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22.10.08

Plasmaphysik

Mit der Kamera erwischt – ein Kugelblitz

Von allen rätselhaften Erscheinungen gehören Kugelblitze zu den faszinierendsten: Lange Zeit wurden sie als Hirngespinste abgetan. Vermeintliche Beweisfotos hat man als Fälschungen entlarvt. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften hat nun eine Aufnahme des Phänomens preisgekürt.

dpa

5 Bilder

Berichte von Augenzeugen, die einen Kugelblitz tatsächlich gesehen haben, sind rar. Und auch Hobbyfotografen haben bei Langzeit-Nachtaufnahmen gelegentlich vergessen, den Kameraverschluss zu schließen, bevor sie die auf dem Stativ sitzende Kamera wieder bewegten. Punkförmige Lichtquellen irgendwo im Bild wurden so zu irrlichternden Erscheinungen in der Nacht.


Unzweifelhaft echt ist die Fotografie von Norbert Michalke, die in einem Labor entstand. Sie dokumentiert nicht nur, dass es die elektromagnetischen Erscheinungen gibt, sondern zeigt auch: Kugelblitze können gezielt erzeugt werden.


Der Berliner Fotograf bannte den Blitz und die ihn erzeugenden Forscher an der Humboldt-Universität (HU) Berlin. Der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) mit Sitz in München ist das Bild jetzt einen Preis für Technikjournalismus wert, es gewann im Wettbewerb "Punkt 2008" in der Sparte "Einzelfoto". Die Jury lobte die "humorvolle, skurrile und liebevolle Inszenierung und die überzeugende Umsetzung der technisch anspruchsvollen Thematik".


Die Erzeugung eines Kugelblitzes im Labor war im August dieses Jahres eine kleine Sensation. Viele Theorien gab es zu den elektromagnetischen Phänomenen, aber wenig Forschung. Gerd Fußmann jedoch, Professor an der HU und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und sein Kollegen Burkhardt Jüttner griffen russische Experimente auf, deren Ziel es war, durch Starkstromentladungen Wasser zu desinfizieren.

Dabei entstanden kugelige Leuchtphänomene – die elektrisierten Fußmann. Herausgekommen ist eine vergleichsweise einfache Versuchsanordnung im Labor mit einer 5000-Volt-Entladung in einem Gefäß mit Wasser.


Der Kugelblitz entspricht, das gesteht Fußmann ein, nicht völlig jenen in der Natur. Denn die Laborvariante löst sich nach etwa einer halben Sekunde auf, sie wandert nicht längere Zeit umher und durchdringt keine Glasscheiben. Doch vielleicht ist das ja nur ein Anfang.

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