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30.07.07

Gesundheit

Vertragen Chinesen nun Milch oder nicht?

Bunte Werbeschilder und flippige Werbespots propagieren: "Milch ist gut für euch - trinkt mehr Milch!" In den Regalen finden sich immer mehr Milchtüten, Joghurts und andere Milcherzeugnisse. In China herrscht ein wahrer Milch-Boom - und das, obwohl mehr als 90 Prozent der Chinesen keine Milch vertragen.

© EPA
So wird in Peking für die Milch geworben.
So wird in Peking für die Milch geworben.

Milch und Milchprodukte werden in Deutschland teurer. Schuld sind - neben den Indern - die Chinesen. Seit 1978 mit Beginn der Reform und Öffnung Chinas stieg der Absatz von Milchprodukten enorm an. Erstaunlich nur: Etwa 90 Prozent der Chinesen leiden an einer Laktoseintoleranz. Sie können den auch als Milchzucker bekannten Stoff nicht abbauen. Weltweit sind etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung - allen voran Afrikaner, Inder und Chinesen - von einer mangelhaften Laktoseverwertung betroffen. Auch in Deutschland ist dies für etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen ein Problem.

Die Gene sind schuld

Der Grund liegt in den Genen. Der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker (Laktose) kann als Folge einer verminderten oder fehlenden Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht abgebaut werden. Die Folgen sind , Durchfall oder auch Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Bei Kleinkindern und während der Stillzeit wird das Enzym normalerweise in ausreichenden Mengen produziert, um die Muttermilch verdauen zu können. In späteren Jahren geht die Produktion zurück oder wird ganz eingestellt. Die Fähigkeit, Milchzucker auch als Erwachsener verdauen zu können, entstand vor etwa 8000 Jahren. Genetisch gesehen ist dies eine junge Entwicklung, die vermutlich mit der Zunahme der Milchviehhaltung zusammenhängt.

Was aber nicht heißt, dass es unmöglich wäre, Milch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen. "Nur etwa ein Drittel der Betroffenen leidet an körperlichen Beschwerden, wie Unwohlsein und Erbrechen", weiß Jürgen Schrezenmeir, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung in Kiel. Nur bei größeren Mengen treten auch bei sonst beschwerdefreien Patienten die unangenehmen Auswirkungen auf. "Bei einer Tasse Milch am Tag ist dies jedoch gewöhnlich nicht der Fall", bestätigt Schrezenmeir.

Werbekampagnen für Milch

Neben den traditionellen Nahrungsmitteln wie Reis und Soja sind Joghurts in China schon seit Jahrzehnten bekannt. Milch hingegen galt bis vor einigen Jahren als verpönt. Ein Bericht der Ministerien für Gesundheitswesen, Wissenschaft und Technik über den Ernährungs- und Gesundheitszustand der chinesischen Bewohner aus dem Jahr 2004 attestierte den Chinesen eine zu geringe Kalziumaufnahme. Dies sollte sich mit groß angelegten Werbekampagnen ändern.

Schon seit langem gilt es als erwiesen, dass ein ausreichender Milchkonsum vorbeugend gegen Osteoporose, Bluthochdruck, Herzinfarkte und Übergewicht wirkt. Das in der Milch enthaltende Kalzium und die essenziellen Aminosäuren helfen beim Knochen- und Zellaufbau.

Der Westen brachte den Milchboom

Positiv auf den Milchkonsum wirkte sich auch der gestiegene Lebensstandart der Chinesen aus. Mit der Orientierung an den westlichen Lebensstil kamen nicht nur Burger und Pizza in das Land, sondern auch Milchshakes, Butter, Käse und Quark. Das die Chinesen neben dem positiven Effekt des Kalziums aus der Milch auch an immer mehr Übergewicht leiden, ist ein anderes Problem.

"Das Angebot in China beschränkt sich meist auf fermentierte Milchprodukte, bei denen die Laktose weitgehend abgebaut oder entfernt wurde", erklärt Schrezenmeir und fügt hinzu: "Im Käse ist keine Molke, dementsprechend auch keine Laktose und im Joghurt bauen die Milchsäurebakterien sie ab."

Doch man kann sich auch an die Milch und ihre Laktose gewöhnen. Wissenschaftler wie Schrezenmeir glauben, dass der Körper Laktoseüberempfindlichkeiten bei regelmäßigem Milchgenuss abbauen kann. Die Produktion des Verdauungsenzyms Laktase kann dabei zwar nicht wieder aufgenommen werden, dennoch hat die unabgebaute Laktose einen gesundheitsfördernden Einfluss auf den Darm. Ähnlich wie ein Probiotikum hilft sie - durch die Verstoffwechselung in den Milchsäurebakterien - den Dickdarm gesund zu erhalten.

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