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30.10.08

Kurztest

Drei Knaller zum Auftakt der Videospiel-Saison

Es ist Herbst, die Videospieler verschanzen sich wieder zuhause. Morgenpost Online hat vier hochgehandelte Neuerscheinungen ausprobiert: das Rennspiel Wipeout HD, das Rollenspiel Sacred 2 und die beiden Ballerspiele Bioshock und Far Cry 2. Eines von ihnen ist ein Totalausfall – und gehört nicht unter den Weihnachtsbaum.

© Ubisoft
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Bioshock: Für Xbox 360 und den PC ist das Spiel schon vor knapp einem Jahr erschienen, nun wurde noch einmal aufwendig eine PS3-Version programmiert. Sie ist auf großen Bildschirmen teils unscharf im Vergleich zur Xbox-Variante (ein Verbesserungsprogramm soll demnächst kommen), aber sie spielt sich viel flüssiger. Jetzt kann die morbid-schöne Unterwasserwelt also richtig aufleben.

Die Unterwasserstadt Rapture sollte ein Menschheitstraum werden, ein herrliches Utopia für die genmanipulierte Oberschicht der Zukunft – und dann ist natürlich irgendwas teuflisch schief gegangen. Das ist die Geschichte von Bioshock. Es ist nur ein Egoshooter. Das vergisst man aber beim Spielen leicht: Die gesamte Welt ist in Art Deco und Jugendstil gezeichnet. Die Monstren sind komplex bis hin zu bösen kleinen Mädchen, die von mächtigen Robotern in Retro-Taucheranzügen geschützt werden.

Der Spieler kann seine eigenen Fähigkeiten genetisch aufstocken und sich je nach Bedarf eine Feuerhand oder Telekinese verschaffen. So ausgerüstet, zieht er als der schiffbrüchige, unfreiwillige Gast Jack gegen den in der Zombie- und Geisterstadt residierenden Diktator Ryan zu Felde. Das dramaturgische Prinzip ist leider arg durchschaubar und nervt bald sehr: Immer wenn Jack sein Ziel fast erreicht hat, kommt ihm genau in dem Moment noch ein Problem dazwischen und er muss noch mal etwas ganz anderes schaffen – etwa die sterbende Vegetation der Kuppelwelt retten, oder eine Familie doch noch aus einem U-Boot befreien. So hangelt alles sich immer weiter. Vielleicht darf man dem Spiel nicht vorwerfen: Actionfilme sind ja auch nicht frei von solchen dümmlichen Genre-Klischees. Fesselnd ist die Unterwasserwelt von Rapture eben doch.

Alles was "F.E.A.R" mit seinem dick aufgetragenen Horror falsch gemacht hat, ist hier richtig, und die Langeweile vieler Shooter kommt nie auf. Es sieht spektakulär aus, und dass Bioshock nie verheimlicht, letztlich bloß ein Ballerspiel zu sein, gehört zu seinen sympathischen Stärken.

Hersteller: 2k Games, Take Two

Preis: 40 bis 70 Euro

System: Playstation 3, Xbox 360, PC

Keine Altersfreigabe

Sacred 2: Der Flop des Jahres lässt sich schon jetzt ausrufen. Er heißt Sacred 2 und zahlreiche begeisterte Fans haben lange auf ihn gewartet. Immerhin war "Sacred" von 2004 ein gelungenes Action-Rollenspiel, nicht so verspielt und komplex wie "Everquest" und die anderen Online-Konkurrenten, sondern auf Kämpfe ausgerichtet. Danach kam der Boom von "World of Warcraft". Vor zwei Wochen ist trotzdem ein Nachfolger für "Sacred" erschienen und ärgert bisher die Käufer vor allem.

Ist der PC nicht mächtig und nagelneu, muss die Grafik auf Minimaleinstellungen runtergefahen werden, damit nicht alles nur ruckelt und festhängt. Das System von Skills, Kampfkünsten und all dem üblichen Schnickschnack ist extrem kompliziert und macht wenig Freude. Tastenbelegungen stimmten im Handbuch nicht. Was der Spieler als erstes sieht, sind: Quests, Quests, Quests. Also immer wieder kleine Aufgaben wie "Töte zehn Wegelagerer". Das ist stinköde, war es auch schon bei Archlord, WoW & Co, aber hier ist es besonders lieblos und ohne jede Spannung organisiert.

