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20.11.08

Sozialpsychologie

Graffiti stiften zu miesem Verhalten an

Für den einen sind Graffiti Kunst, für den anderen Schmiererei. Tatsächlich gibt es Unterschiede. Oft suchen sich Sprayer Häuserwände, U-Bahn-Züge oder Unterführungen für ihre Krakeleien aus. Allein die Anwesenheit von Graffiti verdoppelt die Zahl der Menschen, die stehlen oder Abfälle auf die Straße werfen.

Reuters

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Graffiti tragen nicht unbedingt zur Verschönerung eines Viertels bei. Eine Studie zeigt jetzt, dass die Schmierereien außerdem das Verhalten der Menschen negativ beeinflussen. Allein die Anwesenheit von Graffiti verdoppelt die Zahl der Menschen, die stehlen oder Abfälle auf die Straße werfen. Das haben Wissenschaftler der Universität Groningen in Feldversuchen nachgewiesen.

Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Menschen Normen oder Gesetze übertreten, wenn sie beobachten, dass auch andere Regeln verletzen, schreiben die Wissenschaftler um Kees Keizer im US-Fachjournal "Science". Der Effekt sei nicht auf gesellschaftliche Normen begrenzt, sondern gelte auch für polizeiliche Verordnungen und legitime Bitten privater Firmen.

Die Wissenschaftler führten sechs Feldversuche durch. In einem Fall beobachteten sie Menschen in einer Straße in einem Shopping-Viertel, wo viele Fahrräder parken. Mal waren die Wände sauber, mal wurden sie beschmiert – wobei es sich um einfache Graffiti handelte und nicht etwa um kunstvolle Bilder. An den Fahrradlenkern wurden Werbeflyer befestigt.

Die Wissenschaftler beobachteten das Verhalten der Leute, wenn sie ihr Rad wieder abholten. Einen Mülleimer gab es in der Straße nicht. Die Forscher stellten einen deutlichen Unterschied fest: Waren die Wände sauber, warfen 33 Prozent der Radfahrer den störenden Flyer auf die Straße. Gab es Graffiti, waren es hingegen 69 Prozent – mehr als doppelt so viele.

Keizer und Kollegen konnten auch nachweisen, dass Graffiti und Müll die Bereitschaft zum Stehlen erhöhen. Aus einem Briefkasten ließen sie einen Umschlag heraushängen, in dem sich sichtbar ein 5- Euro-Schein befand. Das Ergebnis: Waren der Briefkasten und seine Umgebung sauber, stahlen 13 Prozent der Passanten den Umschlag mit dem Geld. Das taten aber doppelt so viele, wenn der Briefkasten mit Graffiti beschmiert war (27 Prozent) oder Müll herumlag (25 Prozent).

Die wahrscheinlichste Interpretation für diese Ergebnisse sei, dass ein Fehlverhalten ein weiteres Fehlverhalten fördert, in dem es das Ziel eines ordnungsgemäßen Verhaltens abschwächt, schreiben sie.

Die Ergebnisse stützen die sogenannte "Theorie des zerbrochenen Fensters", wonach Anzeichen von ordnungswidrigem Verhalten – wie zerbrochene Fenster, Graffiti oder Müll – weitere Vergehen und Kleinkriminalität nach sich ziehen.

Für politische Entscheidungsträger und die Polizei ergebe sich eine klare Botschaft, schreiben Keizer und seine Kollegen: Im Kampf gegen die Ausbreitung von Unordnung seien frühes Erkennen und Einschreiten von zentraler Bedeutung.

Quelle: dpa/mh
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