend.

Die Bevölkerung wird immer älter. Welche Folgen hat das für die Blutvorräte?

Düppe: Mit steigendem Alter mehren sich die Krankheiten, für deren Behandlung eine Blutkonserve benötigt wird. Gleichzeitig wächst uns nicht die Masse an Spendern nach, die wir brauchen. Die älteren von ihnen spenden drei bis fünf Mal im Jahr, die jüngeren durchschnittlich nur eineinhalb Mal. Wir brauchen also die doppelte oder dreifache Menge an jüngeren Menschen, um einen älteren Spender, der aus Altersgründen ausscheidet, zu ersetzen.

Werden die Vorräte also knapp?

Düppe: Es gibt einige Experten, die sagen, da rollt eine Alterslawine auf uns zu. Ich bin da ein bisschen moderater. Wir haben ja ohnehin nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung als aktive Blutspender. Da müsste nach oben zumindest rein rechnerisch noch genügend Luft sein. Die Frage ist, wie kriegen wir die Leute mobilisiert? Spenden darf jeder ab 18 Jahren. Bei der ersten Spende sollte man höchstens 68 Jahre alt sein. Viele Bundesländer haben die Altersgrenze nach oben inzwischen aufgehoben und lassen jeden spenden, der gesund ist.

Gibt es Überlegungen, als Anreiz Geld zu zahlen?

Düppe: Nein. Die gesetzliche Vorgabe in ganz Europa heißt: Die Blutspende muss freiwillig und unentgeltlich sein. Wir haben hier in Deutschland aber die besondere Situation, dass einige Universitätskliniken, private Dienste und natürlich die Pharmaindustrie meinen, man müsse eine pauschalierte Aufwandsentschädigung zahlen. Ein Ersatz für die Fahrt- und Parkkosten wäre in Ordnung, 25 Euro auf die Hand aber nicht.

Ist das eine Konkurrenz für das DRK?

Düppe: Früher hätte ich gesagt: Nein. Aber durch die Arbeitslosigkeit ist das heute schon eine Konkurrenz für uns. 25 Euro sind der dreifache Tagessatz eines Hartz-IV-Empfängers. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Quelle: dpa/cl
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