Die krude und kurze Story um die prähistorische Fantasy-Welt Ancaria wird in Textboxen präsentiert, ohne Sprachausgabe. Irgendwann kommt zwar auch ein bisschen Abwechslung – da muss man etwa der Power-Metal-Band "Blind Guardian" zu ihrem Auftritt im Spiel noch Instrumente bringen oder mal bei einem streitenden Paar vermitteln. Das alles tritt aber viel zu spät, viel zu wenig und unmotiviert ins Spiel. Der Entwickler "Ascaron" ist einer der erfolgreichen und renommierten Deutschlands, hier hat er sich entweder vergaloppiert oder hofft auf harte Action-Fantasy-Fans. Die spielen aber längst alle World of Warcraft. Es gibt keinen Grund für Sacred 2, und nun ist auch wirklich am Spiel nichts überraschend – schade.

Hersteller: Ascaron

Preis: 40 bis 65 Euro

System: Playstation 3, Xbox 360, PC

Wipeout HD: Er gilt als Vater der Science-Fiction-Rennspiele: Wipeout für die Playstation. Schon der erste Teil war 1995 ein Verkaufsargument für die Playstation 1, nach etlichen Ablegern gibt es nun erstmals einen Wipeout-Teil in hochauflösender Grafik für die neue Playstation 3. Das Spiel ist über das Internet für 18 Euro erhältlich – und ist eine Art Best-Of der vergangenen Serienteile, die auf der mobilen "Playstation Portable" erschienen waren.

Sie steuern ein Rennschiff über achterbahnähnliche Parcours, wehren sich mit Raketen, Minen und anderen Extras gegen sieben Computer-Gegner. Das besondere an der Wipeout-Serie ist die Steuerung: Weil das Schiff schwebt, lenkt es sich etwas schwammig – der Spieler benötigt viel Feingefühl. Allerdings hat Sony diesmal einen Anfänger-Modus eingebaut: Ihr Schiff donnert dank einer Steuerungshilfe viel seltener in die Absperrungen.

Die Optik ist ausgezeichnet, vermittelt einen flotten Renneindruck. Der Soundtrack gehört mal wieder zu den besten der Videospielbranche, mit Musik von Kraftwerk, Ed Rush oder den Stanton Warriors. Vor allem aber ist Wipeout immer noch eine gelungene Abwechslung zu herkömmlichen Autorennspielen. Allerdings wird es ziemlich schnell recht schwierig. Schon ab dem dritten von acht Missionsabschnitten ist höllische Konzentration gefordert.

Hersteller: Sony (SCEE)

System: Playstation 3

Preis: 18 Euro

Far Cry 2: Das wurde aber auch Zeit: Endlich widmet sich ein Spiel dem afrikanischen Kontinent. Bei Far Cry 2 spielen Sie einen Söldner, der sich in einem Bürgerkrieg verdingen muss. Die Attraktion ist dabei die Landschaft: Nie zuvor wurde die afrikanische Savanne so stimmungsvoll eingefangen. Wenn sich die Sonne senkt, noch ein paar Löwen durch das Gras schleichen, dann fühlen Sie sich wie auf einer Safari.

Natürlich wird auch geballert. Der Söldner nimmt Aufträge an, muss sich etwa an gegnerische Lager anschleichen und seine Feinde ausschalten. Das Spielgefühl ähnelt dem Vorgänger "Far Cry" – einem der erfolgreichsten Ego-Shooter der vergangenen Jahre. Doch das hatte seinerzeit das deutsche Studio Crytek entwickelt, die Markenrechte kaufte dann der französische Verlag Ubisoft. Und der hat leider nicht alle Hausaufgaben erledigt. Denn die Missionen wiederholen sich, die Wege zwischen den Zielen sind lang, die Charaktere bleiben farblos und die Geschichte fad. Die Konkurrenz wie "Call of Duty 4" oder "Metal Gear Solid 4" spielt in diesen Disziplinen in einer anderen Liga.

Trotzdem ist Far Cry 2 ein zeitweiliges Spiel. Denn das wichtigste ist dann doch gelungen: die Kampfszenen. Und wer nach rund 30 Stunden die Einzelspielerkampagne durch hat, widmet sich dem gelungenen Online-Kampf: Dort attackieren Sie bis zu 16 andere menschliche Gegner – über das Internet.

Hersteller: Ubisoft

Preis: 40 bis 60 Euro

System: Playstation 3, Xbox 360, PC

keine Altersfreigabe

Demnächst bei Morgenpost Online im Test: Legend, Little Big Planet, Motorstorm 2, Fallout 3 und viele mehr.

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