Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
24.09.07

Klimawandel

Süd-Manhattan in 100 Jahren überflutet

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht auch die USA: Die New Yorker Wall Street wird in den Fluten versinken, ganze Stadtteile von San Francisco werden unter Wasser stehen, die Küsten Floridas werden vom Meer verschluckt. Forscher sehen darin in Zukunft die dringlichsten Probleme der USA. Es gibt nur drei Auswege.

© dpa
Prognosen erinnern an Science Fiktion: Eine Flutwelle bricht im Kinofilm "The Day After Tomorrow" über die US-Metropole New York City herein
Prognosen erinnern an Science Fiktion: Eine Flutwelle bricht im Kinofilm "The Day After Tomorrow" über die US-Metropole New York City herein

In 100 Jahren soll der Meeresspiegel um rund einen Meter steigen und würde dann an den US-Küsten etwa 65.000 Quadratkilometer Land überfluten - eine Fläche etwa von der Größe Bayerns. "Es wird ein Meter sein und es gibt nichts was wir dagegen tun können. Die Frage ist nur wann", sagt der Klimatologe Andrew Weaver von der Universität Victoria, einer der führenden Autoren des jüngsten Berichts des Weltklimarats (IPCC). Manche Experten sagen einen Anstieg um einen Meter innerhalb von 50 Jahren voraus, andere hoffen, es könnten noch 150 Jahre vergehen. Die meisten der mehr als zwei Dutzend Klimaexperten gehen jedoch davon aus, dass es in 100 Jahren soweit sein wird.

Die prognostizierten Folgen basieren auf Küstenlandkarten der US-Universität Arizona und Daten des Geologischen Dienstes, einer wissenschaftlichen Behörde des US-Innenministeriums. Danach wird an der Börse in der New Yorker Wall Street Land unter sein, die U-Bahn-Röhren der Metropole werden regelmäßig überflutet. Auch das Fliegen dürfte schwieriger werden: Die Landebahnen von New Yorks Flughafen La Guardia werden nur noch für Wasserflugzeuge infrage kommen, und auch der größte Flughafen, John F. Kennedy, liegt nahe am Atlantik.

"Der Anstieg des Meeresspiegels wird stärkere Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Infrastruktur haben als alles andere, das ich mir ausmalen kann", erklärte der Küstengeologe des Geologischen Dienstes, Jeffress Williams.

In New York diskutieren Staats- und Regierungschefs seit Montag auf Einladung der Vereinten Nationen über Strategien gegen die globale Erwärmung, zum Ende der Woche will US-Präsident George W. Bush eine separate Konferenz in Washington zu dem Thema abhalten.

Neue Überlebensstrategien erforderlich

Den Wissenschaftlern zufolge werden jedoch Programme zur Reduktion der Treibhausgase, die jetzt noch beschlossen werden, an der Prognose nichts ändern. Deswegen müssen sich die Küstengebiete der USA Überlebensstrategien zurechtlegen.

Es gibt nur drei Auswege: Das Einfachste wäre es, küstennahe Landstriche aufzugeben. Das würde allein in New York und Florida bedeuten, milliardenschweres Immobilienvermögen und den Lebensraum von tausenden Menschen zu zerstören. Daher kommt an diesen Stellen wohl eher künstlicher Schutz vor den Fluten in Frage: Gigantische Dämme, Schleusen und Flutbarrieren müssten errichtet werden – ein System vergleichbar der aufwendigen Flutkontrolle in den Niederlanden. Der finanzielle und technische Aufwand wird aber nur an wenigen besonders bevölkerten Orten möglich sein, nicht entlang der gesamten, tausende Kilometer langen US-Küste. Die Politik muss entscheiden, welche Landstriche aufgegeben werden. Die dritte Strategie besteht darin, Land aufzuschütten und Neubauten höher zu legen - ein konstanter Kampf gegen das Wasser.

Mit einem höheren Meeresspiegel werden auch Stürme und Hurrikans gefährlicher, weil sie Flutwellen weiter landeinwärts treiben werden. Ganze Stadtteile von New York oder San Francisco könnten bei einem großen Sturm schnell überflutet werden. Die Reste von New Orleans, die bis dahin noch nicht im Wasser verschwunden sein werden, dürften dann schon von kleineren Hurrikans stark bedroht sein. Florida steht der US-Umweltschutzbehörde (EPA) zufolge vor dem Problem der Versalzung des Grundwassers. Dies würde die Trinkwasserversorgung stark gefährden, warnt die Behörde.

Der Anstieg wird den Experten zufolge progressiv fortschreiten. So langsam, dass die Politik ihn auch noch eine Weile ignorieren kann, fürchtet der Küstengeologe Williams. Es sei wie beim Wasserkochen auf dem Herd: "Wenn Sie den Finger anfangs in den Topf stecken, gewöhnen sie sich an die Hitze", erklärt der Forscher des Geologischen Dienstes. Irgendwann fängt das Wasser dann zu kochen an.

Weiter Informationen im Internet:

http://tinyurl.com/2df72n

http://woodshole.er.usgs.gov/project-pages/cvi

http://tinyurl.com/ca73h

Quelle: AP/OC
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote