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05.12.07

Mars-Mission

Zwei Jahre lang völlig isoliert im Weltraum

Ein Menschheitstraum wird wahr: Im Jahr 2031 fliegt die Nasa zum Mars. Dabei ist der sechsmonatige Hinflug noch die kleinste Hürde. Denn die Position von Erde und Mars zueinander erlauben eine Rückkehr der Astronauten erst nach 16 Monaten. Ein Himmelfahrtskommando, sagen Weltraum-Experten.

DRL

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Der Countdown läuft für die erste Reise der Menschheit zu einem anderen Planeten. 2031 soll es soweit sein – genau achtzig Jahre nach dem ersten Flug eines Menschen um die Erde. Damals, im Jahr 1961, flog der sowjetische Kosmonauten Juri Gagarin ins All. Den 70.Jahrestag seines Flugs feiert die US-Raumfahrtbehörde Nasa, indem sie die Menschheit zu einer "biplanetaren Spezies" macht, zur einzigen intelligenten Lebensform in unserer Milchstraße, die zwei Planeten bewohnt.

In Houston, Texas, veröffentlichte die Nasa jetzt Teile ihres Planes, nachdem die erste bemannte Mission im Jahr 2029 starten soll. Die Mars-Reise wird zwei Episoden haben: Der Crew voraus fliegt das Gepäck, die Astronauten folgen zwei Jahre später. Der Nasa-Plan basiert auf einem Szenarium, das die Wissenschaftler schon seit mehreren Jahren verfolgen: Die so genannte Split Mission – wonach Fracht und Crew in getrennten Raumschiffen unterwegs sind. Das spart Gewicht, Treibstoff und Kosten. Die mehreren hundert Tonnen Fracht werden von zwei Raumschiffen in Einzelteilen in eine Erdumlaufbahn transportiert und dort automatisch zusammengebaut. Die Nasa fliegt in sparsamer Besetzung. 400.000 Kilogramm soll das Raumschiff wiegen, mit Platz für drei, höchstens vier Astronauten. Einmal auf den Weg gebracht, wird es für das erste bemannte Mars-Raumschiff kein Zurück geben. Die Menge des mitgeführten Treibstoffs sowie die Gesetze der Himmelsmechanik lassen weder einen Abbruch des Fluges zu noch eine Nachschubmission von der Erde.

Sechs Monate dauert der Hinflug, auf dem zum ersten Mal Menschen das Erde-Mond-System verlassen und die Schwärze des interplanetaren Raumes durchqueren werden.

Ein kleiner Trost: Auf dem Roten Planeten wird die Crew bereits erwartet – Wohn- und Arbeitsplatz stehen bereit. Sie sind etwa drei Jahre vor der Mannschaft eingetroffen – die einzelnen Module sind nach Art der ISS-Segmente designt und im Voraus-Frachter auf der Mars-Oberfläche eingetroffen.

In ihnen sollen die Astronauten schlafen und forschen. Sie können sich innerhalb dieser Segmente ohne Raumanzug bewegen, wie auf der ISS, sie aber durch eine Luftschleuse verlassen und mit Raumanzügen und Rovern den Mars erkunden. Auch einen Atomgenerator zur Energieversorgung sowie Nahrungsmittel will die Nasa bereits sicher auf dem Mars deponiert haben, bevor Astronauten hintergeschickt werden. Ein aufblasbares Zelt – ab 2008 im Einsatz in der Antarktis – sei ebenfalls denkbar als Heim für die Mars-Crew, heißt es bei der Nasa.

Während des sechsmonatigen Flug durchs Dunkel – soll sich die Crew mit reichlich Obst und Gemüse versorgen. Ein Gewächshaus wird zum Raumschiff gehören, genauso wie Einheiten zum Recyceln von Wasser und Atemluft. Bis die mythische Mission startet, vergehen von heute an noch 24 Jahre. Erster Höhepunkt des Super-Countdowns wird 2020 ein Zwischenstopp auf dem Mond sein. Nicht zuletzt ist der Mond ein ideales Testgelände für Marsmissionen. Er ist gerade einmal 380.000 Kilometer von der Erde entfernt und kann leicht erreicht werden.

Derzeit entwickelt die Nasa bereits die Raketen, welche die Astronauten nach einem fast halben Jahrhundert Abstinenz erneut zum Mond bringen sollen: Zum Beispiel die weltweit schubstärkste Rakete, die "Ares" V. Der Name ist ein Versprechen: "Ares" steht auf griechisch für den Mars; die V soll an die Mondrakete der späten 60er und frühen 70er Jahre erinnern, die "Saturn" V. Die "Ares" V wird eine Transferstufe sowie einen Mondlander in eine der Erdumlaufbahnen schießen. Für die sechsmonatige Reise zum Mars sieht die Nasa ein ähnliches Konzept vor, jedoch mit dem Unterschied, dass statt eines nunmehr vier separate Starts einer "Ares" V mit jeweils mehr als 100 Tonnen Nutzlast nötig sein werden.

Wiederum soll das Raumschiff dann im Erdorbit zusammengesetzt werden, am Ende ungefähr das Gewicht und die Ausmaße der Internationalen Raumstation erreichen – und dann auf Reise gehen.

Die sechsmonatige Hinreise ist noch die kleinste Hürde: Die Konstellation von Erde und Mars im Sonnensystem sieht keine Rückkehr vor, bevor etwa 16 Monate vergangen sind. Solange muss die Mannschaft bleiben, Krankheiten selbst behandeln, notfalls auch medizinische Operationen durchführen. Jeder Funkspruch Richtung Erde wird 15 Minuten lang unterwegs sein. "Eine Reise zum Mars ist ein Himmelfahrtskommando", findet der Astrophysiker Harald Lech von der Technischen Universität München. "Die Teilnehmer an einer solchen Mission müssen wissen, dass sie völlig auf sich allein gestellt sein werden." Für Professor Rupert Gerzer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beginnt die kritische Phase eines mehrjährigen Mars-Fluges erst auf dem Rückflug zur Erde. "Dann haben die Astronauten ihre Hauptaufgabe erledigt, sind aber noch für mehrere Monate eingepfercht in ihrem Raumschiff eng beisammen." Extreme Langeweile und Aggression – dies sieht Gerzer als die wahren Gefahren für die Mars-Crew an.

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